In den frühen 80er Jahren hatte ich in Century City in Kalifornien mein eigenes Büro, welches auf Betriebsrecht spezialisiert war. Der Streß und die Frustration begann mich langsam umzubringen, ich wurde ein nervöses Wrack. Mir war klar, daß ich was tun mußte.
Nach dem Rat von Freunden und Bekannten begann ich im Sivananda Yogazentrum auf dem Sunset Boulevard mit Hatha Yoga. Es ging mir sofort besser und ich wußte, daß ich „nach Hause“ gekommen war.
Kurz nachdem ich begonnen hatte, ins Zentrum zu gehen, wurde Swami Vishnus Besuch angekündigt, bei dem er einen Vortrag halten wollte. Ich beschloß, mir anzuschauen, worum es ging und ging zu dem Vortrag. Nachdem er geendet hatte, wollte Swamiji allen, die gerne bleiben wollten, eine Mantraeinweihung geben. „Waum nicht?“ dachte ich. „Vielleicht eine andere interessante Erfahrung, aber bestimmt etwas, was sich erheblich von der Juristerei unterscheidet.“
Alle Personen, die nach Swamijis Vortrag blieben, suchten sich ihr Mantra aus und wurden in Gruppen eingeteilt. Swamiji arbeitete mit jeder Gruppe getrennt und übte mit ihnen die exakten Worte der Mantras, bis sie korrekt ausgesprochen wurden, so schien es jedenfalls.
Dann kam die Lakshmigruppe dran, die ich ausgesucht hatte. Wir saßen auf dem Boden in der Mitte des Meditationsraums um Swamiji herum und wiederholten mit ihm solange unser Mantra, bis wir es alle richtig konnten. Es war auf einer gewissen Ebene, die ich nicht verstand, total elektrisierend. Es war einschüchternd, in Swamijis Augen zu sehen, auch nur den kleinsten Kontakt mit ihm aufzunehmen. Es gab dort soviel Energie und Kraft. Es war alles so neu und unbekannt.
Nachdem jeder in der Gruppe es genau verstanden hatte (oder aussprach, oder es fühlte oder was auch immer, wer wußte schon, auf wie vielen Ebenen Swamiji lehrte?), schickte Swamiji uns in eine Ecke, um das Mantra 108mal zu wiederholen. Als ich mein neues Mantra wiederholte, wußte ich, daß etwas anders war, aber es war mir unmöglich, es zu benennen.
In dieser Nacht schlief ich nicht eine einzige Minute. Ich schien zu vibrieren (ich meine es wörtlich, es war wie ein Prickeln) mit einer Art seltsamen, neuen Energie. Es war nicht unheimlich oder beängstigend. Als die Sonne endlich aufging, ging ich zur Arbeit, überhaupt nicht müde oder erschöpft, sondern angefüllt mit etwas Aufregendem, einer Schwingung und einer Energie, die so verschieden von der zermürbenen Energie meiner Rechtspraxis war, daß in mir ein neues völlig unbekanntes Gefühl von Freude und Hoffnung aufstieg. Es war der Anfang einer grundsätzlichen Änderung meines Lebens.
Larry Allman
Los Angeles, California
In einem Sommer im Yogacamp in Val Morin entschloß ich mich, Swami Vishnu über ein Mantra zu befragen, was ich benutzte. Einige Jahre zuvor hatte ich einen anderen Guru, aber ich hatte mit ihm gebrochen. Obwohl ich mittlerweile ganz mit Swamiji und der Sivananda Yogagemeinschaft verbunden war, benutzte ich immer noch das Mantra, was mir mein erster Lehrer gegeben hatte.
Swamiji schlug mir vor, ein neues Mantra auszuwählen. Ich erwägte eine Anzahl von Mantras, bis schließlich zwei in die nähere Auswahl kamen. Da ich nicht in der Lage war, mich zu entscheiden, ging ich zu Swamiji. Er stellte mir einige Fragen und weil ich ein Yogalehrer war, sagte Swamiji mir, welches der beiden ich benutzen sollte und daß er mich dann einweihen wollte.
Zur verabredeten Zeit wurde ich in Swamijis Haus geführt und in seinen eigenen Meditationsraum gebracht. Was für eine Überraschung und welche Ehre! Ich trat ein und überreichte Swamiji die Blumen und die Früche, die ich mitgebracht hatte. Er sagte mir, daß ich nicht ihm, sondern Gott und Swami Sivananda diese Geschenke darbringen sollte. Ich war beeindruckt von diesem Unterschied zwischen Swamiji, der nichts wollte, nicht einmal die symbolischen Früchte und Blumen, und meinem ersten spirituellen Lehrer, der 350$ für die Mantraeinweihung einkassiert hatte.
Ich stellte die Sachen auf den Altar und setzte mich Swamiji gegenüber. Was dann passierte, ist wahrhaftig nicht zu beschreiben. Mein Körper löste sich auf. Mein Geist schien sich unendlich auszuweiten. Mein Bewußtsein veränderte sich und anstatt Formen und Farben wahrzunehmen, wurde ich mir reiner Erkenntnis bewußt. Diese Erkenntnis war nicht angesammelt wie im täglichen Leben. Sie war einfach da, zeigte sich mir ganz und strahlend. Dem gewöhnlichen Beobachter würde das Ganze so erscheinen, als würde Swamiji einfach das Mantra rezitieren und mich dann bitten, es zu wiederholen, erst mit ihm und dann allein. Das passierte zwar, aber was eigentlich geschah, war, daß Swamiji seine Kraft benutzte, meinen Geist und meine Energie zu nehmen, emporzuheben und zu formen und sie zur höchstmöglichen Ebene zu führen. Ich wurde in die volle Kraft des Mantras eingeführt , versank darin und verankerte sie in meiner Psyche. Das war eine wahre transzendentale Erfahrung und zwar eine, nach der ich gesucht hatte.
Dann ließ Swamiji diese Kraft gehen und meine Vision begann zu verblassen, weil ich nicht die Fähigkeit hatte, dieses Reich der reinen Wahrheit zu halten. Ich fühlte einen Stich des Bedauerns, daß diese Erfahrung wieder verschwand und für einen Moment dachte ich, ich würde alles verlieren. Dann erkannte ich, daß ich nichts verloren hatte. Swamiji hatte die Kraft des Mantras in mir aktiviert. Meine Aufgabe war es, das Mantra oft genug zu wiederholen, so daß mein Geist in diesen Zustand zurückging, und mir die Kraft des Mantras direkt zugänglich zu machen, dieses Mal durch meine eigenen Bemühungen.
Swamiji hatte mich in die Kraft und das Geheimnis des Mantras eingeweiht. Er gab mir das Werkzeug und das Zutrauen, diese Kraft und dieses Geheimnis direkt zu erleben. Er gab mir auch Vertrauen. Durch diese Einweihung hatte Swamiji mir die eigentliche Wahrheit der Vedantalehre gezeigt. Alle Zweifel waren ausgeräumt.
Shankara
Ottawa, ON, Canada
Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna
Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.