Posts Tagged ‘Sivananda’

Wohlergehen aller Familienmitglieder

Donnerstag, März 12th, 2009

Swamiji unterstützte aktiv seine Schüler, die in Beziehung lebten, ermutigte sie und erinnerte sie an ihre gegenseitigen Pflichten.Er war immer aufrichtig an dem Wohlergehen aller Familienmitglieder interessiert.

Mein Mann Jim und ich wurden von Swamiji getraut. Er leitete persönlich eine wunderschöne Feuerzeremonie. Er hielt einen Vortrag über den Nutzen und die Schönheit eines Familienlebens. Unsere Verwandten, die sich wegen der Fremdheit der Zeremonie zu Beginn ein wenig unbehaglich fühlten, waren bewegt und angerührt von Swamijis Liebe und Enthusiasmus.

Eines Tages, als ich während einer zweistündigen Fahrt Swamiji vom New Yorker Zentrum zur Yogaranch fuhr, fragte ich ihn, ob er mir bei einem Problem behilflich sein könne. Ich hielt eine langen Vortrag darüber, daß Jim sich nicht so wie ich als Mitarbeiter auf der Ranch verpflichten wollte und daß das Spannungen erzeugte usw. usw. Obwohl ich am Anfang schüchtern war, konnte ich nicht mehr aufhören, als ich einmal angefangen hatte. Als ich endlich aufhörte, drehte sich Swamiji zu mir um und fragte, „Entschuldigung, was hast Du gesagt?“ Ich war etwas bestürzt, aber dann erkannte ich, daß es mir schon besser ging und daß ich die Situation nun präziser schildern konnte. Danach sagte riet Swamiji mir, mich nicht zu sorgen und zu Gott zu beten.

Als wir in die Straße zur Ranch einbogen, stand Jim dort und Swamiji begann sofort, ihn zu ermutigen und zu lieben. Die ganze Zeit, die Swamiji auf der Ranch war, schenkte er Jim besondere Aufmerksamkeit. An einem Satsang rief er Jim nach vorne und ließ ihn „Die Regeln für menschliches Sein“ aus einer früheren Ausgabe von Yoga Life vorlesen. Nach jeder Regel drehte Swamiji sich um und wandte sich direkt an Jim, als er darüber sprach, das Leben vollständig und wunderbar zu leben, ohne Gott zu vergessen. Weder schimpfte er noch ermahnte er ihn. Er verströmte nur reine Liebe und Anteilnahme. Nach dem Satsang sagte er zu Jim, daß er mit Yoga Life unter seinem Kopfkissen schlafen sollte. Das tat Jim. Später legten wir es unters Bett. Jetzt nach sieben Jahren liegt es immer noch da.

Über die Jahre hinweg vergaß Swamiji nie, mich zu fragen, „Wie geht es Jim?“ Als ich einmal den Ashram in Val Morin besuchte, wollte ich Swamiji begrüßen, der allein auf einer Picknickbank saß. Er praktizierte Mouna, also würde er nicht sprechen, aber er begann, einige Buchstaben auf die Bank zu zeichnen. Nach einigem Zaudern erkannte ich, daß er E-h-e-m-a-n-n buchstabierte. Eine andere Pflichterinnerung bekam ich, als Swamiji die Ranch nach einem kurzen Besuch wieder verließ. Swamiji lag auf der Rückbank des Wagens und ich beugte mich hinein, um seine Füße zu berühren und mich zu verabschieden. Er sagte etwas zu mir, aber das Ganze geschah nach seinen Schlaganfällen und er war schwer zu verstehen. Ich riet, „Bleib dran an Deinem Sadhana?“ Swami schüttelte seinen Kopf. „Arbeite hart im Ashram?“ Nein, das war es auch nicht. Ich riet und riet, bis Swamij Kartikeyananda ins Auto stieg und übersetzte, „Wo ist Jim? Ist er zur Arbeit gegangen?“ Wieder erinnerte mich Swamji daran, an meinen Mann zu denken! Das war die fortwährende Botschaft.

Das letzte Mal, als Swamiji auf die Ranch kam, war er recht schwach, aber wie gewöhnlich wunderbar, für alle erreichbar und interessiert an allen. Jim und ich hatten darüber nachgedacht, Kinder zu bekommen, aber wir hatten doch noch einige Zweifel. Ich wollte unbedingt mit Swamiji darüber sprechen, und ich wußte, daß wir befolgen würden, was immer er uns riet. Ich erzählte Swamiji über unsere Bedenken darüber, Kinder zu bekommen. Swamiji antwortete sofort, „Warum nicht?“ Ich antwortete, daß unser Sadhana sich verändern würde und daß ich nicht mehr viel im Ashram helfen könnte. Es würde sich alles um das Kind drehen. Ich war mir nicht sicher, da es so eine große Umstellung wäre. Swamiji aber antwortete mir, „Sogar Lord Rama hatte Kinder. Das höchste Gut ist es, Kinder sorgsam zu erziehen, und sie in einem Ashram aufzuziehen, ist ein großer Segen.

Lisa

Woodbourne, NY

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.


Sex und Yoga sind zwei verschiedene Dinge

Dienstag, März 10th, 2009

Als ich versuchte, meine sexuellen Beziehungen zu spiritualisieren, riet Swamiji mir, „Sex und Yoga sind zwei verschiedene Dinge. Wenn Du Sex hast, genieße es, aber versuche nicht, Yoga daraus zu machen.“ Also tat ich es nicht, und es ging wunderbar.

Sarabess Forster

Silver Springs, Maryland

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier: http://cms.yoga-vidya.de/ausbildung-weiterbildung.html

BEZIEHUNGEN

Sonntag, März 8th, 2009

Swamiji gab niemals vor, etwas Besseres als die anderen zu sein oder über bestimmten Problemen zu stehen, nur weil er ein Sanyasin war und den Eid der Keuschheit geleistet hatte. Er nahm sich sehr seiner Schüler an, die in Familien lebten und stieß sie niemals vor den Kopf, daß sie nicht fähig oder interessiert wären, den von ihm gewählten Weg zu folgen.

Als ich das erste Mal überhaupt mit einem persönlichen Problem zu Swamiji ging, kämpfte ich mit dieser ganzen Idee des Zölibats. Ich war irgendwie in meinem Geist zu dem Punkt gekommen, daß ich nur dann spirituell fortschreiten könne, wenn ich Brahmacharya annehmen würde (den Eid des Zölibats), aber ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet. Ich erzählte Swamiji, daß ich mich schuldig fühlte, da ich nicht den „richtigen“ Weg ginge. Swamiji lächelte mich nur sanft an und sagte, „Sogar die großen Rishis hatten Ehefrauen und Sex mit ihnen.“ Er fuhr fort, mir zu erklären, daß als Hausherr kein Zölibat von mir erwartet wurde. Wichtiger war die Haltung zu meiner Frau. Ich sollte sie nicht nur als eine Frau sehen, sondern als eine Inkarnation der Göttin. Ich sollte immer an sie denken und sie anbetungswürdig behandeln. Wenn ich das tat, würde es keine Unterschied in meinem spirituellen Fortschritt machen, wenn ich eine Familie hätte.

Gopala Krishna

Ottawa, Ontario, Canada

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Sexuelle Enerige

Freitag, März 6th, 2009

Auch wenn Swamiji nie verheiratet war und sein Leben überwiegend als ein Sanyassin im Zölibat verbracht hatte, besaß er ein einmaliges Verständnis dafür, wie Menschen in einer festen Beziehung miteinander umgehen sollten. Er sprach offen und frei über Liebe und Sex. Er verhalf den Menschen zu einem klareren Verständnis über diese Themen in Bezug auf ihre spirituelle Praxis.

Ihr solltet Euch wegen sexueller Gefühle nicht schuldig fühlen. Das ganze Universum ist abhängig von sexuellen Gefühlen. Sonst würde es keine Welt mehr geben. Gegen sexuelle Gefühle anzugehen ist ungefähr so wie die Niagarafälle hochzuklettern. Es ist diese große Energie, die sich seit ewigen Zeiten nach unten bewegt. Wenn man sie dazu zwingt, sich zu verschließen, wird sie stärker und rast herab. Und die Wasserfälle hinaufschwimmen? Es gibt nur wenige, die das können! Das ist nicht nur durch eigene Anstrengung zu erreichen. Wir brauchen Gottes Gnade.
Versucht nicht, das sexuelle Gefühl zu unterdrücken. Es geht nicht. Aber wir können sublimieren. Wie Wasser, das normalerweise von oben nach unten fließt, aber beim Erhitzen nach oben steigt, so kann die Sublimierung die sexuelle Energie zu Dampf werden lassen. Dieser Dampf wird Ojas genannt. Es steigt auf zu den höheren Zentren anstatt zu dem unteren Zentrum, dem Sexualzentrum, hinunterzugehen. Wenn die sexuellen Gefühle kommen, sind unsere eigenen Bemühungen gewöhnlich nicht ausreichend, um sie zu stoppen. Wenn Ihr Asanas und pranayama übt, wenn Ihr regelmäßig japa ausführt und Euch richtig ernährt, ohne Zwiebeln, Knoblauch und bestimmte Wurzeln, welche die Nerven überstimulieren, dann wird die Sublimierung ganz allmählich eintreten. Das ist der Fall, wenn die Energie beginnt, sich zu den oberen chakras (psychische Energiezentren) zu bewegen und dann das Gehirn erreicht. Die gleiche sexuelle Energie wird nun zu einer kreativen Kraft, eine positive spirituelle Kraft. Das ist der Grund, warum Ihr Heiligenscheine um die Köpfe von Weisen und Heiligen herum sehen könnt, das ist die Austrahlung von oja shakti. Wenn ein Mensch auch nur einen Teil seiner sexuellen Kraft kontrollieren kann, ist sein Gesicht anders. Er wird nie Falten bekommen. Die Haut wird sehr trocken und voller Falten, wenn zuviel Energie im sexuellen Akt massiv verschwendet wird.
Sowohl Männer als auch Frauen haben diese psychische Energie, die vom Gehirn herunterkommt und dann massiv wird. Wenn Ihr einmal gelernt habt, dieser Energie auszuweichen und in die entgegengesetzte Richtung umzuleiten, ist es nicht länger eine sexuelle Sache.
16.008 Frauen? Alle lernten, ihre Energie zu kontrollieren und zu sublimieren. Jede erreichte die Einheit mit Lord Krishna, aber es war keine physische Einheit, es geschah auf einer höheren Ebene.
Die gopis waren wunderschöne Milchmägde, die Lord Krishna so sehr liebten, daßsie ihre Augen nicht von ihm nehmen konnten, nicht mal für eine Minute. Die gopis wurden geprüft, um zu sehen, ob sie fähig waren, diese Energie zu sublimieren. Eines kalten Morgens gingen sie zum Fluß Yamuna und beteten, „Laß Lord Krishna mein Gatte sein.“ Dann badeten sie im Fluß. Lord Krishna kam, nahm all ihre Kleidung, die sie am Ufer zurückgelassen hatten und legte sie auf die Spitze eines Baumes. Dann begann er mit seinem Flötenspiel. Die Mädchen sahen alle nach oben, um ihn zu sehen und entdeckten, daß er jedes ihrer Kleidungsstücke ordentlich befestigt hatte, jedes an einem anderen Zweig. Ihnen war kalt und sie konnten nicht zu lange nackt im Fluß bleiben. Sie mußten herauskommen, also baten sie ihn, „Oh Krishna, gib uns unsere Kleidung. Warum bist Du ungezogen? Warum machst Du das?“ Er sagte, „Wenn Ihr sie wollt, kommt heraus und holt sie Euch. Ich werde hier bleiben und Euch Eure Kleidung geben. Kommt einfach aus dem Wasser.“ Aber sie weigerten sich. „O.K., dann müßt Ihr halt im kalten Wasser bleiben.“ Als sie es zum Schluß nicht mehr aushalten konnten, kamen sie heraus und bedeckten ihre Blöße mit den Händen. Aber Krishna sagte, „Nein, nein. Ihr müßt Eure beiden Hände wegnehmen.“ Als sie ihm drohten, es seinem Vater und seiner Mutter zu erzählen, sagte er, „O.k., erzählt es ihnen, wenn Ihr wollt. Das wird Euch Eure Kleider nicht zurückbringen.“ Zum Schluß ergaben sie sich Lord Krishna, erhoben ihre Hände und kamen heraus.
Lord Krishna wollte damit nicht irgendein Unheil anrichten. Die gopis wollten Krishna zu ihrem Ehemann, aber Kirshna ist kein menschliches Wesen. Wenn Lord Krishna ihr Ehemann war, dann durften sie nicht denken, daß sie Frauen waren und er ein Mann. Sie mußten ihr körperliches Bewußtsein vergessen. Sie mußten das körperliche Bewußtsein transzendieren. Männlich und weiblich ist nur eine Vorstellung. Heute bist Du ein Mann, und morgen nach einer Operation kannst Du eine Frau sein. Das passiert jeden Tag. Aber der Atman ist das Unsterbliche Selbst, mit dem Ihr Euch verbinden werdet.
Die saguna Form von Brahman (Gott mit Formen oder Attributen) ist Krishna oder Rama, und wenn Ihr Euch mit ihm vereinen wollt, könnt ihr nicht so denken, „Ich bin ein Mann“, oder, „Ich bin eine Frau. Ich komme zu Dir und Du mußt mein Ehemann sein.“ Also sagte Krishna, als er das Gebet der gopis hörte, „Ihr seid noch nicht soweit.“ Jeden Tag kamen die Gopis und meditierten in dem kalten Morgen. Krishna wußte, daß sie ihren Körper transzendierten, aber sie hatten immer noch ein kleines Ego, ihr weibliches Ego existierte immer noch. Solange sie dieses weibliche Ego nicht zurück-nahmen und solange sie weiterhin dachten, daß er als ihr Ehemann nur ein Mann sei, waren sie nicht soweit, sich mit ihm zu vereinigen.
Das ist der tiefere Sinn dieser Geschichte. Als sie ihr Körperbewußtsein verloren, sagte der Herr, „Am Vollmond werdet Ihr meine Flöte hören. Ihr werdet nach Vrindavan kommen und Ihr werdet den kosmischen Tanz mit mir tanzen.“
Also, sexuelle Gefühle sind schwierig zu überwinden, solange Ihr dieses Gefühl nicht in Hingabe an Gott verwandelt. Nonnen zum Beispiel bleiben allein, aber sie glauben, daß sie mit Jesus verheiratet sind. Das ist keine sexuelle Heirat, es ist eine göttliche Heirat. Sie verbinden sich mit Jesus, so daß sie in der Lage sind, diese Energie zu sublimieren.
Sexuelle Gefühle kommen zu jedem. Schuld zeigt Euch, daß Ihr etwas tut, wovon Ihr denkt, daß es nicht richtig ist. Wenn Ihr Schuldgefühle habt, wiederholt den Namen Gottes und gebt Euch ihm wieder hin, „Deins wird geschehen, oh Herr. Ich habe mein Bestes gegeben und nun ist es an Dir. Ich kann mir nicht helfen. Ich kann nichts tun.“
Es ist das Gleiche mit dem Leben der Swamis, wißt Ihr. Es ist sehr schwierig, diese Energie zu überwinden. Jeder Heilige, Weise und Yogi im Himalaya hatte Probleme. Nicht nur Ihr habt diese Probleme. Meint Ihr, daß dieses Problem verschwindet, nur weil sie in die Höhlen des Himalayas gehen? Es wird eher mehr.
Also sorgt Euch nicht um dieses Gefühl, sondern sublimiert es. Wiederholt jedes Mal Euer Mantra, und wenn dieses Gefühl trotzdem kommt, gebt es Gott als ein Opfer dar. Das ist der einzige Weg, wie wir Euch helfen können, es gibt keinen anderen. Wenn jemand behauptet, er habe Sex überwunden, ist er weder ehrlich zu sich noch zu der Welt. Es dauert bis zum letzten Atemzug. Ihr wißt nie, wann Maya zuschlägt. Selbst wenn Ihr hundert Jahre alt seid, kann es Euer Denken überwältigen.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Swami Vishnu Devanada und Mohamad Ali

Mittwoch, März 4th, 2009

Swamiji reagierte auf Situationen, die andere Menschen für normal hielten, oft ganz anders als Menschen um ihn herum. Er erlebte die Dinge, besonders stark emotionale oder gewalttätige Dinge, sehr viel intensiver als irgendjemand in seiner Umgebung. Er erzählte oft die folgende Geschichte von Mohammed Ali.

Ich fuhr nach Miami, um etwas zu erledigen und hörte, daß Mohammed Ali hier trainierte. Ich wollte mir anschauen, wie Boxer trainierten. Er war stark. Sein Sparringpartner mußte einige Schläge einstecken, sehr starke Schläge. Ali teilte einen nach dem anderen aus. Gelegentlich lehnte er sich gegen das Seil. Warum? Er ruhte sich aus. Seine Atmung war sehr flach, er konnte nicht ausreichend Sauerstoff bekommen und einige seiner kraftvollen Schläge raubten ihm enorme Energie.
Nach dem Kampf gab ich ihm eine signierte Kopie meines Buches und sagte zu ihm, „Wissen Sie, Ihre Atmung ist sehr flach. Sie können nicht lange kämpfen, wenn Sie Ihre Atmung nicht verändern.“ Ich gab ihm Ratschläge auf eine freundliche Art, brachte ihm bei, wie man atmet und sagte zu ihm, „Steigern Sie Ihre Atemkapazität, wenn Sie überleben wollen.“
Einige Zeit später war ich in Kalifornien. Es war gerade ein Kampf ausgeschrieben zwischen Mohammed Ali und Joe Frazier. Es gab eine riesige Leinwand, wo man sich den Kampf anschauen konnte, so daß einige Schüler mich fragten, „Swamiji, möchtest Du Ali kämpfen sehen?“ Ich antwortete, daß ich mir anschauen wollte, wie er atmet.
Also schaute ich mir auf der Leinwand an, wie Ali und Joe Frazier sich gegenseitig schlugen. Joe Fraziers Blut strömte und Mohammed Alis Gesicht war aufgedunsen. So viele Schläge, so oft! Jedesmal, wenn sie sich schlugen, hatte ich das Gefühl, als würde ich selbst geschlagen, ich war das Opfer dieser Hiebe.
Dieses gegenseitige Schlagen, Schlagen, Schlagen dauerte eine Stunde. Endlich war der Kampf vorbei. Ali hatte gewonnen. Die Licht in der Halle wurde angeschaltet. Jeder ging hinaus. Aber ich saß einfach auf meinem Sitz, ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte mich überhaupt nicht bewegen. Mein Magen war angefüllt mit Säure, noch nie in meinem Leben hatte ich Säure wie diese in meinem Magen brennen gefühlt. Meine Beine schmerzten. Mein Körper war wie gelähmt. Ich saß dort wie ein Zombie. Jeder war gegangen außer den zwei oder drei Schülern, die mit mir gekommen waren. Sie saßen und warteten, daß ich rauskam, sie dachten, ich würde meditieren. Aber ich meditierte nicht, ich war gelähmt. Ich konnte einfach nicht aufstehen und gehen. Zu dieser Zeit war mein Körper sehr stark und gesund, aber für fünfzehn oder zwanzig Minuten konnte ich mich nicht bewegen. Danach mußte ich zwei oder drei Gläser Milch trinken, um die Säure in meinem Magen zu neutralisieren. Es dauerte mindestens drei Stunden, bevor ich mich entspannen oder schlafen konnte.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Viel Wind kann auch nützlich sein

Montag, März 2nd, 2009

Vor einigen Jahren lehrte ich Swami Vishnu, wie man ein ultraleichtes Flugzeug steuert. Das war, bevor er bei einer seiner Friedensmissionen über die Berliner Mauer flog. Swamiji war ein toller Schüler. Er hörte sich aufmerksam alles an, was ich ihm sagte, mit hoher Konzentration. Er saugte alles auf, lernte schnell und schob sein gesamtes voriges Wissen über das Steuern größerer Flugzeuge beiseite.
Eines Tages konnten wir nicht fliegen, weil die Winde zu stark waren, also saßen wir auf dem Flugfeld herum, einfach nur redend und wartend. Es war einer der besten Tage meines Lebens, und ich werde mich immer daran erinnern.

Ted Young
Ellenville, New York

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Was war es?

Sonntag, Februar 22nd, 2009

Eines Tages saßen wir im Zentrum in Wien. Swamiji saß im Asanaraum, der an diesem Tag mit Sonnenlicht durchflutet war, eine Ausnahme in Wien. Wir hatten einen hübschen Stuhl und einen Tisch für Swamiji besorgt, wo er morgens sitzen und seine Zeitung lesen konnte.
Er rief mich zu sich. Als ich den Raum betrat, sah er mich an und sagte, „Du siehst heute so strahlend aus. Du hast etwas Rechtes getan.“
Ich fühlte mich sehr verwirrt und alles, was ich denken konnte, war, „Was war es, daß ich recht getan hatte?“

Swami Durgananda

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Überraschung!

Freitag, Februar 20th, 2009

In früheren Zeiten im Sivananda Ashram in Val Morin nahm Swami Vishnu-devanandaji für gewöhnlich an allen Ashram Aktivitäten teil: Abend- und Morgensatsangs, Asanaklassen, Schweigespaziergänge usw. Er erzählte uns normalerweise, daß wir, wenn wir in den Ashram kämen, völlig in den Aktivitäten des Ashrams aufgehen sollten, ohne unsere Energie nach außen zu verschwenden. Dann fügte er noch besonders hinzu, „Geht nicht hinunter ins Dorf zum Speiserestaurant, es ist nicht der beste Platz der Welt und es ist ein bißchen zu weit weg vom Ashram.“
Eines Sonntags waren ein Mitbewohner und ich nicht besonders glücklich mit dem Essen im Ashram um zehn Uhr morgens- Porridge und Brot. Also entschlossen wir uns, außerhalb zu essen und dieses berühmte Restaurant zu besuchen. Ganz zufällig entfernten wir uns vom Haupteingang und rasten zu dem Restaurant, ganz glücklich, frei zu sein und schon geifernd in Gedanken an das wunderbare Essen in dem Restaurant.
Wir öffneten die Tür, traten ein und AAAAAARRGHHH!
Swamiji saß dort, passend angezogen in T-Shirt und Hose mit zwei oder drei Angestellten und beantwortete die Post. Er aß Pommes Frites, Kuchen mit Eiskrem und trank Tee. Sobald er uns sah, lud er uns ein, sich zu ihm zu setzen und sofort fragte er uns mit großer Fürsorge und einem leicht boshaften Blick, „Wollt Ihr ein paar Pommes Frites und Eis?“ Es war klar, wenn einer von uns eine vorgefaßte Meinung oder naive Vorstellung davon gehabt hätte, wie ein Guru zu sein hatte, wäre er jetzt vollkommen erschüttert gewesen.
Sein Aussehen sagte folgendes, „Nur weil ich keinen Swamiumhang trage und hier sitze und Pommes und Eiskrem esse, heißt das, daß ich kein Guru mehr bin?“
Schau nicht auf die Erscheinungen. Schau auf den Geist und die Motivation, die dahinter liegen.

Swami Mahadevananda

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Humor eines Swami

Mittwoch, Februar 18th, 2009

Es war diese besondere Normalität, die viele Studenten zu Swamiji hinzog. Er versuchte nicht, das Gefühl zu vermitteln, daß er anders sei oder etwas besonderes. Weder erwartete noch verlangte er Anbetung, vielmehr versuchte er das aktiv zu verhindern. Man konnte in gewissem Sinne mit Swamiji einfach ‚abhängen‘ und ganz normal mit ihm in Alltagssituationen zusammensein, oder was wenigstens oberflächlich aussah wie ein normales Leben. Mal abgesehen davon, daß diese Zeiten immer etwas besonderes waren, hatten sie ein ‚Anderssein‘, das sie irgendwie zu etwas Außergewöhnlichem machten.

Vor fast drei Wochen, am 8. April 1985, fuhr Swamiji für einen Tag nach Ottawa. Er hatte einen Termin an der Klinik für Sportmedizin, um sein Knie untersuchen zu lassen. (Ein kleiner Unfall im Jeep auf dem Weg zurück von Gangotri hatte eine alte Verletzung reaktiviert.)
Ich hatte die Ereignisse dieses Tages nicht aufgezeichnet, da sie auf eine gewisse Art so weltlich erschienen. Es war nichts besonderes geschehen. Nach einigen Wochen bemerkte ich jedoch, daß die Ereignisse dieses Tages sehr nachhaltige Eindrücke hinterlassen hatten.
Es war das erste Mal, daß ich Swamiji nach seinem Winter in der Höhle in Gangotri wiedersah. Er erschien mir dünner, zarter und sehr sanft.
Swami Kartikeyananda und Sitaramanda begleiteten ihn auf seiner Fahrt. Es war ein kalter, regnerischer Tag, und ein lustiges Bild von Swamijis Füßen auf der Matte der Halle wird in mir lebendig. Sie steckten in schweren weißen Baumwollsocken in großen rot-braune Halbschuhen, einige Nummern zu groß für seine Zehen, die sich noch von Frostbeulen erholten.
Ich chauffierte Swamiji und seine Begleiter in unserem Auto zur Klinik, dann zurm Indischen Oberkommissariat, dann am Nachmittag zurück zur Klinik. Jedesmal wenn er ins Auto stieg, berührte er das Bild des Meisters auf dem Armaturenbrett, dann berührte er seine Stirn mit seinen Fingern und sprach einige Gebete. Dies geschah sechsmal. Beim letzten Mal unterbrach er sich und sagte zu mir, „Starte den Wagen!“ Ich hatte gedacht, daß ich warten sollte, bis er seine Gebete beendet hätte.
Kurz nach unserer Ankunft wollte Swamiji ein Sandwich. Während er aß, quollen das Fruchtfleisch und die Kerne der Tomaten heraus und fielen auf seinen orangenfarbenen Sweater. Es war ein ziemlich großer Fleck, aber er beachtete ihn nicht weiter, bis wir kurz vor der Klinik waren. In diesem Augenblick nahm Swami Kartikeyananda eine Serviette und versuchte, den Fleck wegzuwischen. Swamji lächelte nur und sagte, „Sieh nur, sogar die Tomaten finden mich anziehend. Sie wollen bei mir sein.“

Madasala
Ottawa, Ontario

Karma Yoga

Montag, Februar 16th, 2009

Karma Yoga beschränkte sich nicht nur auf Menschen, die im Ashram arbeiteten und in den Zentren unterrichteten, sondern bezog sich auf alle Schüler Swamijis, überall. Es war egal, was Du machtest, das Konzept des selbstlosen Dienstes konnte immer angewandt werden.

Ich hatte ziemliche Schwierigkeiten damit, meine betagten Eltern zu versorgen. Swamiji half mir, diese Zeit zu überstehen und spirituell zu wachsen, indem er mir am 17. Dezember 1961 folgendes in mein Buch schrieb:

„An Sri Annette,

Diene, Liebe, Gib, Reinige Dich, Meditiere, Erkenne. Gott ist Wahrheit. Gott ist Liebe. Denke immer an Gott. Es gibt kein größeres Glück als den Armen, Kranken und Alten zu dienen. Möge der Herr Dich segnen.“

Annette Celine Mizne

New York, NY

Grundlage für eine Berufung

Samstag, Februar 14th, 2009

Eine meiner ersten persönlichen Begegnungen mit Swami Vishnu-devananda war im April 1977 vor der Lehrerausbildung, die ich mit ihm im Camp machen wollte. Swamiji konzentrierte seine immense Energie auf sein Buch ‚Meditation und Mantras‘. Hier übersetzte er seine lebendigen Lektionen und sein unermeßliches Wissen in das gesprochene Wort. Er wußte genau, was er sagen wollte, aber nicht genau, wie er es sagen sollte. Zwei seiner Schüler arbeiteten bereits Tag und Nacht mit ihm. Als bekannt wurde, daß ich Schriftstellerei an der Universität studiert hatte, fragte er mich sofort, ob ich seinem Team beitreten wollte. In seiner Sorge um die Details prüfte Swamiji uns, ob wir auch vollständig verstanden hätten, was er sagte. Er nutzte auch die Gelegenheit, uns reines Denken zu lehren und uns als Publikum zu prüfen.

Für Swamiji war das Potential eines Menschen wichtig, nicht die Begrenzung. Etwas Disziplin auf jedem Gebiet wurde die Grundlage für eine Berufung.

Srinivasan

Val Morin, PQ, Canada

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Swamiji lehrt uns geistige Disziplin und Achtsamkeit

Donnerstag, Februar 12th, 2009

Im Herbst 1991 reiste Swamiji nach Indien. Ich hatte gerade damit begonnen, ihm während der Nächte beizustehen, also reiste ich mit. Zu dieser Zeit war Swamiji noch immer sehr kräftig, obwohl er sich oft nicht wohl fühlte. Er benutzte seine ganze Energie, um uns geistige Disziplin und Achtsamkeit bei unseren Handlungen beizubringen.

Auf dieser Reise wurde mir die Verantwortung für einen Teil des Geldes übertragen, das wir für die Reise brauchten. Ich verstaute das Geld in meiner Geldbörse, die ich um die Taille trug, den Rest legte ich in einen kleinen Rucksack, den ich überallhin mitnahm. Swamiji hatte mich mehrfach gewarnt, „Wenn Du den Rucksack verlierst, schicke ich Dich zurück nach Kanada.“ Ich sagte sehr selbstsicher, „Nein, Swamiji, ich verliere ihn bestimmt nicht.“

So wurde es auf der ganzen Reise zu meinem Sadhana, immer nach der Tasche zu schauen. Das war nicht immer eine leichte Aufgabe. Swamiji bewegte sich blitzschnell. Besonders die Augenblicke, wo wir von einem Platz wegfuhren oder irgendwo ankamen, bedurften spezieller Aufmerksamkeit. Swamiji mußte von seinem Rollstuhl auf den Rücksitz des Autos gehoben werden. Seit dem Schlaganfall konnte Swamiji nur noch die rechte Seite seines Körpers benutzen. Es ist also unnötig zu sagen, daß diese Aktion volle Aufmerksamkeit verlangte, um eine Verletzung Swamijis zu vermeiden und es ihm so angenehm wie möglich zu machen. Da ich Swamiji jedesmal sehr nah festhielt, muße ich die Tasche von meinem Rücken nehmen. Sehr oft, wenn ich meine Arme fest um seinen Rücken nahm und dabei auf seine linke Hand aufpaßte, so daß sie nicht irgendwo anschlug, auf seinen Kopf achtete und ihm half, sich umzudrehen und sich zu setzen, sagte Swamiji urplötzlich zu mir, „Wo ist Deine Tasche? Paß auf Deine Tasche auf!“ Ich antwortete, „Ja, Swamiji, sie ist dort bei dieser Person.“

Eines Tages in Gangotri saß Swamiji auf seinem Lieblingsplatz außerhalb seiner Höhle und betrachtete den Fluß. Ich hatte frei und aß auf der Felsplattform, die einige Meter unterhalb der Höhle war, zu Abend. Plötzlich hörte ich, wie Swamiji meinen Namen rief. Ich sprang auf meine Füße, rannte hoch zu ihm und fragte, „Ja, Swamiji?“ Er sah mich an und sagte, „Atmaram, wo ist Deine Tasche?“ Ich war bestürzt. Meine Tasche war direkt neben mir, als ich gegessen hatte, aber als Swamiji mich rief, war ich hierhergestürzt und hatte sie zurückgelassen. Ich erkannte, daß Swamiji mir zeigen wollte, daß mein Geist zu jeder Zeit abgelenkt werden konnte.

Swami Atmaramananda

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Mystisches Verständnis der Dinge

Sonntag, Februar 8th, 2009

Irgendwann um 1985 herum, nachdem ich eine Yogalehrerausbildung absolviert hatte, hielt ich mich in Grass Valley in Kalifornien auf, wo Swamiji einen Workshop gab. Ich hatte früher öfters mit ihm in einigen rechtlichen Angelegenheiten für die Organisation zusammen gearbeitet, so daß er mich ein wenig kannte. Er sagte gewöhnlich, daß Juristen eins der merkwürdigsten Karmas zu bearbeiten hätten. Ich denke, er schenkte mir ein wenig besondere Aufmerksamkeit, gerade weil ich ein Jurist war. Er wußte, daß ich versuchte, ein spirituelleres Leben zu führen, obwohl ich zur selben Zeit durch die Jauchegrube von Lügen usw. ging, was Juristen notwendigerweise in ihrem Beruf tun müssen. Er hatte wirklich mystisches Wissen darüber, wie merkwürdig es für einen Rechtsanwalt in jeglichem spirituellem Kontext ist.
Während des Kurses im Workshop auf der Farm nahm er mich zur Seite, um sich mit mir und dem Leiter der Farm zu treffen und über die Farm bezüglich des Grundbesitzrechtes zu sprechen. Das Haupthaus mit 1600 m² Land und die 800 m² Land, auf der Swamijis Haus und der Durgatempel standen, waren durch das 800 m² große Land des Nachbarn voneinander getrennt. Über Jahre hinweg waren die Schüler über das Land des Nachbarn marschiert. Es gab sogar einen Trampelpfad.
Swamiji beauftragte mich, den Durchgang der Schüler rechtlich für die Organisation zu schützen, da sie es über 10 Jahre hinweg ohne Protest oder Behinderung getan hätten. Als ich ihm sagte, daß das nicht möglich sei, ohne die Rechte formell vom Besitzer zu erwerben und dies offiziell in der Kreisstadt protokollieren zu lassen, entgegnete er mir, daß das falsch sei und ich mich darum kümmern sollte. Ich würde nie mit Swamiji diskutieren, aber ich wußte, daß ich Recht hatte.
Meine Nachforschungen, die sich auf bisher unbekannte Fälle in Kalifornien bezogen, ergaben genau, daß Swamiji doch richtig lag. Er hatte grundsätzlich Recht und ich war im Unrecht. In dieser Art Grundstückslast verlangte das Gesetz die Zahlung einer Steuer für die letzten fünf Jahre und einen Zivilprozeß, um diese Rechte als eine offizielle Angelegenheit niederzulegen.
Ich schickte Swamiji einen Bericht über meine Resultate, in dem ich die Meinung vertrat, daß es nicht ratsam sei, diese Grundstückslast einzuklagen, da dies zu Spannungen zwischen den Einheimischen von Grass Valley und der Farm führen könnte. Swamiji schickte mir die Nachricht zurück, daß er mit mir hundertprozent übereinstimme. Nach diesem Ereignis hatte ich das Gefühl, daß Swamiji mir und meinem Rat in allen unseren Angelegenheiten vollkommen vertraute. Irgendwie hatte ich mir seinen Respekt verdient. Und seit diesem Ereignis wußte ich, daß Swamiji wirklich ein höheres Wissen besaß, ein außergewöhnlich mystisches Verständnis der Dinge, die wir Sterblichen nie ganz erfassen konnten. Wie sonst konnte ein spiritueller Mann aus Indien solch ein spezifisches Wissen über Grundstückslasten in Kalifornien haben?

Larry Allman
Los Angeles, CA

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Wissen auf der intuitiven Ebene

Freitag, Februar 6th, 2009

Bevor ich zum Yogaretreat nach Nassau ging, war ich im Bootsgeschäft tätig gewesen. Daher wurde mir die Verantwortung für die Instandhaltung der Boote übertragen. Eines Tages beauftragte Swamiji uns damit, eins der Hausboote, Ananda Kutir, aus dem Wasser zu holen, den Boden zu säubern, nötige Reparaturen vorzunehmen und mit Unterwasserfarbe anzustreichen.
Ich glaubte, daß das Zeit- und Geldverschwendung sei, da der Bootsrumpf aus Kunststoff war und daher auch nach langem Aufenthalt im Wasser nichts passieren konnte. Außerdem war es nicht nötig, den Rumpf zu säubern, da Algenbewuchs gewöhnlich nur entfernt werden mußte, damit das Boot leichter durchs Wasser gleiten konnte. Dieses Boot aber fuhr nie irgendwohin, es war dauerhaft am Dock befestigt. Ich kannte mich in diesen Dingen aus. Ich wußte, was Zeit- und Geldverschwendung war und was nicht.
Aber Swamiji bestand darauf. Je mehr ich argumentierte, desto resoluter bestand er darauf, daß dieses Boot überholt werden sollte.
Also wurde es hineingeholt. Was wir fanden, war etwas, daß niemand, egal wieviel Marineerfahrung er hatte, vorausahnen konnte.
Nachdem wir es aus dem Wasser geholt hatten, sahen wir, daß Jahre vorher der Vorbesitzer in den Kunststoff einen hölzernen Kiel eingebaut hatte, damit das Boot sich unter Kraft besser manövrieren ließ. Über die Jahre hinweg war der Kiel von Meereswürmern stark angegriffen worden, und die Bolzen, die den Kiel am Rumpf hielten, waren fast zerfressen. In einem Jahr oder so wären die Bolzen so locker gewesen, daß der Kiel ein wenig gesunken und so Wasser durch die Bolzenlöcher in den Rumpf eingedrungen wäre. Das Boot wäre gesunken.
Swamiji konnte das offensichtlich weder auf Verstandes- noch auf Erfahrungsebene wissen. Er war auf einer höheren, intuitiven Ebene tätig und zeigte uns, wie wir unserer inneren Stimme folgen sollten.

Bharata
Nassau, Bahamas

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Der Wert selbstlosen Dienens

Mittwoch, Februar 4th, 2009

Swamiji legte immer größten Wert auf selbstlosen Dienst. Er sagte, daß es nicht genug sei, den ganzen Tag nur zu meditieren und Asanas zu praktizieren, man sollte andere Dinge tun, um die Zeit sinnvoll zu füllen. Er erzählte oft die Geschichte, wie er Sivanandas Ashram verlassen hatte, um am Ganges zu sitzen und in der Wildnis zu meditieren. Nach einigen Tagen intensiver Meditation wurde er ruhelos. Er konnte nicht mehr den ganzen Tag meditieren, und es endete damit, daß er Stunden damit zubrachte, Steine übers Wasser hüpfen zu lassen, nur um die Zeit zu füllen. Er realisierte schnell, daß er etwas Nützliches mit seiner Zeit tun sollte und kehrte zum Ashram und dem Leben des aktiven Dienstes zurück. Wie sein Guru vor ihm, machte Swamiji selbstlosen Dienst zu einem der Grundsteine seiner Lehre.
Jeder konnte Dienst leisten, überall und jederzeit. Es gibt unzählige Möglichkeiten, anderen zu dienen. Nicht nur die Tat an sich war wichtig, sondern auch der Zustand des Geistes bei der Umsetzung der Tat war von Bedeutung. Du mußt lernen, anderen ohne die Erwartung eines Lohns zu dienen, ohne den Wunsch nach den Früchten Deiner Taten. Mache einfach die Arbeit so gut, wie es Dir möglich ist und in dem Gefühl, daß jede Tat eine Tat der Verehrung ist.
Swamiji wollte oft, daß man etwas tat, was einem oberflächlich betrachtet als eine schlechte Idee erschien, jedenfalls vom unserem begrenzten Standpunkt aus gesehen. Es war das Beste, nicht zu diskutieren, er hatte immer seine Gründe, die sehr viel wichtiger als unsere waren.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.