Posts Tagged ‘Sadhana’

Intensiviere deine Praxis - mp3-Lesung mit Sukadev

Sonntag, April 5th, 2009

Lesung von Sukadev als Inspiration des Tages. Gelesen im Anschluss nach einer Meditation im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg.

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Ein Beispiel dafür zu sein, wie die Dinge getan werden sollten

Donnerstag, April 2nd, 2009

Für mich war das interessanteste Merkmal bei Swamiji, daß er niemals damit aufhörte, daß beste Beispiel dafür zu sein, wie die Dinge getan werden sollten. Durch alles, was er tat, wurde Yoga zum lebendigen Prinzip.

Ich erinnere mich deutlich an den Neujahrstag 1993 im Ashram in Val Morin. Der Morgen war sehr klar, mit strahlendem Sonnenschein, aber es war eiskalt. Beim Frühstück kündigte Swamiji an, daß er eine kleine Pilgertour machen wollte, einen Spaziergang durch den Ashram, um Blumen, Räucherwerk und Gebete in den verschiedenen Tempeln darzubringen. Jeder war eingeladen, daran teilzunehmen. Das war Swamijis Art, Gott um Segen für das Neue Jahr zu bitten. Wie immer in den letzten Jahren war Swamjis Gesundheit sehr schlecht, selbstverständlich saß er in einem Rollstuhl.

Ich muß zugeben, daß ich nie daran gedacht hatte, im Schnee an diesem eiskalten Morgen spazierenzugehen, um Gott um Gnade zu bitten, aber glücklicherweise saß Swamiji dort in seinem Rollstuhl, unfähig seinen Körper zu bewegen. Mir kam sofort der Gedanke, „Wenn er es kann, wenn es ihm nicht zu kalt ist…“

Swamiji war dementsprechend angezogen, er saß auf einer Decke, dann noch eine extra Decke unter ihm, zwei Decken, die ihn zudeckten, zwei Mützen auf seinem Kopf, Handschuhe und zwei Paar Socken. Er wurde mehrfach gefragt, ob er wirklich gehen wollte. Er bestand darauf. Also gingen wir los, und natürlich war es der beste Anfang des Jahres! Ich hätte ohne Swamiji diese wundervolle Möglichkeit verpaßt.

Auf eine Weise fühlte ich mich beschämt. Ich war gesund, konnte laufen und war 20 Jahre jünger als Swamiji, aber ich hatte das Gefühl gehabt, es war zu kalt, um auf eine Pilgertour zu gehen. Einmal mehr hatte Swamiji mir gezeigt, daß äußere Bedingungen, physische Bedingungen eingeschlossen, keine Hindernisse sein dürfen und können, um seinen Pflichten nachzukommen, sei es die tägliche Arbeit oder die Verehrung von Gott. Ich kann nicht ausdrücken, wie dankbar ich bin, daß ich den Segen habe, von Swamiji zu lernen, meistens nur dadurch, daß ich ihn und die Art seiner Handlung betrachte.

Swami Yajnavalkyananda

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Meditation am Ganges

Montag, März 30th, 2009

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Draußen braust der Ganges schnell vorbei, kracht über Felsbrocken in die Schlucht unter unserem Hotel. Hier haben wir nur das Allernotwendigste und das beste Essen, wie durch ein Wunder von den Mitarbeitern des Hotel Interlok zubereitet, auf etwas, was wie ein tragbarer Herd aussieht und mit dem Wasser, das vom Fluß heraufgebracht wird. An diesem Morgen, unserem ersten Morgen hier, waren viele von uns krank. Einige waren einfach zu alt, um die Höhe zu vertragen. Einige konnten sich nicht mit der rauhen Unterkunft abfinden. Sieben kehrten nach Rishikesh zurück. Ich tat, was ich konnte, um den Kranken zu helfen. Dann nach dem Frühstück ging ich den Fluß hinauf zu Swamijis kutir. Ich hoffte, daß er mich mein Sadhana in seiner Höhle machen lassen würde.

Auf meinem Weg kam ich an ca. 20 Leuten vorbei, die die Nacht entweder in Höhlen oder in Zelten verbracht hatten. Sie sagten mir, daß ich umkehren sollte, da wir eine Gruppenwanderung zu einigen Wasserfällen machen würden, aber ich ignorierte sie. Endlich erreichte ich Swamijis Höhle. Ich fand ihn auf einer Bank sitzend, außerhalb der Guha. Er verbeugte sich vor mir mit einem wunderbaren, liebenden Lächeln. „Geh und esse Dein Frühstück,“ sagte er.

Es scheint, daß er mir immer sagt, daß ich etwas essen soll! Aber ich sagte ihm, daß ich bereits gegessen hätte. „Swamiji, ich möchte baden.“

„Ja, ja – meditiere, ruhe Dich aus, genieße die Sonne.“ Und so badete ich mit seinem Segen in dem eiskalten Fluß und verbrachte anderthalb Stunden damit, draußen auf einem Felsen im Ganges Pranayam und Meditation zu praktizieren.

Als ich meditierte, hatte ich das Gefühl, der Ganges würde direkt durch mich hindurchfließen. Anschließend saß ich im Schutz eines großen Felses und aß einen Apfel. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, sicher geborgen im Mutterschoß, ohne irgendeine Sorge auf dieser Welt. Ich war mir einfach nur der göttlichen Liebe bewußt, die von den Bergen, vom Himmel, vom Ganges und von Swamiji durch mich strömte. Er hatte mir eine besondere Erlaubnis erteilt, geliebter Guru, und ließ mich in der Nähe seines guha bleiben, als alle außer ein paar Mitarbeiter abwesend waren.

Saraswati

New York, NY

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Madasal berichtet über Swami Vishnu Devananda

Samstag, März 28th, 2009

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Nach zwölf Stunden Busfahrt erreichten wir unser Hotel in Palghat gerade nach Einbruch der Dunkelheit. Es gab keinen Strom, da abends öfter der Strom abgestellt wurde. In der fensterlosen Hotelgängen konnte man die Zimmernummern an den Türen nicht erkennen, also erfühlten wir uns gewissermaßen den Weg raus aus der Halle zum zweiten Stock und ertasteten die Nummern wie Braille, bis wir bei Nr. 206 angelangt waren.

Wir zogen uns rasch um und gingen direkt wieder los, um Swamiji am Abend im Sivananda Ashram in Palghat zu treffen. Swamiji sprach bereits, als wir eintrafen und einige von unserer Gruppe gaben eine sehr improvisierte Vorstellung von Asanas. Die Halle war mit über 600 Menschen gefüllt, die auf dem Boden saßen oder herumstanden. Viele irrten draußen umher. Der ansässige Swami sprach Malayalam, was für jeden, der es verstand, sehr lustig erschien - irgendwas vom fliegenden Swami, der nun bodenständig geworden war.

Swamiji sprach kurz über das Konzept des Meisters vom integralen Yoga und endete mit einem sehr spirituellen kirtan. Nach dem arati kam die Menge, um seine Füße zu berühren, da er am Rand der Bühne stand. Es sah erst aus, als würde es sehr emotional werden, aber Swamiji glich die Situation aus, indem er ständig ruhig Om Namo Narayanaya sang, mit geschlossenen Augen, während eine Welle von Menschen nach der anderen zu ihm heraufkam.

Madasala

Ottawa, Ontario, Canada

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Tagesbuch eines Schülers der Sivananda Jahrhundert Tour von 1987

Sonntag, März 22nd, 2009

Folgendes steht in einem Tagesbuch eines Schülers der Sivananda Jahrhundert Tour von 1987:

Heute war ein wundervoller Tag. Wir konnten fast den ganzen Tag im Divine Life Society Ashram verbringen. Wir nahmen heute morgen gleich den ersten Bus. Swamiji brachte uns zur Bibliothek, wo wir einen kurzen Satsang hatten. Sogar in der Bibliothek, die nicht unbedingt einer der heiligsten Gebäude ist, war der Frieden so intensiv spürbar. Wenn man einmal seine Augen geschlossen hat, mag man sie nicht mehr aufmachen. Wenn man sie öffnet, umgibt einen die physische Manifestation von Meister Sivananda: große Fotographien, Sinnsprüche, die an der Wand hängen – „Hasse niemanden – Verletze niemanden.“ „In allem siehe Gott.“ Egal, ob die Augen geschlossen oder offen sind, der Meister ist immer da. Der ganze Raum ist mit dem Meister erfüllt. Einfach nur unter dem Baum zu sitzen, unter dem der Meister oft gesessen hat, und das Leben im Ashram rundherum zu betrachten, gab uns das Gefühl, auf einen Teil der persönlichen Geschichte gestoßen zu sein. Zum ersten Mal, seitdem wir in Indien angekommen waren, hatte ich das Gefühl, ganz zu Hause zu sein. Auf den Straßen und in den Städten sahen wir viele Dinge, die mir völlig unbegreiflich waren. Hier ergab alles einen Sinn. Natürlich hing das auch mit der ganzen Zeit zusammen, die wir im Ashram von Val Morin mit Swamiji verbracht hatten. Er hatte uns gut vorbereitet und uns viel über die Wege des Meisters erklärt.

Um 3.00 Uhr begann der kirtan (Mantrasingen) im mahasamadhi Schrein. Ging hinein und sang eine Stunde lang. Konnte gleichzeitig die Hingabe aller Menschen spüren, die durch das Singen deutlich wurde und die Liebe des Meisters, die vom Schrein zurückkam, so wie überschwappende Wellen, elektrisierend.

Nach Einbruch der Dunkelheit ging jeder für das Ganga arati, das Swamiji vorbereitet hatte, hinunter zum Ganges. Swamiji hatte jeden im Ashram eingeladen, daran teilzunehmen, und es wurde auch in der Konferenzhalle angekündigt, so daß es ein riesiges Hin und Her gab, vielleicht tausend Menschen, die alle die engen Wege und die krummen Treppen zum Fluß hinuntergingen. Jeder sang OM Namo Narayanaya. Es war ein wunderschöner Anblick, die Mantraboote den Fluß hinunterschwimmen zu sehen, erst eins nach dem anderen als isolierter Punkt einer Flamme, dann weiter weg als ein kontinuierliches Band des Lichts.

Es war keine Zeit, um herumzustehen, all das aufzunehmen und in das Gefühl des arati einzutauchen. In dem Augenblick, wo es gelang, sein Boot zu Wasser zu lassen, mußte man umkehren und mit Hilfe seiner Ellenbogen den Weg zurück die Stufen hinauf erkämpfen oder man ging das Risiko ein, geradewegs mit den Booten im Ganges zu landen, da hinter einem bereits die nächste Welle von Menschen war, mit Booten in ihren Händen.

Diese Erfahrung ließ mich die Intimität unseres kleinen satsangs zu würdigen wissen, den wir in Val Morin oft mit Swamiji hatten, wenn die Sommerzeit einmal vorbei war. Wie viele Menschen haben die Möglichkeit, ihren Lehrer so persönlich zu erleben, und das über Jahre hinweg? Es ist wirklich ein Geschenk.

12,. 13. und 14. September 1987, Sivananda Guha, Gangotri

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Swami Vishnu Devanada betet für Shambu Das

Samstag, März 14th, 2009

Am 22. September 1992 besuchten meine Frau und ich Swamiji in seinem Haus in Val Morin. Obwohl er nicht deutlich sprechen konnte, erkundigte er sich mit Hilfe von Zeichensprache und seinen Augen nach meinen Kindern. Er betete für uns alle, so als könnte er sehen, daß bald etwas mit uns geschehen würde. Früh am Morgen des 26. September verließ mein Sohn Sandeep seinen Körper bei einem Autounfall.

Shambu Das

Toronto, ON, Canada

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Sex und Yoga sind zwei verschiedene Dinge

Dienstag, März 10th, 2009

Als ich versuchte, meine sexuellen Beziehungen zu spiritualisieren, riet Swamiji mir, „Sex und Yoga sind zwei verschiedene Dinge. Wenn Du Sex hast, genieße es, aber versuche nicht, Yoga daraus zu machen.“ Also tat ich es nicht, und es ging wunderbar.

Sarabess Forster

Silver Springs, Maryland

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier: http://cms.yoga-vidya.de/ausbildung-weiterbildung.html

BEZIEHUNGEN

Sonntag, März 8th, 2009

Swamiji gab niemals vor, etwas Besseres als die anderen zu sein oder über bestimmten Problemen zu stehen, nur weil er ein Sanyasin war und den Eid der Keuschheit geleistet hatte. Er nahm sich sehr seiner Schüler an, die in Familien lebten und stieß sie niemals vor den Kopf, daß sie nicht fähig oder interessiert wären, den von ihm gewählten Weg zu folgen.

Als ich das erste Mal überhaupt mit einem persönlichen Problem zu Swamiji ging, kämpfte ich mit dieser ganzen Idee des Zölibats. Ich war irgendwie in meinem Geist zu dem Punkt gekommen, daß ich nur dann spirituell fortschreiten könne, wenn ich Brahmacharya annehmen würde (den Eid des Zölibats), aber ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet. Ich erzählte Swamiji, daß ich mich schuldig fühlte, da ich nicht den „richtigen“ Weg ginge. Swamiji lächelte mich nur sanft an und sagte, „Sogar die großen Rishis hatten Ehefrauen und Sex mit ihnen.“ Er fuhr fort, mir zu erklären, daß als Hausherr kein Zölibat von mir erwartet wurde. Wichtiger war die Haltung zu meiner Frau. Ich sollte sie nicht nur als eine Frau sehen, sondern als eine Inkarnation der Göttin. Ich sollte immer an sie denken und sie anbetungswürdig behandeln. Wenn ich das tat, würde es keine Unterschied in meinem spirituellen Fortschritt machen, wenn ich eine Familie hätte.

Gopala Krishna

Ottawa, Ontario, Canada

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Sexuelle Enerige

Freitag, März 6th, 2009

Auch wenn Swamiji nie verheiratet war und sein Leben überwiegend als ein Sanyassin im Zölibat verbracht hatte, besaß er ein einmaliges Verständnis dafür, wie Menschen in einer festen Beziehung miteinander umgehen sollten. Er sprach offen und frei über Liebe und Sex. Er verhalf den Menschen zu einem klareren Verständnis über diese Themen in Bezug auf ihre spirituelle Praxis.

Ihr solltet Euch wegen sexueller Gefühle nicht schuldig fühlen. Das ganze Universum ist abhängig von sexuellen Gefühlen. Sonst würde es keine Welt mehr geben. Gegen sexuelle Gefühle anzugehen ist ungefähr so wie die Niagarafälle hochzuklettern. Es ist diese große Energie, die sich seit ewigen Zeiten nach unten bewegt. Wenn man sie dazu zwingt, sich zu verschließen, wird sie stärker und rast herab. Und die Wasserfälle hinaufschwimmen? Es gibt nur wenige, die das können! Das ist nicht nur durch eigene Anstrengung zu erreichen. Wir brauchen Gottes Gnade.
Versucht nicht, das sexuelle Gefühl zu unterdrücken. Es geht nicht. Aber wir können sublimieren. Wie Wasser, das normalerweise von oben nach unten fließt, aber beim Erhitzen nach oben steigt, so kann die Sublimierung die sexuelle Energie zu Dampf werden lassen. Dieser Dampf wird Ojas genannt. Es steigt auf zu den höheren Zentren anstatt zu dem unteren Zentrum, dem Sexualzentrum, hinunterzugehen. Wenn die sexuellen Gefühle kommen, sind unsere eigenen Bemühungen gewöhnlich nicht ausreichend, um sie zu stoppen. Wenn Ihr Asanas und pranayama übt, wenn Ihr regelmäßig japa ausführt und Euch richtig ernährt, ohne Zwiebeln, Knoblauch und bestimmte Wurzeln, welche die Nerven überstimulieren, dann wird die Sublimierung ganz allmählich eintreten. Das ist der Fall, wenn die Energie beginnt, sich zu den oberen chakras (psychische Energiezentren) zu bewegen und dann das Gehirn erreicht. Die gleiche sexuelle Energie wird nun zu einer kreativen Kraft, eine positive spirituelle Kraft. Das ist der Grund, warum Ihr Heiligenscheine um die Köpfe von Weisen und Heiligen herum sehen könnt, das ist die Austrahlung von oja shakti. Wenn ein Mensch auch nur einen Teil seiner sexuellen Kraft kontrollieren kann, ist sein Gesicht anders. Er wird nie Falten bekommen. Die Haut wird sehr trocken und voller Falten, wenn zuviel Energie im sexuellen Akt massiv verschwendet wird.
Sowohl Männer als auch Frauen haben diese psychische Energie, die vom Gehirn herunterkommt und dann massiv wird. Wenn Ihr einmal gelernt habt, dieser Energie auszuweichen und in die entgegengesetzte Richtung umzuleiten, ist es nicht länger eine sexuelle Sache.
16.008 Frauen? Alle lernten, ihre Energie zu kontrollieren und zu sublimieren. Jede erreichte die Einheit mit Lord Krishna, aber es war keine physische Einheit, es geschah auf einer höheren Ebene.
Die gopis waren wunderschöne Milchmägde, die Lord Krishna so sehr liebten, daßsie ihre Augen nicht von ihm nehmen konnten, nicht mal für eine Minute. Die gopis wurden geprüft, um zu sehen, ob sie fähig waren, diese Energie zu sublimieren. Eines kalten Morgens gingen sie zum Fluß Yamuna und beteten, „Laß Lord Krishna mein Gatte sein.“ Dann badeten sie im Fluß. Lord Krishna kam, nahm all ihre Kleidung, die sie am Ufer zurückgelassen hatten und legte sie auf die Spitze eines Baumes. Dann begann er mit seinem Flötenspiel. Die Mädchen sahen alle nach oben, um ihn zu sehen und entdeckten, daß er jedes ihrer Kleidungsstücke ordentlich befestigt hatte, jedes an einem anderen Zweig. Ihnen war kalt und sie konnten nicht zu lange nackt im Fluß bleiben. Sie mußten herauskommen, also baten sie ihn, „Oh Krishna, gib uns unsere Kleidung. Warum bist Du ungezogen? Warum machst Du das?“ Er sagte, „Wenn Ihr sie wollt, kommt heraus und holt sie Euch. Ich werde hier bleiben und Euch Eure Kleidung geben. Kommt einfach aus dem Wasser.“ Aber sie weigerten sich. „O.K., dann müßt Ihr halt im kalten Wasser bleiben.“ Als sie es zum Schluß nicht mehr aushalten konnten, kamen sie heraus und bedeckten ihre Blöße mit den Händen. Aber Krishna sagte, „Nein, nein. Ihr müßt Eure beiden Hände wegnehmen.“ Als sie ihm drohten, es seinem Vater und seiner Mutter zu erzählen, sagte er, „O.k., erzählt es ihnen, wenn Ihr wollt. Das wird Euch Eure Kleider nicht zurückbringen.“ Zum Schluß ergaben sie sich Lord Krishna, erhoben ihre Hände und kamen heraus.
Lord Krishna wollte damit nicht irgendein Unheil anrichten. Die gopis wollten Krishna zu ihrem Ehemann, aber Kirshna ist kein menschliches Wesen. Wenn Lord Krishna ihr Ehemann war, dann durften sie nicht denken, daß sie Frauen waren und er ein Mann. Sie mußten ihr körperliches Bewußtsein vergessen. Sie mußten das körperliche Bewußtsein transzendieren. Männlich und weiblich ist nur eine Vorstellung. Heute bist Du ein Mann, und morgen nach einer Operation kannst Du eine Frau sein. Das passiert jeden Tag. Aber der Atman ist das Unsterbliche Selbst, mit dem Ihr Euch verbinden werdet.
Die saguna Form von Brahman (Gott mit Formen oder Attributen) ist Krishna oder Rama, und wenn Ihr Euch mit ihm vereinen wollt, könnt ihr nicht so denken, „Ich bin ein Mann“, oder, „Ich bin eine Frau. Ich komme zu Dir und Du mußt mein Ehemann sein.“ Also sagte Krishna, als er das Gebet der gopis hörte, „Ihr seid noch nicht soweit.“ Jeden Tag kamen die Gopis und meditierten in dem kalten Morgen. Krishna wußte, daß sie ihren Körper transzendierten, aber sie hatten immer noch ein kleines Ego, ihr weibliches Ego existierte immer noch. Solange sie dieses weibliche Ego nicht zurück-nahmen und solange sie weiterhin dachten, daß er als ihr Ehemann nur ein Mann sei, waren sie nicht soweit, sich mit ihm zu vereinigen.
Das ist der tiefere Sinn dieser Geschichte. Als sie ihr Körperbewußtsein verloren, sagte der Herr, „Am Vollmond werdet Ihr meine Flöte hören. Ihr werdet nach Vrindavan kommen und Ihr werdet den kosmischen Tanz mit mir tanzen.“
Also, sexuelle Gefühle sind schwierig zu überwinden, solange Ihr dieses Gefühl nicht in Hingabe an Gott verwandelt. Nonnen zum Beispiel bleiben allein, aber sie glauben, daß sie mit Jesus verheiratet sind. Das ist keine sexuelle Heirat, es ist eine göttliche Heirat. Sie verbinden sich mit Jesus, so daß sie in der Lage sind, diese Energie zu sublimieren.
Sexuelle Gefühle kommen zu jedem. Schuld zeigt Euch, daß Ihr etwas tut, wovon Ihr denkt, daß es nicht richtig ist. Wenn Ihr Schuldgefühle habt, wiederholt den Namen Gottes und gebt Euch ihm wieder hin, „Deins wird geschehen, oh Herr. Ich habe mein Bestes gegeben und nun ist es an Dir. Ich kann mir nicht helfen. Ich kann nichts tun.“
Es ist das Gleiche mit dem Leben der Swamis, wißt Ihr. Es ist sehr schwierig, diese Energie zu überwinden. Jeder Heilige, Weise und Yogi im Himalaya hatte Probleme. Nicht nur Ihr habt diese Probleme. Meint Ihr, daß dieses Problem verschwindet, nur weil sie in die Höhlen des Himalayas gehen? Es wird eher mehr.
Also sorgt Euch nicht um dieses Gefühl, sondern sublimiert es. Wiederholt jedes Mal Euer Mantra, und wenn dieses Gefühl trotzdem kommt, gebt es Gott als ein Opfer dar. Das ist der einzige Weg, wie wir Euch helfen können, es gibt keinen anderen. Wenn jemand behauptet, er habe Sex überwunden, ist er weder ehrlich zu sich noch zu der Welt. Es dauert bis zum letzten Atemzug. Ihr wißt nie, wann Maya zuschlägt. Selbst wenn Ihr hundert Jahre alt seid, kann es Euer Denken überwältigen.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Swami Vishnu Devanada und Mohamad Ali

Mittwoch, März 4th, 2009

Swamiji reagierte auf Situationen, die andere Menschen für normal hielten, oft ganz anders als Menschen um ihn herum. Er erlebte die Dinge, besonders stark emotionale oder gewalttätige Dinge, sehr viel intensiver als irgendjemand in seiner Umgebung. Er erzählte oft die folgende Geschichte von Mohammed Ali.

Ich fuhr nach Miami, um etwas zu erledigen und hörte, daß Mohammed Ali hier trainierte. Ich wollte mir anschauen, wie Boxer trainierten. Er war stark. Sein Sparringpartner mußte einige Schläge einstecken, sehr starke Schläge. Ali teilte einen nach dem anderen aus. Gelegentlich lehnte er sich gegen das Seil. Warum? Er ruhte sich aus. Seine Atmung war sehr flach, er konnte nicht ausreichend Sauerstoff bekommen und einige seiner kraftvollen Schläge raubten ihm enorme Energie.
Nach dem Kampf gab ich ihm eine signierte Kopie meines Buches und sagte zu ihm, „Wissen Sie, Ihre Atmung ist sehr flach. Sie können nicht lange kämpfen, wenn Sie Ihre Atmung nicht verändern.“ Ich gab ihm Ratschläge auf eine freundliche Art, brachte ihm bei, wie man atmet und sagte zu ihm, „Steigern Sie Ihre Atemkapazität, wenn Sie überleben wollen.“
Einige Zeit später war ich in Kalifornien. Es war gerade ein Kampf ausgeschrieben zwischen Mohammed Ali und Joe Frazier. Es gab eine riesige Leinwand, wo man sich den Kampf anschauen konnte, so daß einige Schüler mich fragten, „Swamiji, möchtest Du Ali kämpfen sehen?“ Ich antwortete, daß ich mir anschauen wollte, wie er atmet.
Also schaute ich mir auf der Leinwand an, wie Ali und Joe Frazier sich gegenseitig schlugen. Joe Fraziers Blut strömte und Mohammed Alis Gesicht war aufgedunsen. So viele Schläge, so oft! Jedesmal, wenn sie sich schlugen, hatte ich das Gefühl, als würde ich selbst geschlagen, ich war das Opfer dieser Hiebe.
Dieses gegenseitige Schlagen, Schlagen, Schlagen dauerte eine Stunde. Endlich war der Kampf vorbei. Ali hatte gewonnen. Die Licht in der Halle wurde angeschaltet. Jeder ging hinaus. Aber ich saß einfach auf meinem Sitz, ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte mich überhaupt nicht bewegen. Mein Magen war angefüllt mit Säure, noch nie in meinem Leben hatte ich Säure wie diese in meinem Magen brennen gefühlt. Meine Beine schmerzten. Mein Körper war wie gelähmt. Ich saß dort wie ein Zombie. Jeder war gegangen außer den zwei oder drei Schülern, die mit mir gekommen waren. Sie saßen und warteten, daß ich rauskam, sie dachten, ich würde meditieren. Aber ich meditierte nicht, ich war gelähmt. Ich konnte einfach nicht aufstehen und gehen. Zu dieser Zeit war mein Körper sehr stark und gesund, aber für fünfzehn oder zwanzig Minuten konnte ich mich nicht bewegen. Danach mußte ich zwei oder drei Gläser Milch trinken, um die Säure in meinem Magen zu neutralisieren. Es dauerte mindestens drei Stunden, bevor ich mich entspannen oder schlafen konnte.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Viel Wind kann auch nützlich sein

Montag, März 2nd, 2009

Vor einigen Jahren lehrte ich Swami Vishnu, wie man ein ultraleichtes Flugzeug steuert. Das war, bevor er bei einer seiner Friedensmissionen über die Berliner Mauer flog. Swamiji war ein toller Schüler. Er hörte sich aufmerksam alles an, was ich ihm sagte, mit hoher Konzentration. Er saugte alles auf, lernte schnell und schob sein gesamtes voriges Wissen über das Steuern größerer Flugzeuge beiseite.
Eines Tages konnten wir nicht fliegen, weil die Winde zu stark waren, also saßen wir auf dem Flugfeld herum, einfach nur redend und wartend. Es war einer der besten Tage meines Lebens, und ich werde mich immer daran erinnern.

Ted Young
Ellenville, New York

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Überraschung!

Freitag, Februar 20th, 2009

In früheren Zeiten im Sivananda Ashram in Val Morin nahm Swami Vishnu-devanandaji für gewöhnlich an allen Ashram Aktivitäten teil: Abend- und Morgensatsangs, Asanaklassen, Schweigespaziergänge usw. Er erzählte uns normalerweise, daß wir, wenn wir in den Ashram kämen, völlig in den Aktivitäten des Ashrams aufgehen sollten, ohne unsere Energie nach außen zu verschwenden. Dann fügte er noch besonders hinzu, „Geht nicht hinunter ins Dorf zum Speiserestaurant, es ist nicht der beste Platz der Welt und es ist ein bißchen zu weit weg vom Ashram.“
Eines Sonntags waren ein Mitbewohner und ich nicht besonders glücklich mit dem Essen im Ashram um zehn Uhr morgens- Porridge und Brot. Also entschlossen wir uns, außerhalb zu essen und dieses berühmte Restaurant zu besuchen. Ganz zufällig entfernten wir uns vom Haupteingang und rasten zu dem Restaurant, ganz glücklich, frei zu sein und schon geifernd in Gedanken an das wunderbare Essen in dem Restaurant.
Wir öffneten die Tür, traten ein und AAAAAARRGHHH!
Swamiji saß dort, passend angezogen in T-Shirt und Hose mit zwei oder drei Angestellten und beantwortete die Post. Er aß Pommes Frites, Kuchen mit Eiskrem und trank Tee. Sobald er uns sah, lud er uns ein, sich zu ihm zu setzen und sofort fragte er uns mit großer Fürsorge und einem leicht boshaften Blick, „Wollt Ihr ein paar Pommes Frites und Eis?“ Es war klar, wenn einer von uns eine vorgefaßte Meinung oder naive Vorstellung davon gehabt hätte, wie ein Guru zu sein hatte, wäre er jetzt vollkommen erschüttert gewesen.
Sein Aussehen sagte folgendes, „Nur weil ich keinen Swamiumhang trage und hier sitze und Pommes und Eiskrem esse, heißt das, daß ich kein Guru mehr bin?“
Schau nicht auf die Erscheinungen. Schau auf den Geist und die Motivation, die dahinter liegen.

Swami Mahadevananda

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Grundlage für eine Berufung

Samstag, Februar 14th, 2009

Eine meiner ersten persönlichen Begegnungen mit Swami Vishnu-devananda war im April 1977 vor der Lehrerausbildung, die ich mit ihm im Camp machen wollte. Swamiji konzentrierte seine immense Energie auf sein Buch ‚Meditation und Mantras‘. Hier übersetzte er seine lebendigen Lektionen und sein unermeßliches Wissen in das gesprochene Wort. Er wußte genau, was er sagen wollte, aber nicht genau, wie er es sagen sollte. Zwei seiner Schüler arbeiteten bereits Tag und Nacht mit ihm. Als bekannt wurde, daß ich Schriftstellerei an der Universität studiert hatte, fragte er mich sofort, ob ich seinem Team beitreten wollte. In seiner Sorge um die Details prüfte Swamiji uns, ob wir auch vollständig verstanden hätten, was er sagte. Er nutzte auch die Gelegenheit, uns reines Denken zu lehren und uns als Publikum zu prüfen.

Für Swamiji war das Potential eines Menschen wichtig, nicht die Begrenzung. Etwas Disziplin auf jedem Gebiet wurde die Grundlage für eine Berufung.

Srinivasan

Val Morin, PQ, Canada

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Großmut eines Sanyassins

Mittwoch, Januar 21st, 2009

Swamiji war auch immer sehr verständnisvoll, wenn jemand sich entschloß, daß das Leben eines Sanyasins nichts mehr für ihn sei.
“Als ich meinen Gelübde als Sanyassin entsagte, war ich sehr zögerlich, da ich dachte, Swamiji würde versuchen, mich zum Bleiben zu überreden. Zu meiner Überraschung war er sehr liebe- und verständnisvoll. Er sagte zu mir, daß Namen, Formen und Titel nichts bedeuteten. Das Wichtigste in unserem Leben sei unser Sadhana. Wenn Du Dein Sadhana ausübst, wird alles andere von selber kommen.
In diesem Moment sah ich anstelle Swamiji meinen Vater, der vor zwei Jahren gestorben war. Er sah mich an und lächelte. Dann war es wieder Swamiji, der mich anlächelte. Ich umarmte ihn heftig. Ich erkannte, daß ich immer mein Sadhana ausüben und daß Swamiji für immer mein spiritueller Lehrer und Führer sein würde, mein spiritueller Vater.”

Neelakanta
Washington, D.C.

Nur noch EINE Geschichte oder Berglöwe statt Schaf

Freitag, Januar 16th, 2009

Swamiji war ein Meister im Geschichtenerzählen mit einem scheinbar endlosen Repertoire. Während des abendlichen Satsangs sprach er oft über komplexe philosophische Ideen. Um sicherzustellen, daß wir auch alles begriffen hatten, würzte er seine Vorträge oft mit Geschichten. Bis dahin hatte er manchmal schon mehr als eine Stunde gesprochen, es wurde spät, alle wurden müde. Er sagte ständig, „Nur noch eine Geschichte…“ Wir lachten jedes Mal, da wir wußten, daß aus der einen Geschichte zwei oder drei werden könnten. Aber das war uns egal. Es war wie in der Kindheit, vor dem Schlafengehen wurden noch Geschichten erzählt. Man mußte noch nicht einmal nach einer zweiten Geschichte fragen, so daß man länger aufbleiben konnte. Swamiji war immer glücklich, wenn er uns diesen Gefallen tun konnte. Hier ist eine seiner Lieblingsgeschichten.

Diese Geschichte erzählt von einem Schafhirten, der mit seinen Schafen in einem Tal lebte. Eines Nachts kam eine trächtige Berglöwin, um unter den Schafen zu jagen. Als der Schafhirt die Berglöwin sah, begann er auf sie zu schießen. Die Schießerei jagte ihr Angst ein. Plötzlich gebar sie ihr Löwenbaby, rannte zurück in den Wald und ließ ihr Junges bei den Schafen zurück. Glücklicherweise gab es eine Schafsmutter, die das junge Löwenbaby aufnahm und es nährte. Das Löwenjunge dachte, daß das Schaf seine Mutter sei und begann wie ein Schaf blöken – Baa Baa Baa Baa. Es trank Milch und fraß Gras, wurde ein Vegetarier. So wuchs das Löwenjunge unter Schafen auf und dachte, es sei genau wie die anderen Schafe.
Nach einigen Jahren kam ein großer Berglöwe, der König des Waldes, zum Tal der Schafe, um zu jagen. Da sah er unter den Schafen ein Mitglied seiner eigenen königlichen Familie, der wie ein Schaf blökte und Gras fraß. Was für eine Schande! Es war, als ob Prinz Charles unter Hippies lebte. Was würde Königin Elizabeth denken! Das war, was der Löwenkönig dachte. “Was für eine Schande für unserer königliche Familie!“
Also rannte er zum Schafslöwen und schrie, „Was machst Du unter den Schafen? Warum blökst Du wie ein Schaf?“
Und der Schafslöwe war furchtbar erschrocken. Als er sah, wie der Berglöwe auf ihn zulief, schrie er laut, „Mami! Mami, hilf mir! Dieser Kerl will mich töten!“
Aber die Schafsmutter rannte davon und der Berglöwe holte den Schafslöwen ein. „Hab keine Angst vor mir. Du bist ein Löwe, genau wie ich.“
„Oh nein, nein! Ich bin kein Löwe. Ich bin ein Schaf. Ich hab meine Mama hier, meine wundervolle Mami. Laß mich zu meiner Mama!“
„Oh nein! Du bist kein Schaf. Du bist ein Löwe wie ich.“
„Laß mich bitte in Ruhe. Ich bitte Dich, Löwe, laß mich gehen.“
„Nein. Nein. Nein. Ich werde Dir zeigen, wer Du bist.“ So schleifte er ihn gegen seinen Willen in die Berge und brachte ihn an einen großen See. „Schau in diesen See. Was siehst Du?“
Seine Augen waren fest geschlossen. „Nein, nein, ich will meine Augen nicht aufmachen. Ich habe Angst.“
„Hab keine Angst. Schau einfach hin. Erkenne, wer Du bist.“
„Ich weiß, wer ich bin. Ich bin ein Schaf. Ich habe eine Mama, drei Brüder und zwei Schwestern, ich lebe im Tal.“
„Nein, das stimmt alles nicht. Schau hin! Du hast vergessen, wer Du bist.“ Nach einiger Zeit öffnete der Schafslöwe seine Augen. „Was siehst Du?“
„Ich sehe Wellen.“
„Warte, bis die Wellen sich beruhigt haben.“ Bald gab es keine Wellen mehr, der See war glatt wie Glas. Plötzlich sah er sein Gesicht. Er sah nicht aus wie ein Schaf. Er sah das Gesicht des anderen Löwen neben sich. „Hey, ich bin ja wie Du. Du bist wie ich. Ich bin Du. Du bist ich. Wir sind beide Könige!“
Und der Berglöwe erwiderte, „Blöke nicht wie ein Schaf! Brülle wie ein Löwe! Geh zu Deinem Königreich in den Wald und genieße Dein Leben.“
Und zum ersten Mal in seinem Leben brüllte er. Kein Blöken mehr wie ein Schaf! Er erkannte, wer er war und lebte seitdem glücklich im Wald, in seinem Königreich.

Wer sind die Schafslöwen in dieser Geschichte? Wir alle. Wir blöken von morgens bis abends: Baa Baa Baa Ich bin ein Deutscher, Baa Baa Baa Ostdeutscher, Baa Baa Baa Westdeutscher, Baa Baa Baa Ich bin ein Russe Baa Baa Baa Amerikaner, Baa Baa Baa Protestant, Baa Baa Baa Katholik, Baa Baa Baa Ich bin Jude, Baa Baa Baa Ich bin Araber, Baa Baa Baa Ich bin einer der PLO, Baa Baa Baa Ich bin ein Kanzler, Baa Baa Baa Premierminister, Baa Baa Baa Ich bin männlich, Baa Baa Baa Ich bin weiblich, Baa Baa Baa Ich bin ein Swami, Baa Baa Baa. Das ist alles, was wir den ganzen Tag machen.

Die Berglöwen, die großen Meister wie Jesus und Sivananda, kommen zu uns und sagen, „Oh, Du blökst wie ein Schaf. Du bist kein Deutscher, Österreicher, Russe oder Amerikaner. Du bist das unsterbliche Selbst. Ich bin in Dir. Du bist in mir. Ich bin Er. Ich bin Brahman. Auch Du bist Brahman. Auch Du bist Gott. Aber dieser Körper ist nicht Gott. Sieh in Dich hinein. Du wirst herausfinden, wer Du bist.“
„Oh nein, nein! Ich will nicht herausfinden, wer ich bin! Ich weiß, wer ich bin. Ich bin ein Swami. Ich habe drei Ashrams, ich habe zehn Schüler. Ich habe 220 Zimmer und 30 Badezimmer. Ich habe Geld, zwei Millionen Dollar auf der Bank. Der Meister sagt, „Hey, das bist Du nicht. Diese Dinge gehören Dir nur.“ „Oh nein, nein! Ich habe meine Frau und meine Kinder.“ „Sie werden nicht mit Dir gehen. Sie sind alle Objekte.“ Oh nein, nein, nein! Ich liebe meine Frau und meine Kinder sehr, ich habe ein wunderschönes Zuhause, eine liebenswerte Familie und Kinder.“ Und der Lehrer sagt, „Blöke nicht wie ein Schaf. Wenn Du stirbst, wird Deine Frau dann mit Dir gehen? Werden Deine Kinder mit Dir gehen? Kannst Du Dein ganzes Geld mitnehmen?“ Er beginnt zu überlegen, „Hey, irgend etwas stimmt hier nicht.“
Du wirst ebenfalls sterben. Du kannst Deine Kreditkarte nicht mitnehmen. Du kannst noch nicht einmal Deinen Körper mitnehmen. Die Bazillen warten auf ihn. Der Tod wartet auf Dich, weil Du Dich mit dem Körper identifizierst. Du bist unsterblich.“
„Oh, mein Lehrer, sage mir, wie ich es finden kann, wie ich dem Tod entrinnen kann.“
„Ich werde es Dir zeigen, komme mit mir.“
Schließe Deine Augen. Schaue in Dich hinein, in diesen Geist-See. Was siehst Du? Pizza, Eiskrem, Bananen, Herzschlag, Atmung. Das sind alles Objekte. Das bist nicht Du. Du bist nicht das Herz, die Lunge usw. Schließe einfach Deine Augen und atme sehr sanft. Praktiziere. Mach weiter, praktiziere. Du mußt jeden Tag üben, sanft zu atmen. Wenn es keine Gedankenwellen mehr gibt, was siehst Du dann? Ich bin Du, Du bist ich. Es gibt weder Schüler noch Lehrer, weder ein Ich noch Gott, wir sind eins. Ich bin in allem, alles ist in mir. Ich bin, der ich bin. Aham Brahma Asmi. Sohum. Ich bin Er. Ich bin Er. Sohum.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.