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Nur noch EINE Geschichte oder Berglöwe statt Schaf

Freitag, Januar 16th, 2009

Swamiji war ein Meister im Geschichtenerzählen mit einem scheinbar endlosen Repertoire. Während des abendlichen Satsangs sprach er oft über komplexe philosophische Ideen. Um sicherzustellen, daß wir auch alles begriffen hatten, würzte er seine Vorträge oft mit Geschichten. Bis dahin hatte er manchmal schon mehr als eine Stunde gesprochen, es wurde spät, alle wurden müde. Er sagte ständig, „Nur noch eine Geschichte…“ Wir lachten jedes Mal, da wir wußten, daß aus der einen Geschichte zwei oder drei werden könnten. Aber das war uns egal. Es war wie in der Kindheit, vor dem Schlafengehen wurden noch Geschichten erzählt. Man mußte noch nicht einmal nach einer zweiten Geschichte fragen, so daß man länger aufbleiben konnte. Swamiji war immer glücklich, wenn er uns diesen Gefallen tun konnte. Hier ist eine seiner Lieblingsgeschichten.

Diese Geschichte erzählt von einem Schafhirten, der mit seinen Schafen in einem Tal lebte. Eines Nachts kam eine trächtige Berglöwin, um unter den Schafen zu jagen. Als der Schafhirt die Berglöwin sah, begann er auf sie zu schießen. Die Schießerei jagte ihr Angst ein. Plötzlich gebar sie ihr Löwenbaby, rannte zurück in den Wald und ließ ihr Junges bei den Schafen zurück. Glücklicherweise gab es eine Schafsmutter, die das junge Löwenbaby aufnahm und es nährte. Das Löwenjunge dachte, daß das Schaf seine Mutter sei und begann wie ein Schaf blöken – Baa Baa Baa Baa. Es trank Milch und fraß Gras, wurde ein Vegetarier. So wuchs das Löwenjunge unter Schafen auf und dachte, es sei genau wie die anderen Schafe.
Nach einigen Jahren kam ein großer Berglöwe, der König des Waldes, zum Tal der Schafe, um zu jagen. Da sah er unter den Schafen ein Mitglied seiner eigenen königlichen Familie, der wie ein Schaf blökte und Gras fraß. Was für eine Schande! Es war, als ob Prinz Charles unter Hippies lebte. Was würde Königin Elizabeth denken! Das war, was der Löwenkönig dachte. “Was für eine Schande für unserer königliche Familie!“
Also rannte er zum Schafslöwen und schrie, „Was machst Du unter den Schafen? Warum blökst Du wie ein Schaf?“
Und der Schafslöwe war furchtbar erschrocken. Als er sah, wie der Berglöwe auf ihn zulief, schrie er laut, „Mami! Mami, hilf mir! Dieser Kerl will mich töten!“
Aber die Schafsmutter rannte davon und der Berglöwe holte den Schafslöwen ein. „Hab keine Angst vor mir. Du bist ein Löwe, genau wie ich.“
„Oh nein, nein! Ich bin kein Löwe. Ich bin ein Schaf. Ich hab meine Mama hier, meine wundervolle Mami. Laß mich zu meiner Mama!“
„Oh nein! Du bist kein Schaf. Du bist ein Löwe wie ich.“
„Laß mich bitte in Ruhe. Ich bitte Dich, Löwe, laß mich gehen.“
„Nein. Nein. Nein. Ich werde Dir zeigen, wer Du bist.“ So schleifte er ihn gegen seinen Willen in die Berge und brachte ihn an einen großen See. „Schau in diesen See. Was siehst Du?“
Seine Augen waren fest geschlossen. „Nein, nein, ich will meine Augen nicht aufmachen. Ich habe Angst.“
„Hab keine Angst. Schau einfach hin. Erkenne, wer Du bist.“
„Ich weiß, wer ich bin. Ich bin ein Schaf. Ich habe eine Mama, drei Brüder und zwei Schwestern, ich lebe im Tal.“
„Nein, das stimmt alles nicht. Schau hin! Du hast vergessen, wer Du bist.“ Nach einiger Zeit öffnete der Schafslöwe seine Augen. „Was siehst Du?“
„Ich sehe Wellen.“
„Warte, bis die Wellen sich beruhigt haben.“ Bald gab es keine Wellen mehr, der See war glatt wie Glas. Plötzlich sah er sein Gesicht. Er sah nicht aus wie ein Schaf. Er sah das Gesicht des anderen Löwen neben sich. „Hey, ich bin ja wie Du. Du bist wie ich. Ich bin Du. Du bist ich. Wir sind beide Könige!“
Und der Berglöwe erwiderte, „Blöke nicht wie ein Schaf! Brülle wie ein Löwe! Geh zu Deinem Königreich in den Wald und genieße Dein Leben.“
Und zum ersten Mal in seinem Leben brüllte er. Kein Blöken mehr wie ein Schaf! Er erkannte, wer er war und lebte seitdem glücklich im Wald, in seinem Königreich.

Wer sind die Schafslöwen in dieser Geschichte? Wir alle. Wir blöken von morgens bis abends: Baa Baa Baa Ich bin ein Deutscher, Baa Baa Baa Ostdeutscher, Baa Baa Baa Westdeutscher, Baa Baa Baa Ich bin ein Russe Baa Baa Baa Amerikaner, Baa Baa Baa Protestant, Baa Baa Baa Katholik, Baa Baa Baa Ich bin Jude, Baa Baa Baa Ich bin Araber, Baa Baa Baa Ich bin einer der PLO, Baa Baa Baa Ich bin ein Kanzler, Baa Baa Baa Premierminister, Baa Baa Baa Ich bin männlich, Baa Baa Baa Ich bin weiblich, Baa Baa Baa Ich bin ein Swami, Baa Baa Baa. Das ist alles, was wir den ganzen Tag machen.

Die Berglöwen, die großen Meister wie Jesus und Sivananda, kommen zu uns und sagen, „Oh, Du blökst wie ein Schaf. Du bist kein Deutscher, Österreicher, Russe oder Amerikaner. Du bist das unsterbliche Selbst. Ich bin in Dir. Du bist in mir. Ich bin Er. Ich bin Brahman. Auch Du bist Brahman. Auch Du bist Gott. Aber dieser Körper ist nicht Gott. Sieh in Dich hinein. Du wirst herausfinden, wer Du bist.“
„Oh nein, nein! Ich will nicht herausfinden, wer ich bin! Ich weiß, wer ich bin. Ich bin ein Swami. Ich habe drei Ashrams, ich habe zehn Schüler. Ich habe 220 Zimmer und 30 Badezimmer. Ich habe Geld, zwei Millionen Dollar auf der Bank. Der Meister sagt, „Hey, das bist Du nicht. Diese Dinge gehören Dir nur.“ „Oh nein, nein! Ich habe meine Frau und meine Kinder.“ „Sie werden nicht mit Dir gehen. Sie sind alle Objekte.“ Oh nein, nein, nein! Ich liebe meine Frau und meine Kinder sehr, ich habe ein wunderschönes Zuhause, eine liebenswerte Familie und Kinder.“ Und der Lehrer sagt, „Blöke nicht wie ein Schaf. Wenn Du stirbst, wird Deine Frau dann mit Dir gehen? Werden Deine Kinder mit Dir gehen? Kannst Du Dein ganzes Geld mitnehmen?“ Er beginnt zu überlegen, „Hey, irgend etwas stimmt hier nicht.“
Du wirst ebenfalls sterben. Du kannst Deine Kreditkarte nicht mitnehmen. Du kannst noch nicht einmal Deinen Körper mitnehmen. Die Bazillen warten auf ihn. Der Tod wartet auf Dich, weil Du Dich mit dem Körper identifizierst. Du bist unsterblich.“
„Oh, mein Lehrer, sage mir, wie ich es finden kann, wie ich dem Tod entrinnen kann.“
„Ich werde es Dir zeigen, komme mit mir.“
Schließe Deine Augen. Schaue in Dich hinein, in diesen Geist-See. Was siehst Du? Pizza, Eiskrem, Bananen, Herzschlag, Atmung. Das sind alles Objekte. Das bist nicht Du. Du bist nicht das Herz, die Lunge usw. Schließe einfach Deine Augen und atme sehr sanft. Praktiziere. Mach weiter, praktiziere. Du mußt jeden Tag üben, sanft zu atmen. Wenn es keine Gedankenwellen mehr gibt, was siehst Du dann? Ich bin Du, Du bist ich. Es gibt weder Schüler noch Lehrer, weder ein Ich noch Gott, wir sind eins. Ich bin in allem, alles ist in mir. Ich bin, der ich bin. Aham Brahma Asmi. Sohum. Ich bin Er. Ich bin Er. Sohum.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Mantraeinweihung oder Sinn eines Mantras

Donnerstag, Januar 15th, 2009

Die Lebensphilosophie von Swami Vishnu-devananda wurde in allem offenbar, was er tat. Er glaubte, lebte und lehrte, daß ein einziger Mensch eine wesentliche Bedeutung im Leben von anderen haben konnte. Weil er ein Glied in der alten Kette des Yoga war, gab er auch die große Macht der Yogaeinweihung weiter. Swamiji sprach oft darüber.

Wörtlich heißt Einweihung „Anzünden“. Wenn Du ein Feuer anzündest, wie fängst Du es an? Du beginnst mit kleinen, schmalen Zweigen und Papierschnipseln, dann zündest Du die Zweige an, fügst dann langsam größere Holzscheite dazu und hast bald ein großes Feuer! Aber wieviel Feuer brauchst Du für den Anfang? Nur ein kleines Streichholz, oder nicht? Ein kleines Streichholz kann diese versteckte Energie im Feuerholz anzünden. Daher kommt das Feuer. Wir sind alle nichts weiteres als schlafende Energie. Wie bei dem Feuerholz ist Energie vorhanden, aber es ist schlafende Energie. Das Holz, das wir ins Feuer geben, wird ein Teil des Feuers und steigert die Energie. Das ist das ganze Geheimnis der Einweihung. Einweihung bedeutet, das Mantra als einen Weg zu nutzen, das Herz zu erleuchten oder anzuzünden.
Schon bevor die Erde geboren war, gab es die Mantraenergie in einem bestimmten Zustand. Newton hat die Schwerkraft nicht erschaffen. Er hat die Existenz einer Energie entdeckt, die Schwerkraft genannt wurde. Es war nichts Neues, was Newton entdeckt hat. Auch Edison hat die Elektrizität nicht erschaffen. Elektrizität war bereits vorhanden. Edison entdeckte die Existenz einer bestimmten Energie, die Elektrizität genannt wird. In gleicher Weise hat die mantrische Energie existiert, sogar vor der Schöpfung.
Alles ist in einem Zustand der Schwingung, alles ist eine Welle aus Energie. Dein Körper schwingt auch auf einer bestimmten Wellenlänge. Du lernst, Dich auf eine bestimmte Wellenlänge einzustimmen, um eine bestimmte Energie, Stärke oder Kraft zu bekommen. Schließlich wird sich der Geist darauf einstimmen. Zu diesem Zeitpunkt hast Du kosmisches Bewußtsein oder bist in Meditation. Das ist die Formel des Geheimnises.
Jedes Individuum braucht ein Mantra, das zu seinem besonderen Geist paßt. Aber wir können keine vier Billionen Mantras haben. Wir kochen ja auch nicht für vier Billionen Menschen vier Billionen unterschiedliche Mahlzeiten.
Was für eine Art Nahrung haben wir? Manche Nahrung mögen wir lieber als andere, oder? Was essen wir zum Frühstück? Müsli, Früchte, Brot und Butter, Joghurt. Manche von Euch mögen mehr Müsli, manche nehmen mehr Brot und mehr Butter, manche mehr Joghurt, oder? Obwohl wir alle das gleiche Essen bekommen, mögen wir das eine oder andere eben lieber. Aber aus welchem Grund? Um unseren Körper zu ernähren, essen wir Müsli, immer mehr.
Das Gleiche ist mit den Mantras. Es gibt kein über- oder untergeordnetes Mantra. Alle Mantras sind gleichwertig und haben die gleiche Wirkung. Genau wie das Feuer, jedes Feuer brennt. Natürlich kann manches Holz mehr brennen, wenn es nicht naß ist. Aber selbst das nasse Holz wird brennen.
In Indien wissen wir, welches Mantra zu welchem individuellen Geist paßt, weil wir die Gottheiten kennen. Jeder Name hat eine Form, jede Form hat einen Namen. Wir können nicht jedes Wort als ein Mantra nutzen, die Form des Wortes wird in Deinem Geist widergespiegelt. Bezogen auf die Yogapsychologie übernimmt der Geist die Form des Objekts, an das Du denkst oder über das Du meditierst. Wenn Du an eine Orange denkst, übernimmt Dein Geist die Form der Orange, um sich die Orange vorzustellen. Das ist Gesetz, daran mußt Du Dich deutlich erinnern. Wenn ich also Orange, Orange, Orange denke, übernimmt der Geist die Form der Orange. Nur dann ist Sichtweite und Wahrnehmung möglich. Wenn es keine Form der Orange gibt, auch wenn Du wiederholst „Orange, Orange, Orange, Orange, Orange, Orange, Orange“, wenn es keine Form gibt, hat es keinen Einfluß auf den Geist. Der Geist weiß nicht, was es ist, es ist nur ein Wort.
Auf gleiche Weise ist nicht nur die Form allein ausreichend. Wenn Du nur die Form visualisierst, ohne den Namen der Orange, hat das keinen Effekt auf den Geist. Du brauchst Name und Form. Wenn Du das Feuer sehen möchtest, aber es gibt in Deinem Geist keine Form des Feuers, kannst Du „Feuer, Feuer“ wiederholen. Dann kannst Du immer noch nicht ans Feuer denken. Name und Form gehören zusammen.
Wenn das nicht so wäre, könntest Du jedes Wort zur Meditation benutzen. Du kannst wiederholen „Blume, Blume, Blume, Blume, Blume, Blume, Blume“, aber Dein Körper und Geist kann durch eine Blume nicht emporgehoben werden, durch die Energie oder die Ausstrahlung der Blume. Die Wellenlänge der Blume und das Objekt Blume hat keinen dauernden Einfluß auf den Geist. Nur spirituelle Wörter können Dich erheben. Diese Wörter werden spirituelle Mantras genannt.
Das Höchste Wesen ist eins und wird OM genannt. Das höchste Mantra ist OM: A-U-M. Alle anderen Mantras sind aus diesem OM entstanden :A-U-M. Jedes Mantra, das wir sprechen und einfach jede Sprache ist in dieser einen kosmischen Silbe OM versteckt. Die Bedeutung dieser Silbe OM ist für den durchschnittlichen Geist sehr schwer zu verstehen. Aus diesem Grunde weihen wir sehr selten jemanden in OM ein, weil es das höchste Mantra ist. Die Menschen haben nicht den höchsten subtilen Intellekt, den man für die Meditation über eine abstrakte Form wie OM benötigt, dennoch kannst Du über OM meditieren, wenn Du es möchtest. Es schadet nicht, weil es abstrakt ist. Alle anderen Mantras sind konkret, sie haben eine spezielle Form oder einen Namen.
Bist Du ein Krishnatyp, ein Ramatyp, ein  Shivatyp oder ein Devityp? Das sind die grundlegenden Persönlichkeitstypen.
Bist Du ein Familienmensch oder ein Hausherr, denkst Du an Ehefrau oder Ehemann, Kinder, eine nette, sichere, gesunde Familie und an den Zusammenhalt einer Familie? Du möchtest Frieden in der Familie und eine wahre Verbindung zu Deinem Ehegatten, eine spirituelle Verbindung. Du denkst, daß Kinder ihre Eltern respektieren sollten. Wenn das das Leben ist, das Dich anzieht, dann hast Du die Persönlichkeit von Rama. Rama ist die Verkörperung dieses Charakters, er ist die Verkörperung des vollkommenen Ehemanns, vollkommenen Kindes, des vollkommenen Gottes, des vollkommenen Zerstörers der Dämonen und des Begründers von Gesetz und Ordnung. Er ist vollkommen in allem, er ist perfekt. Er hatte während seines Lebens nur eine Frau. In seinem ganzen Leben hat noch nicht einmal nach einer anderen Frau geschaut. Er hatte nur diese eine Frau, keine andere, das war seine Einstellung. Wahre Familienmenschen und solche, die Verantwortung für eine Familie übernehmen, fühlen sich davon angezogen. Wenn Du einen Charakter wie diesen hast, solltest Du über Rama meditieren. Du solltest in ein Rama Mantra eingeweiht werden.
Andere sind eher introvertiert. Sie gehen wie Lord Shiva zum Berg Kailash, für immer in die schneebedeckten Berge, fern von Lärm und Hektik. In den eisigen Höhen lebt und meditiert Lord Shiva. Jeder interessierte Ergebene wird zu ihm kommen, er ist nicht daran interessiert, seinen Anhängern entgegenzugehen. Er ist ebenfalls ein introvertierter Typ. Wenn Du eher diese Einstellung hast, auch wenn Du in einer Familie lebst, ein Hausherr oder ein Geschäftsmann bist, wenn Dein Temperament eher zurückhaltend ist und es Dir sinnlos erscheint, zuviel am aktiven sozialen Leben teilzunehmen und Dich sozialen Dingen zuzuwenden, wenn Du ruhig, entspannt und zurückgezogen leben möchtest, dann solltest Du in ein Shiva Mantra eingeweiht werden.
Die überwiegende Mehrheit der Menschen sind Krishnatypen. Krishna hat alle Eigenschaften eines menschlichen Wesens, von der Kindheit bis zum sehr fortgeschrittenen Alter. In einem Leben spielte er alle Rollen spielen, die wir kennen. Er war ein Staatsmann, ein Lehrer, ein König und ein Spieler. Er hatte die Fähigkeit, alles, was Du Dir vorstellen kannst, durch sich zu zeigen, in einem einzigen Leben. Also mag der Großteil der Menschen dieses besondere Naturell wegen der verschiedenen Charaktere, die Krishna gespielt hat. Wir geben dann das Krishna Mantra, wenn Du solch ein Naturell hast.
Andere sind mehr an der göttlichen Mutter interessiert. Sie fühlen sich mehr zu göttlicher, kreativer Energie und Kraft hingezogen. Sie haben mehr Liebe und Mitgefühl in sich, wie eine universelle Mutter, und sie sind näher an ihrem Herzen. Gott manifestiert sich auch als Mutter, nicht immer nur als Vater. Er hat alle Aspekte, auch die weiblichen. Dann können wir über diesen Aspekt meditieren, indem wir ein Mantra von Durga oder Devi bekommen.
Wenn Du einmal eine Gottheit, ein Mantra und einen guru gewählt hast, ändere es Dein ganzes Leben nicht mehr. Ändere nicht Dein Mantra, Deinen Lehrer oder Deine Gottheit. Das gilt für Dein ganzes Leben. Wenn Du Deine Einweihung erhalten hast, solltest Du Dein Mantra nicht ändern oder Dir ein neues suchen. Das ist nicht gut für Dich. Wenn Du Deinem Lehrer keinen Glauben schenkst, dann nimm von diesem Lehrer kein Mantra an. Versuche einen Lehrer zu finden, an den Du glaubst und dem Du vertraust. Du mußt Deinem Lehrer bestimmte Gefühle entgegenbringen, um den Nutzen einer Einweihung zu erfahren. Nur dann kann der Lehrer das Feuer in Dir entfachen.
Wir vergeben die Mantras nicht aus kommerziellen Gründen. Wir sind nicht daran interessiert, Geld oder etwas anderes von Dir zu nehmen. Es ist ein Brauch aus alten Tagen, daß Schüler dem Lehrer ein Dakshina oder eine Spende zukommen lassen. Das ist eine alte Sitte, und es gibt sie immer noch, da die Lehrer kein Geld oder Einkommen haben. Was die Schüler von Herzen geben, nutzen die Lehrer, um sich selbst oder der Menschheit zu helfen. Die Schüler können alles spenden: Früchte, Blumen, Geld, Blumengirlanden, einfach alles. Was immer sie entbehren können. Sie geben immer alles das, was sie zum Glück des Lehrers und der Organisation beitragen können. Das ist erlaubt.
Aber Du kannst kein Mantra verkaufen oder darum bitten, „Ich möchte das oder das Mantra.“ Diese Bitte darf der Lehrer nicht erfüllen. Das ist gegen alles spirituelles Wachstum. Kein Mantra kann verkauft werden, man kann sich weder eins ausdenken, noch gibt es neue Mantras. Es existieren spezielle Mantras, es gibt keine neuen. Wir können keine neuen erfinden oder jedem Individuum ein anderes geben. Es ist unmöglich, niemand kann so etwas tun und sich spiritueller Guru nennen.
Oft wird gefragt, “Müssen wir unser Mantra geheimhalten?“ Du mußt es geheimhalten, aber das bedeutet, daß Du es nicht einfach jedem erzählst. Wenn ich mein Mantra singe, sage ich nicht jedem, „Ich werde mein Mantra wiederholen!“. Wenn jemand es wissen will, und es gibt einen Grund für diese Neugier, kannst Du es ihm sagen, es schadet nicht, weißt Du. Das ist alles. Das ist das ganze Geheimnis.
Also was machst Du nach der Mantraeinweihung? Die Einweihung allein reicht nicht aus. Einweihung ist wie das Feuer anzünden. Wir benutzen nur ein kleines Stück Holz, um das Feuer anzuzünden, oder? Gut, angenommen, Du entzündest ein Feuer mit einem kleinen Streichholz, aber Du hast kein Holz und Papier zur Hand, was wird passieren? Es wird wieder ausgehen. Dieses Streichholz, die Einweihung, hat dann keinen Wert. Sofort, wenn das Feuer zündelt, mußt Du mehr Papier und mehr Brennstoff dazugeben, damit das Feuer größer und größer wird. Dadurch wird das Feuer riesig. Dann wird es Dir genug Kraft und Energie geben, es wird nicht so leicht ausgehen.
Je öfter Du Dein Mantra wiederholst, desto mehr wird das Feuer wachsen, es wird größer und größer. Dann kommt irgendwann eine bestimmte Ebene, eine sehr hohe Ebene, Du meditierst schon fast auf der transzendentalen Ebene. Auf dieser Ebene betritt Dein Geist automatisch die Meditation. Der Moment, an dem Du mit Om Namah Shivaya beginnst, wird Dein Geist klar und Du meditierst auf einer höheren Ebene. Es gibt keinen Klang in irgendeiner Form, keine gesprochene oder telepathische Form. Nur im transzendentalen Stadium schwingt der Klang. Die Schwingung von Om Namah Shivaya, Om Namah Shivaya setzt sich intensiv immer weiter fort. Die Kraft dieser Energie schwingt jetzt auf einer sehr hohen Ebene, das nennt man Meditation.
Du beginnst wie ein Anfänger, Om Namh Shivaya, Om Namah Shivaya. Du beginnst mit Worten, dann gehst Du über zur mentalen Wiederholung. Mental ist kraftvoller als zu sprechen. Schließlich beendest Du sogar die mentale Wiederholung und betrittst die telepathische Ebene, wo Klang und Name verschmelzen. Dann transzendierst Du das und kommst zum unsichtbaren Energiezustand, wo Du eins wirst mit der Form, über die Du meditierst. Du und Shiva, oder Du und Krishna, ihr werdet ein und dasselbe. Es gibt in diesem Stadium keine Unterscheidung mehr, der Meditierende und die meditierte Form werden eins. Du wirst das Objekt der Meditation, genauso wie Dein Geist die Form der Orange übernimmt, um die Orange zu sehen, so wirst Du Krishna, um Krishna zu sehen, oder Du wirst Shiva. Aber es gibt keine verschiedenen Gottheiten, Shiva unterscheidet sich nicht von Krishna, auch ist Krishna nicht verschieden von Rama oder Rama anders als Devi oder die Göttinnen. Sie sind alle eins. Abhängig von Deinen Beziehungen oder Deinem Charakter ist eins nur einfacher zu erreichen, um darüber zu meditieren.
Wiederhole Dein Mantra nach Deiner Einweihung. Laß es nicht einfach fallen. Meditiere regelmäßig. Hat das jeder verstanden?

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Die Friedenskette zwischen Rishikesh und Haridwar

Mittwoch, Januar 14th, 2009

Mir wurde 1987 auf der Jahrhunderttour die Aufgabe des Kameramanns anvertraut. Am Tag der Friedensmala sollte ich die gesamte Länge der Mala filmen, vom Startplatz an gegenüber von Sivanandas Mahasamadhischrein in Rishikesh bis zum Ende an den Ghats von Haridwar. Früher am Morgen war ich in der Haupthalle, wo alle Seniorschüler von Sivananda, inklusive Swamiji, eine Pada Puja für die silbernen Kopien von Sivanandas Sandalen zelebrierten. Tausende von Menschen waren versammelt, um „Om Namo Bhagavate Sivanandaya“ zu singen, als die Sandalen in einem Berg von Blütenblättern begraben wurden. Mir war klar, daß sie es nie bis 11.00 Uhr zum Start der Prozession von Rishikesh nach Haridwar schaffen würden, wenn sie das Mantra 10.008 Mal wiederholen wollten. Ich ging, um meine Kamera auf dem Platz aufzustellen, überzeugt, daß Swamiji bald nachkommen würde. Ich traf mich mit Swami Shanmugananda und einem oder zwei anderen der älteren Schüler, die das Ende der Mala in Rishikesh organisierten. Es hatte sich eine kleine Menge von Sanyasins versammelt und wir bildeten eine Linie vom Mahasamadhischrein über den Platz und eine Flucht von Treppen hinunter zur Hauptstraße. Um 11.00 begannen wir mit dem Singen von Om Namoh Narayanaya, anfänglich mit einer Menge Energie, aber langsam begann unsere Energie zu schwinden. Ich war erst eine Woche oder so in Indien und hatte meine nordamerikanische Idee von Schnelligkeit noch nicht aufgegeben. Anstatt einfach loszulassen und zu singen, bis er kam, ärgerte ich mich und grollte darüber, daß Swamiji mal „wieder zu spät war.“ Um 11.45 Uhr war ich regelrecht außer mir. Wir sollten um 12.00 Uhr in Haridwar sein. Das war 30 Meilen entfernt, die Straßen nur mittelmäßig, und wir waren noch nicht mal gestartet. Zu dieser Zeit hatte ich genug Filmmaterial über den Start der Mala und ging die Stufen zur Straße hinunter, so daß ich Swamiji auf jeden Fall erwischen würde. Um 11.50 Uhr kam er schreiend vorbei, stehend auf einer Platform, die auf einen flachen Lastwagens gebaut war. Er fuhr direkt an mir vorbei, ohne anzuhalten, aber ein Auto mit ein paar Leuten hielt an und ich stieg ein. Ich filmte aus dem Fenster heraus, als wir die Straßen nach Rishikesh entlangschossen, etwa eine Meile oder so weit weg. Große Gruppen Schulkinder in Uniform säumten die Straße und sangen Om Namo Narayanaya, als wir vorbeizischten. Die Menschen auf dem Lastwagen und wir alle im Auto sangen mit ihnen mit. Plötzlich stoppten wir am Rande der Stadt an den Toren eines Sikh Ashrams. Swamiji war besonders darauf bedacht, die lokalen Sikhs in alles miteinzubeziehen, was wir in Rishikesh taten. Das war drei Jahre, nachdem er versucht hatte, zwischen den Sikhs und der indischen Regierung in Amritsar zu vermitteln, direkt vor dem Massaker am Goldenen Tempel. „Dadurch werden wir noch später kommen,“ dachte ich, immer noch nicht eingestimmt auf das, was wirklich wichtig war. Ich sprang aus dem Wagen, um das Treffen zwischen Swamiji und dem Führer der Sikhs zu filmen, welches hauptsächlich aus Pranams, Umarmungen und einigen Worten bestand. Dann kletterte Swamiji wieder auf seinen Lastwagen und forderte mich auf, sich neben ihn zu setzen. Nun fuhren wir die Hauptmarktstraße von Rishikesh entlang, diesmal wegen der Menschenmenge etwas langsamer, und sangen immer noch. Es gab eindeutig Löcher in der Kette und viele Leute stierten uns mit offenem Erstaunen an, als wir vorbeifuhren. Als wir durch die Stadt fuhren, wurden wir von einem jungen Mann auf einem Motorrad begleitet, der neben uns herfuhr und dabei lächelte und sang. Bevor wir uns versahen, waren wir von dreißig oder vierzig Motorräder umgeben, auf denen jeweils ein oder zwei junge Männer saßen. Als wir Rishikesh verließen und schneller wurden, blieben sie bei uns, auf beiden Seiten des Lastwagens, fuhren hin und her und sangen laut und freudig. Es gab lange Strecken auf dem offenen Land, wo es überhaupt keine Kette gab. In jedes Dorf, in das wir auf unserem Weg fuhren, wartete eine neue Kette von Schulkindern mit ihren Lehrern auf uns. Mittlerweile waren wir sehr spät dran, also wurden wir kaum langsamer. Ich überlegte, was sie wohl von uns dachten. Sie hatten gut eine Stunde gewartet und alles, was sie sahen, war ein Lastwagen und ein Auto, vollgepackt mit Leuten. Swamiji saß auf einem großen Stuhl auf dem Rücken eines Lastwagens, umgeben von wilden jungen Männern auf Motorrädern, die sich alle heiser sangen, als sie vorbeirauschten. Als wir Haridwar erreichten, wurde die Straße gerade von einer Zugschranke versperrt und wir mußten anhalten. Alle jungen Männer stiegen von ihren Motorrädern und sprangen, immer noch singend, auf Swamijis Lastwagen rauf und runter. An diesem Punkt bemerkte ich, daß sie alle das Mantra falsch aussprachen, sie ließen die letzte Silbe weg. Da standen wir, später als je zuvor, umgeben von etwas, das aussah wie eine Teenagerparty. Swamiji saß einfach ruhig da und sang, anscheinend völlig unbeeindruckt von dem verrückten Treiben um uns herum. Endlich ging die Schranke nach oben, wir flitzten nach Haridwar, parkten hinter den Ghats und eilten zum Ufer des Flusses. Ich war von der Aufregung, der Hitze und der Feuchtigkeit erschöpft, aber Swamiji ging einfach immer weiter. Er eilte die Stufen des Ghats hinunter, gefolgt von unserer Motorradeskorte, die ziemlich sicher kaum Ahnung hatte, was hier eigentlich vorging. Er stand bis zu den Knien im Ganges und begann einige Gebete auf Sanskrit aufzusagen. Wir waren nicht nur von den Menschen umgeben, die uns begleitet hatten, sondern auch von denen, die die ganze Zeit auf uns gewartet hatten plus einigen anderen, die rein zufällig hier waren. Jeder drängte und schob nach vorne, um Swamiji nahe zu sein und zu hören und zu sehen, was vor sich ging. Irgendwie bekamen wir eine Aratilampe und wir vollzogen das Arati für Mutter Ganga. Swamiji saß auf den Stufen des Ghats und begann zu sprechen. Die Motorradjungen wurden sehr still und ruhig und hörten andächtig zu. Als erstes lehrte er sie, wie man Om Namoh Narayanaya korrekt aussprach, sprach Silbe für Silbe mit ihnen durch und brachte sie nach und nach dazu, es mit uns anderen richtig zu wiederholen. Dann sprach er zu uns. Ehrlich gesagt kann ich mich an kein Wort erinnern. Ich war total beeindruckt davon, wie unsere wilde Begleitung jetzt so still dasaß und Swamiji zuhörte. Als ob sonst nichts geschehen wäre, waren diese jungen Männer irgendwie auf eine bestimmte Art und Weise von Swamiji erreicht worden. War die Friedensmala ein Erfolg? Ich kann es nicht beurteilen. Es war einer der wildesten und verrücktesten Tage meines Lebens. Und mittendrin war Swamiji der ruhende Pol und tat das, was er fühlte, tun zu müssen. Nach dem Vortrag saß er allein auf den Stufen des Ghats und meditierte. Er strahlte Frieden aus. Gopala Krishna

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Ein verständnisvoller Guru oder wer ist schon ein hundertprozentiger Swami?

Mittwoch, Januar 14th, 2009

Swamiji war auch immer sehr verständnisvoll, wenn jemand sich entschloß, daß das Leben eines Sanyasins nichts mehr für ihn sei.

Normalerweise dauert es viele Jahre, um ein Swami zu werden. In der Vergangenheit mußte man sechs oder sieben Jahre bei seinem Meister verbringen, um als Swami geweiht zu werden. Einige Meister sind sehr streng, um zu sehen, ob der Schüler die Stärke besitzt, ein Swami zu werden. Aber Meister Swami Sivananda hatte eine andere Meinung dazu. Er dachte, daß die meisten der jungen Leute, die zu ihm kamen, Sanyasin Samskaras hatten, also Eindrücke aus früheren Leben als Swamis, aber zu ängstlich für die nächsten Schritten waren, da sie dachten, die nötige Stärke nicht zu besitzen.
Eigentlich ist niemand perfekt genug, um ein reiner Swami zu werden. Es ist in einem Leben einfach nicht möglich, ein vollständig reiner Swami zu werden und jede Regel streng zu folgen. Das ist in einem Leben nicht möglich. Also dachte der Meister, daß jemand, der kein hundertprozentiger Swami werden konnte, zumindest ein zwanzig-prozentiger Swami sein konnte, das war immer noch viel besser, als gar kein Swami zu sein. So machte er es. Seine Vorstellungen waren von unseren ziemlich verschieden. Sowohl die anderen Swamis als auch die anderen Gurus waren nicht sehr begeistert. Sie beschwerten sich: „Swami Sivananda macht jedem zum Swami, und das ist nicht richtig. Man braucht besondere Qualifikationen.“
Der Meister dachte, daß es besser sei, auf einen Löwen zu zielen und ihn zu verfehlen als auf einen Schakal zu zielen und ihn zu fangen. Jeder kann einen Schakal fangen, aber um einen Löwen zu fangen, muß man sehr stark sein. Jeder sollte sich ein hohes Ziel setzen. Selbst wenn es mißglückte, war das viel besser. Das war die Vorstellung des Meisters. In einem Leben kann keiner ein hundertprozentiger Swami werden. Aber selbst zwanzig Prozent ist etwas in diesem Leben, im nächsten sind es vielleicht noch weitere vierzig, dann sechzig, so daß er immer näher kommt, nicht wahr?

Über Swami Devananda, Mantraeinweihung und Hingabe

Mittwoch, Januar 14th, 2009

Ich erhielt meine Mantraeinweihung 1978 auf der Yogaranch in Woodbourne. Ich kann immer noch seine Finger auf meiner Stirn fühlen.

Charlene Gordon
Victoria, British Columbia

Eines Tages, nach einem Bootsausflug nach Nassau, kehrte ich in den Ashram zurück und befestigte das Boot sicher am Dock, zumindest glaubte ich das. Das nächste, woran ich mich erinnere, war, daß jemand mich fragte, ob ich im Bootsdienst sei und als ich mit ja antwortete, hieß es „Swamiji will Dich sehen.“ Sie hätten auch sagen können, „Das Exekutionskommando erwartet Dich.“ Aber seltsamerweise hatte Swamiji bereits zwei ältere Mitarbeiter rufen lassen, als ich am Dock erschien und ihnen lautstark mitgeteilt, wie er das Boot gefunden hatte, nur an einem Ende befestigt. Er sah mich noch nicht einmal an, als er plötzlich noch einige andere falsche Dinge bei Vertäuen und Sicherung am Dock fand. Er brüllte die älteren Mitarbeiter an, ins Wasser zu gehen und alles in Ordnung zu bringen. Sie fügten sich sofort. Ich fühlte mich sehr unwohl, da ich die ganze Sache verbockt hatte, aber nichts von dem Zorn abbekam.
An diesem Abend bei der Meditation erzählte Swamiji dieses Vorkommnis und darüber, wie er sich selbst anschließend überprüft hatte. Mit Erstaunen in seiner Stimme und in seinem Blick erzählte er, wie seine Schüler sofort ohne Nachzudenken seinem Befehl gehorcht hätten und in den Nassauer Hafen gesprungen wären, um alles sicher zu vertäuen. „Welch eine Hingabe!“ rief er aus. Er sagte, daß noch nicht einmal in Indien solche Hingabe zu finden sei. Swamiji sagte zu den Staunenden, daß er keinerlei Kontrolle über diese Schüler habe. Wenn sie gewollt hätte, hätten sie ohne weiteres sagen können, „Bye-bye Swamiji“ und wären gegangen. Aber sie waren geblieben.

Swami Swyamananda

Erste Friedensmission: Belfast

Sonntag, Januar 11th, 2009

Sein erster Stop sollte Belfast in Nordirland sein, also mitten in einen Bürgerkrieg ohne Kriegserklärung, besetzt von den britischen Truppen. Der Schauspieler Peter Sellers hatte zugestimmt, ihn in Dublin zu treffen. Am 5. September kam Peter Sellers in das Hotel in Dublin. Wir hatten ein erstes Gespräch darüber, wie wir unsere Mission der Grenzdurchbrechung beginnen sollten. Der 8. September war dafür bereits ausgewählt. Es war ein besonderer Tag, der Geburtstag von Meister Sivananda. Deshalb wollte ich die Friedensmission am 8. September beginnen. An diesem Tag war auch der Geburtstag von Peter Sellers. Er versprach mir, „Swamiji, ich werde alles für Sie und die Friedensmission tun.“ Also sagte ich, „Warum fliegen Sie nicht mit mir nach Belfast? Wir werden dort singen und einige Blumen und Flugblätter abwerfen, und wir werden die ersten sein, die ein Land friedlich bombadieren.“ Er stimmte zu, wollte aber vorher mit seiner Frau, seinem Rechtsanwalt, seinen Geschäftsfreunden usw. sprechen. Wenigstens gab er eine vorläufige Antwort: er wollte versuchen zu helfen. Ich sagte, wir könnten es am nächsten Tag entscheiden. Inzwischen konnte er seine Presseagenten in London anrufen, um uns mit der Pressekonferenz in London zu helfen, die am anderen Tag geplant war. Am nächsten Tag flog ich von Dublin nach London. Ich kam am Flughafen in London an, wo unser ganzes Personal wartete. Es war ein wundervoller Tag, die Presse-konferenz war gut besucht. Zuerst informierten wir vorab Öffentlichkeit und Presse. Die Presse fragte, ob Peter Sellers kommen würde und ich sagte, „Ja, er kommt und er kommt nicht“, weil ich ihn nicht vorzeitig der Öffentlichkeit preisgeben wollte. Ich war ziemlich sicher, daß er sich noch mit seiner Frau austauschen wollte und ich wußte, daß etwas nicht stimmte. Während der Pressekonferenz rief Peter mich an: „Swamiji, ich glaube nicht, daß es sich für mich lohnt, nach Belfast zu kommen. Mein Manager und meine Agenten meinen alle, daß es ein gefährliches Spiel sei, nach Belfast zu fahren, wo sie Leute aus London erschießen.“ Er kam aus London und Iren mögen keine Leute aus London. Also hatten sie ihn erschreckt. Er hatte Angst, erschossen zu werden, wenn er auf die Straße ging, also hatten ihm seine Agenten davon abgeraten, nach Nordirland zu reisen. Also sagte ich, „O.K., wenn das Ihre Meinung ist, alles klar. Egal, ich sehe Sie in Dublin, bevor ich nach Belfast abreise.“ Er wollte wirklich kommen, aber die anderen hatten ihn so verängstigt, daß er nicht wußte, was er tun sollte. Ich flog zurück nach Dublin. Peter hatte alles mit dem Hotel arrangiert und alle Kosten übernommen. Er kam ins Hotel und als er mich sah, sagte er,“Swamiji, ich glaube, ich habe meine Meinung geändert, ich möchte sie begleiten.“ „Ich glaube, daß Sie das Richtige tun,“ sagte ich, „aber denken Sie darüber nochmal nach, ich meine wegen der Gefahr auf den Straßen.“ Weißt Du, Sie schossen dort auf jeden. An diesem Abend kam ich von meinem Zimmer in die Hotellobby. Peter Sellers saß dort mit einigen Leuten. Ich fragte,“Was machen Sie hier, Peter?“ „Oh, Swamiji“, sagte er, „ich versuche, mein Testament zu machen.“ Er hatte seine Anwälte und Manager angerufen und sein Testament gemacht, falls ihm etwas passieren sollte. Siehst Du, wie ernst er es meinte? Das war das Wesentliche, wirklich. Trotz des Risikos wollte er mitkommen. Also sagte ich, „Peter, es wird Ihnen nichts passieren. Es ist Ihr Geburtstag und der Meister wird Ihnen auch helfen.“ Dann verabschiedete ich mich bis zum nächsten Morgen. Wir trafen uns am Flughafen. Zu dieser Zeit hatte die Presse erfahren, daß Peter Sellers kommen würde, also waren sie alle versammelt. Wir präparierten unsere „Bombe“, um Belfast zu bombadieren: viele Blumen und extra gedruckte Flugblätter. Ich hatte einen Schüler voraus nach Belfast geschickt, um sicherzustellen, daß die Leute über unsere Ankunft informiert wurden, falls man uns abschießen würde. Wir stiegen ins Flugzeug und versuchten, unsere Bombe herzurichten. Es war unsere erste Friedensbombe und wir wußten noch nicht so genau, wie wir alles machen sollten. Wir legten alles neben mein linkes Fenster, so daß ich die Blumen abwerfen konnte. Bren, mein Copilot, saß rechts neben mir. Wir flogen los und erreichten bald Belfast. Es war etwas neblig über der Stadt. Es gab einige Berge vor uns, und als wir von den Bergen herunterflogen, konnte ich die Stadt im Halbnebel sehen. Ich hatte vor zwei Jahren an einem Friedensmarsch und einem Satsang in Belfast teilgenommen, so daß ich das Gebiet um Belfast ein wenig kannte. Aber aus der Luft war es ganz neu. Wegen des Nebels konnte ich nicht viel sehen. Wie wollten erst das Rathaus bomba-dieren. Wir hatten keine gute Karte von Belfast, also mußte ich mein Gedächtnis von vor zwei Jahren bemühen:“Es muß hier in diesem Gebiet irgendwo sein.“ Ich ging auf 330m hinunter, war mir aber immer noch nicht sicher, also rief ich den Kontrollturm von Belfast. Ich sagte ihnen, daß ich da und da sei, und ob sie mir bitte sagen könnten, wie wir das Rathaus finden könnten? Sie wußten, daß unser Flugzeug kommen würde, aber sie antworteten, „Wir können Ihnen diese Information nicht geben.“ Also rief ich sie erneut an: „Charlie Fox hier. Können Sie uns bitte sagen, wo die Hauptstraße ist?“ Und wieder antworteten sie, „Charlie Fox, wir können Ihnen nicht Ihren genauen Standpunkt angeben. Geben Sie bitte Ihre Höhe und Ihre Geschwindigkeit an.“ Ich antwortete, „Wir sind 330m hoch“, weil das die Grenze war, wir durften nicht unter dieser Höhe fliegen. Das ist die Regel. Ich war eigentlich etwas drunter. Ich dachte mir, daß wir momentan genau über dem Palastgebiet waren. Sie fragten mich weiter, zu welcher Zeit wir etwa wieder am Flughafen ankommen würden. Also sagte ich, „Ich werde mich wieder melden, gehe auf standby.“ Endlich konnte ich die Hauptstraße erkennen. Bren begann, die Flugblätter zu verteilen. Peter saß rechts von mir. Ich brachte die Maschine etwas mehr in Position und tauchte ab Richtung Hauptstraße. Wir begannen ganz Belfast zu bombadieren. Die Flugblätter und die Blumen flogen überall herum, sie waren überall! Es war ein wunderbarer Anblick, so als wären überall weiße Tauben. Nach der Bombadierung riefen wir wieder den Tower. „Charlie Fox. Wir sind hier und hier. Bitte geben Sie uns Landeanweisungen.“ Und er gab uns eine Nummer der Landebahn, wo wir landeten. Die Polizei und andere Beamten erwarteten uns schon. Aber plötzlich flogen Flugblätter von überall her auf die Landebahn. Wenn Du das das erste Mal bombadierst, weißt Du nicht, wo die ganzen Bomben landen. Woher kamen die ganzen Flugblätter? Wir erkannten, daß sich einige im Rumpf des Flugzeuges verfangen hatten. Das war ein Verstoß gegen die Flugregeln, es war ein Gefahr für den Verkehr. Ich rief den Tower und sagte, „Nein, Sir, das ist keine Absicht. Einige Flugblätter, die wir abgeworfen haben, hatten sich im Rumpf verhangen. Wir haben das nicht gesehen. Bitte melden sie es den Behörden, falls es ein Verstoß ist.“ Die Beamten fragten nach unseren Pässen, wir zeigten unsere Planet Erde Pässe, und sie waren sehr freundlich. Ein Offizier sagte, „Wissen Sie, Sie haben gegen die Regeln verstoßen. Es ist riskant, aus der Luft Flugblätter abzuwerfen.“ Ich antwortete, „Ich weiß, Sir, aber Krieg ist ein größeres Risiko. Wir haben nur Flugblätter und Blumen abgeworfen.“ Er sagte, es sei nur eine Formalität, aber er müßte uns ermahnen. Er mußte seine Pflicht tun. Zollbeamten kamen und stempelten unsere Pässe, dann fragten sie nach Autogrammen von Peter Sellers und mir. Sie waren sehr höflich. Danach mußten wir das Flugzeug etwas näher an den Zaun bringen, weil die Fernsehleute schon draußen warteten. Ich rollte das Flugzeug nahe an sie heran, so daß sie Aufnahmen machen konnten. Peter Sellers und ich berieten uns und entschieden uns, in die Stadt zu fahren, also nahmen wir ein Auto und sangen auf der Fahrt in die Stadt Hare Ram und Sita Ram, und Jesus Krishna ist Dein Name und Liebe Deinen Nachbar wie Dich selbst. Das war unser Lied. So sangen wir und warfen bei der Fahrt Flugblätter aus dem Wagen. Unser erster Halt war der Ort, wo Soldaten warteten, wo der Berührungspunkt Katholiken-Protestanten war, eine Art Niemandsland. Die Katholiken waren auf der einen Seite, die Protestanten auf der anderen. Vor zwei Jahren hatte ich dort schon gesungen, also hielten wir dort zuerst. Es gab eine große Menschenmenge, aber wir spürten keine Feindschaft. Sie rannten auf Peter Sellers zu und bekamen Autogramme, es war eine wunderbare Szenerie. Wir verteilten Flugblätter an alle Leute einschließlich der Soldaten. Der nächste Stop war den Eltern des drei Monate alten Babys gewidmet, das durch die Kugel eines Heckenschützen getötet worden war. Das war wirklich eine Tragödie für diese beiden jungen Leute, beide in den Zwanzigern. Zum Zeitpunkt der Schießerei war die fünf Jahre alte Schwester gerade mit dem Baby spazieren. Sie gingen die Straße entlang, als plötzlich eine Kugel die fünfjährige streifte, aber nur an ihrem Kleid. Aber das drei Monate alte Baby hatte weniger Glück. Sie war sofort tot. Die Fünfjährige fuhr sie nach Hause zurück, tot. Wir gingen in ihr Haus, ohne zu wissen, wie sie uns empfangen würden. Wir erkannten das Paar und sie erkannten uns, es waren auch noch einige Bekannte von ihnen da. Wir beteten für ihren Frieden. Der nächste Stop galt Ian Paisley, dem protestantischen Minister. Ich hatte ihn bereits zwei Jahre vorher getroffen, als er mich in seine Kirche eingeladen hatte. Diese Kirche wurde hauptsächlich für politische Zwecke benutzt, es war keine spirituelle Atmosphäre dort. Einige amerikanische Geschäftsleute unterstützten diese Kirche finanziell. Die ganze Kirche war völlig verseucht mit politischen Gedanken. Menschen sind leicht-gläubig und Paisley konnte sie manipulieren, genau wie Hitler es getan hatte. So militant. Aber dennoch war er dieses erste Mal nett zu mir. Dieses Mal fuhren wir zu seinem Haus, aber seine Frau sagte uns, daß er nicht zu Hause und ins Parlament gefahren sei. Also gingen wir ins Parlament: Peter Sellers, ich und die ganze Truppe, einschließlich den Zeitungsleuten.Alle rannten. Als wir ankamen, war er nicht da. Wir versuchten, den Premierminister zu erreichen, aber der war auch außerhalb der Stadt. Also setzten wir uns einfach hin und begannen Hare Rama zu singen. Nach fünfzehn Minuten sahen wir Paisley ankommen. Wir gingen hinein, um ihn zu erwischen, aber er hatte ein Meeting mit einem Minister. Das Fernsehen war im Ministerium, also war alles, was er sagte, „Hallo, Auf Wiedersehen“ und verschwand. Er wollte nicht mit uns reden, er hatte Angst. Also verließen wir Dublin am selben Tag. Das war unsere erste Friedensmission.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Friedensmala am 100. Geburtstag von Swami Sivananda

Samstag, Januar 10th, 2009

Im Jahre 1987, am 100. Geburtstag von Sivananda, reisten Swamiji und 60 andere Pilger nach Indien zur Sivananda Jahrhundert Tour. Der Höhepunkt der Reise war die Friedensmala, die Swamiji organisiert hatte. Wir wollten mit Tausenden Pilgern eine Menschenkette formen, die von Rishikesh, dem Ort von Meister Sivanandas Ashram, bis zur heiligen Stadt Haridwar reichen sollte, eine Entfernung von 30 Meilen. Indem wir das Mantra Om Namoh Narayanaya sangen, wollten wir Lord Narayanas beschützende Energie erbitten, und damit mehr Weltfrieden. Hier werden Erinnerungen an diesen Tag erzählt. Swamiji erzählte uns, daß der Tag der Friedensmala der wichtigste Tag in seinem Leben war. Er sagte, wenn er erfolgreich verlaufen würde, wäre sein Lebenswerk vollendet. Er hoffte, bald seinen Körper zu verlassen, wie er uns sagte, aber er versprach, uns in seiner neuen Wohnstätte einen Platz zu reservieren, „mietfrei“. So war es in wahrem Sinne eine Mission, als wir an diesem Morgen früh aufstanden und Richtung Haridwar fuhren, wo wir das Ende der Mala bilden wollten, die in Rishikesh beginnen sollte. Wir erreichten Haridwar um 9.30 Uhr morgens und überquerten ein schmutziges Stück Niemandsland voller Matsch zu der berühmten Brücke über den Ganges. Man konnte von hier die heiligen Badeplätze sehen. Während unseres früheren Besuchs in Haridwar mußten wir uns an leprösen, verkrüppelten Bettlern vorbeikämpfen, jetzt mußten wir auf der Brücke bleiben, in der Mitte, und das für Stunden. Die Aussicht war nicht nur entmutigend, sondern geradezu erschreckend. Ich glaube, daß wir alle uns nachdenklich fragten, „Warum hat uns Swamiji hierhin geschickt? Warum können wir nicht in Rishikesh sein, wo es schön und sauber ist und wir von netten Menschen umgeben sind?“ Um elf Uhr gaben wir uns die Hände und begannen zu singen. Gerade da kam die Sonne heraus und schien gnadenlos auf uns herab. Ich machte mir Sorgen, wieder einen Hitzschlag zu bekommen, früher auf meiner Reise hatte es mich wirklich umgehauen. Eine Anzahl von Bettlern reichten uns ebenfalls die Hände. Ich hielt die Hand eines kleinen, wunderschönen Mädchens. War sie eine Bettlerin oder einfach eine Streunerin? Und was ist der Unterschied zwischen einer Bettlerin und einer Streunerin? Schließlich bemerkte ich, daß außer den Bettlern niemand in Haridwar sich uns anschließen wollte. Tatsächlich reichte die Kette kaum über die Brücke. Hieß das, daß die Mala ein Mißerfolg war? Wir hatten keine Ahnung. Vielleicht war sie anderen Stellen erfolgreicher, vielleicht auch nicht. Jedenfalls hatten wir gutes shakti (spirituelle Energie) beim Singen trotz der Gruppe Bettler, die uns belästigten. Aber als eine Gruppe Leprakranker sich mir zuwandte und direkt vor mir stehenblieb, um sich mit mir zu unterhalten, wurde ich von reinem Terror und Abscheu gepackt. Wie konnte ich für den Weltfrieden beten, wenn ich einfach nur wollte, daß diese Leprakranken sich davonmachten? Dann um 11.40 Uhr erinnerte ich mich an die Limetten. Swami Sitaramananda hatte mir gesagt, daß ich genug für alle kaufen sollte, so daß wir sie aufschneiden und in unsere Kehlen auspressen konnten, um die Trockenheit zu lindern. Ich verteilte die Limetten, als Swami Sitaramananda mich und einige andere Teilnehmer packte und uns zu einem Punkt in der Nähe der Kette brachte, wo die meisten Bettler und sadhus waren und der Gesang eher schwach. Ich hatte keine Ahnung, wie ich helfen konnte, den Gesang an diesem Ende der Kette zu verstärken, da ich mittlerweile fast keine Stimme mehr hatte. Und ich wußte, daß ich die Sonne nicht länger ertragen konnte. Aber ich nahm meinen Platz ein. Ich hatte eine halbe Limette in meiner Tasche und ich preßte sie aus in meinen offenen Mund. Ein großer Strahl Limettensaft traf meine Kehle wie ein Blitz. Plötzlich kam meine Stimme vollständig zurück, alle meine Erkältungssymptome verschwanden und ich sang OM NAMOH NARAYANAYA aus vollem Hals mit kristallklarer Stimme. Um mich herum hörte ich meine singenden Begleiter, auch ihre Energie hatte sich intensiviert. Außerdem hatte ich eine deutliche Empfindung von Kühle. Winzige kühle Brisen schienen uns zu umwehen. Das ging einige Zeit so weiter und währenddessen sangen wir mit einer ungeheuren Energie. Es war mittlerweile 12.20 Uhr. Swamiji wurde jede Minute erwartet, er sollte die Mala von Rishikesh nach Haridwar entlangfahren. Eigentlich sollte er genau um 12.00 Uhr kommen. Der Gesang endete bis auf eine kleine Gruppe und wir wurden belästigt von einigen wütenden Bettlern, die von uns etwas zu essen wollten. Erschöpft saß ich mit den anderen im Schatten eines nahegelegenen Verkaufstandes und wir verschlangen gierig Erfrischungsgetränke. Die Moral war auf dem Tiefpunkt. Swamiji kam erst um 2.00 Ohr. Weil sich Swamijis Ankunft in Haridwar derart verzögerte, waren einige von uns sehr verärgert. Aber während der drei Jahre, in denen ich das Privileg hatte, Swamiji zu kennen, war er noch nie auch nur entfernt pünktlich gewesen. Ich wußte, daß ich den Segen von heute erst in einigen Leben erfahren würde, trotz oder vielleicht auch wegen der Mühsal, die wir ertragen mußten. Und das ist bestimmt wichtiger als pünktlich zu sein.

Saraswati New York, NY

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Alice Frazier berichtet über Swami Vishnu Devananda

Samstag, Januar 10th, 2009

Wenn der Schüler soweit ist, wird der Lehrer kommen, und manchmal werden wir zu unserer Bestimmung an äußerst unangenehme Plätze geführt. Ich traf Swami Vishnu das erste Mal 1963. Ich nahm Yogaunterricht im YWCA in New Haven, Connecticut. Unsere Lehrerin war exzellent. Ich war sehr beeindruckt von ihrer Art, zu vollkommener Entspannung anzuleiten. Wo hatte sie das gelernt? „Oh“, antwortete sie, „geh da bloß nicht hin. Es ist ein kleiner Ort, abseits gelegen, in Kanada. Man kann abends nichts machen, keine Nachtclubs, kein Tanzen!“ Also fuhr ich zum Yogacamp nach Val Morin in Quebec. Ich nahm einen Turnanzug und ausgefallene Klamotten mit. Wenn es nichts war, wollte ich nach Maine an die Strände fahren. Offen gestanden war ich nicht vorbereitet auf meinen Empfang an der Rezeption des Camps. Swamiji, ein kleiner, dunkler Mann in roten Badesachen saß auf seinem bevorzugten Felsen und unterhielt sich mit einem Gast. Er sprang auf und rannte den Hügel hinunter, barfuß und alles, um mich zu begrüßen. Eins der Dinge, die mich am meisten beeindruckten, jetzt und später, war die Tatsache, daß er mich nie fragte, was ich im Leben so machte oder halt eine andere dieser typischen Fragen, die wir für selbstverständlich halten. Er nahm die Menschen einfach, wie sie waren. Er sagte mir, daß das neue Gebäude fertig war, aber noch keine Toiletten habe. Ich könnte im Haus schlafen, wenn ich das bevorzugen würde. Es war nicht das Hilton. Später bemerkte ich dann, daß meine Zimmergenossin ein Gesundheitsfreak war, die die ganze Nacht aufblieb, auf Karotten herumkaute und ständig ins Bad lief, um verschiedene innere Reinigungen zu vollziehen. Nach einer Nacht auf einer Matratze, die sich wie eine Eierkiste anfühlte, hatte ich mich entschlossen, daß ich am Morgen nach Maine fahren würde. Ich ging Richtung Yogahalle zur Morgenmeditation. Swamiji war von seiner Hütte den Hügel hinaufgeklettert, immer noch in seinen roten Hosen, aber er hatte einen orangen Umhang über sie gezogen. Während er sich auf der Bühne niederließ, sah ich mich um. Jeder hatte die Augen geschlossen, also machte ich es genauso. Und der Rest, wie man so sagt, ist Geschichte. Swamiji war allgegenwärtig, schlüpfte aus seiner Meditationsrolle als spiritueller Führer, indem er von der Bühne sprang und uns Asanas zeigte, die er in Perfektion vorführte. Er wirbelte durch den Raum und zog eine Wolke von besänftigender Energie hinter sich her. Man war fast versucht, einen Fehler zu machen, nur um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Und immer war auch gute Laune mit dabei. Es war noch gar nichts, wenn man Mrs. Peyser kreischen hörte“Swami, Swami, nicht weggehen“, als sie im Handstand schwankte und Swamiji gluckste “Ich bin direkt hier“, während er fortging und sie mitten in der Luft hängenließ. Wir aßen alle zusammen, Swamiji am oberen Ende des Tisches. Eine meiner ersten lebendigen Erinnerungen war die, als er mir einen Teller voll mit Essensresten gab und mir sagte, ich solle damit den Hügel hinuntergehen und die Ziege füttern. Wer? Ich? Eine Starerzieherin aus Connecticut sollte sich Kiddie, seiner Hausziege nähern? Wir mußten vorsichtig bei Kiddie sein, aber Swamiji balgte mit ihr herum, und tat so, als würden sie mit dem Köpfen zusammenstoßen, um sich dann umzudrehen und von Kiddie gejagt zu werden. Swamiji war spielerisch, manchmal fast wie ein Kind. Er nannte uns nie bei unseren richtigen Namen. Ich war „Kon-nek-ti-kut“ oder „New Heaven“. Wie ich mich danach sehnte, daß er mich Alice nannte. Als er es endlich tat, tat es mit leid, weil es so war: „Alice mach dies, Alice mach das.“ Das Leben mit Swamiji war nicht nur Spaß und Spiel. Er lehrte Karma Yoga, den Yoga des selbstlosen Dienstes. Wir mußten sehr viel auf dem Camp arbeiten. Swamiji praktizierte, was er predigte, er kam und half, schleppte, zog und hackte. Ich bemalte alles, was sich nicht bewegte. Jeder half in der Küche. Die Mahlzeiten waren oft weniger üppig, wenn wir bei dem Kaufmann am Ort Schulden hatten: Swamiji war sehr, sehr großzügig und hätte nie jemanden abgewiesen. Da die Spenden für den Aufenthalt vollkommen freiwillig waren und sehr schwankten, war es nicht einfach, die Finanzen zu verwalten. Am letzten Morgen meines Aufenthalts saß ich in der Meditation. Tränen standen in meinen Augen. Swamiji sah meinen Kummer und beauftragte jemanden, für mich eine Dose Kekse einzupacken, wie um ein kleines Kind glücklich zu machen. Als ich die Straße entlangfuhr, wurden die traurigen Tränen zu Freudentränen als ich sang, „Om Namah Sivaya.“ Ich war glücklich, daß ich Yoga entdeckt hatte.

Alice Frazier Woodmont, CT

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Thomas Zepler, Sylvia K. und Leo Silverstein treffen Swami Denanada

Freitag, Januar 2nd, 2009

Menschen aus aller Welt und allen Berufen kamen in die Ashrams, um das zu lernen, was Swamiji lehrte. Wenn sie nach Hause zurückkehrten, fühlten sie sich gesünder, friedlicher und durch die Erfahrungen auf eine bestimmte Art aufgerichtet.

“Yoga Camp im Jahre 1963. Die Yogahalle war eine winzige Wellblechhütte ohne Fenster. Die Temperatur in diesem Sommer betrug ca. 50 Grad Fahrenheit. Alle Gäste wechselten sich ab bei der Küchenarbeit, beim Tischdecken, beim Säubern des Eßzimmers und beim Geschirrspülen. Swamiji begann jeden Tag in der Yogahalle mit einer kurzen Meditation und langem, lautem Rezitieren von OM. Wie konnten wir die Kraft der Schwingungen verstehen, die er im Laufe der Jahre aufgebaut hatte?
Swamiji lehrte Atemübungen, Augenübungen und vier Stunden Asanas pro Tag - je eine für Anfänger und für Fortgeschrittene morgens und nachmittags. Er spazierte hin und her in seiner Badehose und seinem T-Shirt, manchmal auf seinen Füßen und manchmal auch auf den Händen! Er lehrte uns alles. Eines abends führte er das ganze Camp in einen nahegelegenen französischen Nachtclub. „Letzten Endes sind diese Menschen einfach Anfänger“, sagte er. „Ihr könnt nicht erwarten, daß sie ihren Geist ständig in spirituellen Höhen haben. Ihr müßt ihr Interesse erwecken.“
An einem Nachmittag rief Swamiji uns zu einem „kleinen Spaziergang“. „Sollen wir Schuhe anziehen, Swamiji?“
„Nein, die braucht ihr nicht. Ihr könnt ohne Schuhe kommen.“
Und dann kam eine lange Wanderung, wir kletterten bergauf und bergab, verirrten uns in den Wäldern, wandten uns hier und dorthin, über Stock und Stein und kamen endlich in gehobener Stimmung zurück ins Camp, besonders diejenigen, die sich solch eine Wanderung nie zugetraut hätten, was Swamiji genau wußte!
Swamiji stimmte nur widerwillig zu, einen geringen Betrag festzusetzen, wenn es kein Geld gab, um das Camp zu führen, da die Gäste nur einen Dollar pro Tag gaben oder manchmal auch gar nichts. In seinem Herzen hatte er nie den Grundsatz aufgegeben, daß sich Yoga weder kaufen noch verkaufen ließ. Er hatte noch nie jemanden weggeschickt, der ernsthaft Yoga lernen wollte oder Hilfe brauchte, unabhängig von Geld.”

Sylvia K
New York, NY

“Meine engsten Kontakte mit Swamiji hatte ich im ashram in Val Morin in Kanada. Ich fuhr zwischen den 60ern und 70ern jedes Jahr ins Camp. Einmal fragte mich Swamiji während der Yogastunde am Nachmittag, wie mir das Ausüben der Asanas gefiel. Ich sagte ihm, daß es wie die alte Listerinereklame sei: Ich haßte es zweimal am Tag. Ich wußte immer, wie ich ihm zum Lachen bringen konnte.
Als ich mich einmal verabschiedete, um nach New York zurückzukehren, fragte er mich, wie mir der Aufenthalt im Camp gefallen habe. Ich sagte ihm, daß ich in den letzten zwei Wochen an nichts anderes gedacht hatte als nach Hause zurückzukehren. Er sah enttäuscht zu Boden, bis ich hinzufügte, daß ich die nächsten fünfzig Wochen an nichts anderes denken würde als an meine Rückkehr nächstes Jahr. Ihr hättet das Lächeln auf seinem Gesicht sehen sollen!”

Thomas Zepler
Brooklyn, NY, USA

“Meine spätere Frau Theresa überredete mich, sie in den Ashram nach Val Morin zu begleiten, wo wir am 1. August 1967 ankamen. An diesem Tag, nachdem ich Swamijis Vortrag über das Übel des Rauchens und die Vorteile des Vegetarismus gehört hatte, gab ich für immer das Rauchen auf und wurde Vegetarier, obwohl ich über 30 Jahre Pfeife, Zigarre und Zigaretten geraucht und immer Fleisch gegessen hatte.
Ich schulde Swamiji ewigen Dank, da ich überzeugt bin, daß ich ohne ihn mein gegenwärtiges Alter von 91 Jahren in guter Gesundheit nicht erreicht hätte.”

Leo Silverstein
New York, NY, USA

Auszug aus dem Buch “Der Yogi” von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Gefangen im geistigen Zustand

Montag, Dezember 1st, 2008

Eines Tages kam eine Frau im mittleren Alter zu mir und bat mich um Hilfe. Ich fragte, was ich für sie tun könnte.
Sie sagte, „Nur Sie können mir helfen, Swamiji.“
„Was ist das Problem?“
„Erstens kann ich nicht schlafen. Zweitens werde ich von einem Priester kontrolliert.“
„Warum können Sie nicht schlafen?“
„Die Klimaanlage in meinem Zimmer ist so laut, daß ich nicht schlafen kann.“
„Dann drehen Sie sie herunter. Sie brauchen meine Hilfe nicht,“ erklärte ich ihr.
„Warum benutzen Sie eine Klimaanlage? Sie leben in den Bergen.“
„Manche behaupten, es sei gut für meine Arthritis, also habe ich eine Klimanlage.“
Ich erklärte ihr, daß die kühle Luft ihre Schmerzen eher verstärken würden. Sie brauchte mehr Wärme, „Stellen Sie sie aus, dann werden Sie schlafen können.“
Aber sie sagte, „Nein, ich habe 1000$ für sie bezahlt und der Verkäufer sagte mir, es würde mir helfen.“
Sie fuhr fort mit ihren eigenen Argumenten und ich wußte, daß es keine Möglichkeit gab, sie auf intellektuellem Wege zu erreichen. Ich hatte ihr bereits alles vernünftig erklärt: 1) daß die Klimaanlage schlecht für ihre Arthritis sei und 2)daß sie hier in den Bergen keine benötigte. Aber sie wußte, daß sie 1000 $ für ihre Klimaanlage bezahlt hatte und der Verkäufer ihr zugesichert hätte, daß sie ihr helfen würde. Sie konnte sich von dieser Beeinflussung nicht befreien.
Da ich wußte, daß ich sie auf intellektuellem Wege nicht erreichen konnte, so wie ich es versucht hatte, sagte ich ihr einfach, daß ich ihr helfen würde. Ich sagte ihr, daß sie noch einmal kommen sollte, um dann besondere Atemtechniken, Mantras, Meditation und Entspannungstechniken von mir zu lernen, so daß sie schlafen könnte. Sie dachte, ich würde eine Art Zauberei mit ihr veranstalten, weil ich aus Indien kam, aus dem Himalaya. Sie dachte, ich hätte eine Art besondere Kraft, mehr als der Verkäufer. Ihr zweites Problem war der Priester. Sie erzählte, sie sei zu ihm gegangen und hätte mit ihm gesprochen und jetzt würde er sie die ganze Zeit kontrollieren. Sie wollte sich dieser Kontrolle entziehen. Ich sagte ihr, daß ich ihr mit diesem Problem ebenfalls helfen würde. Damit war die Unterhaltung beendet und das Treffen vorbei.
Zehn Tage später gab ich gerade eine Privatstunde, als mich meine Assistentin aus dem Zentrum anrief. Sie sagte, daß bei ihr eine sehr aufgeregte Dame sei, die mich sprechen wollte. Die Dame sagte, daß ich sie behandelt hätte und sie mit mir darüber sprechen wollte. Ich nahm den Anruf an.
Das erste, was sie sagte, war, „Swamiji, ich will Ihre Behandlung nicht mehr.“
Ich war schockiert. Ich wußte nicht, um wen es sich handelte, sie hatte sich nicht vorgestellt. Ich fragte, „Wer sind Sie? Wie ist Ihr Name?“
Sie sagte, sie sei die Person, die mich im Camp aufgesucht und mich wegen der Schlaflosigkeit und dem Priester um Hilfe gebeten hatte. Jetzt wollte sie meine Behandlung nicht mehr. Ich wußte sofort, daß es keinen Sinn hatte, ihr vernünftig irgend etwas zu erklären. Ich hatte sie nie behandelt. Also sagte ich nur zu ihr, „Kommen Sie her. Ich werde ihnen einige Asanas und etwas pranayama beibringen. Dadurch werden Sie in der Lage sein, sich zu entspannen. Und ich helfe Ihnen mit dem Priester, indem ich für Sie bete.“ Das war alles, was ich sagte.
Ich verstand zu diesem Zeitpunkt, als ich sie „behandelte“, nicht, was ich ihr getan hatte. Ihr Geist war wie Kitt. Er ließ sich so formen, daß er alles annahm, was ein anderer ihr sagte. Ein Verkäufer kam und setzte ihr die Idee in den Kopf, daß sie sich ohne Klimaanlage nicht wohl fühlen würde. Also übernahm sie das. Und dann sagte ein Priester, „Du muß das und das tun und Deine Sünden werden Dir vergeben.“ Also nahm sie das an. Sie ging zu einem Swami, weil sie von dem Priester loskommen wollte. Als ich ihr sagte, daß ich ihr helfen würde, kam ihr Geist unter meinen Einfluß. Ich wußte das bis dahin nicht. Sie hatte also immer noch das Gefühl, daß ich sie kontrolliere. Sie wußte nicht, an wen sie sich sonst wenden sollte. Wenn sie eine andere höhere Autorität gefunden hätte, wäre sie dorthin gegangen.
In dem Augenblick, wo ich ihren geistigen Zustand erkannte, wußte ich, wie ich sie erreichen konnte. Ich sagte einfach, „Von diesem Augenblick an nehme ich meine ganze Behandlung wieder zurück.“
Sie war so glücklich. Von dieser Zeit an hatte sie keine Probleme mehr mit schlaflosen Nächten und dem Priester, und auch nicht mehr mit mir.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

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Über Swami Devananda, Mantraeinweihung und Hingabe

Dienstag, November 30th, 1999

Ich erhielt meine Mantraeinweihung 1978 auf der Yogaranch in Woodbourne. Ich kann immer noch seine Finger auf meiner Stirn fühlen.

Charlene Gordon
Victoria, British Columbia

Eines Tages, nach einem Bootsausflug nach Nassau, kehrte ich in den Ashram zurück und befestigte das Boot sicher am Dock, zumindest glaubte ich das. Das nächste, woran ich mich erinnere, war, daß jemand mich fragte, ob ich im Bootsdienst sei und als ich mit ja antwortete, hieß es „Swamiji will Dich sehen.“ Sie hätten auch sagen können, „Das Exekutionskommando erwartet Dich.“ Aber seltsamerweise hatte Swamiji bereits zwei ältere Mitarbeiter rufen lassen, als ich am Dock erschien und ihnen lautstark mitgeteilt, wie er das Boot gefunden hatte, nur an einem Ende befestigt. Er sah mich noch nicht einmal an, als er plötzlich noch einige andere falsche Dinge bei Vertäuen und Sicherung am Dock fand. Er brüllte die älteren Mitarbeiter an, ins Wasser zu gehen und alles in Ordnung zu bringen. Sie fügten sich sofort. Ich fühlte mich sehr unwohl, da ich die ganze Sache verbockt hatte, aber nichts von dem Zorn abbekam.
An diesem Abend bei der Meditation erzählte Swamiji dieses Vorkommnis und darüber, wie er sich selbst anschließend überprüft hatte. Mit Erstaunen in seiner Stimme und in seinem Blick erzählte er, wie seine Schüler sofort ohne Nachzudenken seinem Befehl gehorcht hätten und in den Nassauer Hafen gesprungen wären, um alles sicher zu vertäuen. „Welch eine Hingabe!“ rief er aus. Er sagte, daß noch nicht einmal in Indien solche Hingabe zu finden sei. Swamiji sagte zu den Staunenden, daß er keinerlei Kontrolle über diese Schüler habe. Wenn sie gewollt hätte, hätten sie ohne weiteres sagen können, „Bye-bye Swamiji“ und wären gegangen. Aber sie waren geblieben.

Swami Swyamananda