LERNEN DURCH DIENEN
Swamijis Guru, Swami Sivananda, legte großen Wert auf Karma Yoga, den Yoga des selbstlosen Dienstes für die Menschheit. Er lehrte, daß das der beste Weg war, das Herz zu besänftigen und die negativen Eigenschaften zu beseitigen. Swamijis gab viele wichtige Lehrstunden, indem er zeigte, wie Sivananda Karma Yoga nutzte, um den Menschen bei ihrem spirituellen Wachstum zu helfen.
Eine Frau aus Bombay schrieb dem Meister folgenden Brief: „Ich möchte eine Wohltätigkeitsveranstaltung organisieren, einen besonderen indischen Tanz, um Geld für den Sivananda Ashram zu sammeln, dem Ashram des Meisters in Rishikesh. Soll ich das Programm so durchführen, Geld in Bombay sammeln und es Ihnen dann schicken? Ich möchte Ihren Segen, Ihren Rat und Ihre Erlaubnis.“
Der Meister bekam den Brief, schaute ihn an und rief mir zu, „Swamiji Vishnu, hole Swamiji Param hierher.“
Swamiji Param war der Seniorschüler, der erste Swami, der zum Meister kam, als er noch in SwargAshram seine erste Buße tat.
Wir riefen Paramanandaji aus einem Büro herbei. Der Meister überreichte ihm den Brief. „Paramamandaji, bitte beantworte diesen Brief. Es geht um eine Wohltätigkeitsveranstaltung.“
Swami Paramanandaji war ein bißchen einer dieser geschäftstüchtigen Swamis. Der Meister hatte keine Ahnung davon, wer gut war in geschäftlichen Angelegenheiten, wer geschickt war, wem man vertrauen konnte usw. Also gab er den Brief Paramanandaji, der ihn einfach kurz anschaute, er kannte diese Dame sehr gut. Sie war nicht wirklich eine Person, der man vertrauen konnte. Sie sammelte vielleicht Geld im Namen des Meisters, ohne es ihm zu schicken oder sie schickte nur ein wenig und behielt den Rest. Man wußte nicht wirklich, was sie tun würde. Also, was sollte er tun? Sie war mehrere Male im Ashram gewesen und der Meister wußte, daß Paramanandaji sie nicht leiden konnte.
Seht Ihr die Schönheit des Meisters? Er wußte, daß Paramanandaji diese Dame nicht mochte. Also gab er ihm ihren Brief. Es gab so viele andere Swamis, denen er den Brief hätte geben können, aber er gab ihm keinem anderen. Er rief Paramanandaji und sagte zu ihm, „Du beantwortest den Brief.“ Und das wars. Er sagte nichts weiter.
Paramanandaji nahm diesen und andere Briefe und ging in sein Büro, um sie zu lesen. Er beantwortete den Brief mit folgenden Worten, „Mein Segen ist Ihnen gewiß, machen Sie weiter und organisieren Sie diese Veranstaltung.“ Aber er wußte, daß sie eventuell nicht ehrlich mit unserem Ashram umgehen würde. Also sollte er nicht zustimmen. Angenommen er hätte abgelehnt, angenommen er hätte gesagt, „Bitte sagen Sie das Programm ab. Machen Sie es nicht, es ist zu diesem Zeitpunkt nicht nötig.“ Aber wenn er das geschrieben hätte, dann hätte der Meister denken können, daß er sie nicht leiden kann. Also, was sollte er tun? Er war in einem Dilemma, wenn er zustimmte, wäre es schlecht, wenn er ablehnte, wäre es auch schlecht.
Also schreib er zwei kleine Karten. Auf der einen stand, „Mein Segen ist mit Ihnen, bitte machen Sie weiter.“ Auf der anderen stand, „Ich glaube nicht, es ist nicht die richtige Zeit.“ Er tippte beide Karten- eine Karte mit Ja und eine mit Nein- und brachte sie dem Meister zur Unterschrift. Er legte sie auf seinem Schreibtisch, damit dieser auswählen konnte, welche er haben wollte. Auf diese Weise würde er nicht getadelt werden.
Also was tat der Meister? Er sah Paramanandaji und betrachtete beide Karten. Er nahm seinen Stift, unterschrieb beide Karten, gab sie Paramanandaji zurück und fragte, „Willst Du beide Karten abschicken?“
Das ist der Weg, wie der Meister seine Schüler prüft und ihre Reaktionen testet. Jeder von uns hat verschiedene Temperamente und Denkweisen, verschiedene spirituelle Entwicklungen und Stärken. Es sind nicht alle gleich, wenn sie zum Meister kommen. Und der Meister muß sich um sie kümmern. Das Leben war nicht leicht. Nun kann ich zurückblicken und sehen. Zu dieser Zeit konnte ich nicht erkennen, wieviel Kampf und Ärger er zu überstehen hatte, weil ich nur ein Jugendlicher war. Die meisten Menschen dort, so wie Paramanandaji usw. waren erwachsen und der Meister mußte sich auf alle diese Arten von Schülern einstellen, sich auseinandersetzen und sich anpassen. Das war keine leichte Sache. Heute kann ich das sehen, damals nicht. Nun habe ich mich selbst diesen Problemen zu stellen.
Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna
Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.