DIE PHYSISCHE PRÄSENZ
Montag, März 16th, 2009Es ist etwas besonderes, wenn man sich in der Gegenwart von Menschen befindet, die auf dem spirituellen Weg fortgeschritten sind. Einfach im selben physischen Raum mit ihnen zu sein, auch wenn sie nichts sagen oder tun, hat oft eine tiefe Wirkung auf Menschen. Warum haben große Yogis und Weise einen so mächtigen Einfluß? Swamiji erklärt es folgendermaßen.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Flexibilität des Körpers, besonders der Wirbelsäule, und der Flexibilität des Geistes. Flexibilität des Geistes bedeutet Anpassungsfähigkeit. Das Gegenteil davon, die Starrheit des Geistes, wird Ego genannt. Da das Ego Spannung ans Nervensystem abgibt, schafft es einen starren Körper. So sagt der Yoga, daß Flexibilität des Geistes und der Wirbelsäule zusammenhängen. Wenn Ihr die Wirbelsäule flexibel haltet, habt Ihr einen flexiblen Geist und Ihr werdet herausfinden, daß der flexible Geist mehr arbeiten kann als der unflexible.
Habt Ihr jemals einen Baum am Strand stehen sehen? Solche Bäume sind sehr stark, sie stehen noch nach 70, 80 oder 90 Jahren. Wenn eine plötzliche Flut kommt, werden sie vollständig entwurzelt und weggespült, weil sie sehr starr sind. Wenn die Flut zurückgeht, steht das hohe Gras immer noch. Die kraftvolle Flut konnte es nicht wegspülen. Warum? Weil es sich einfach dem Fluß des Wassers beugte anstatt sich zu widersetzen. Das Wasser konnte ihm nichts anhaben. Der kräftigere, aber starrere Baum jedoch wurde entwurzelt.
Gräser beugen sich vor dem Wind und erheben wieder ihre Köpfe zur Mittagssonne. Die stolzen Giganten des Waldes bleiben steif, rühren sich keinen Zentimeter, nur um unsanft entwurzelt zu werden. Der demütige Diener verbeugt sich vor allen und dient bis in sein hohes Alter, während sein unbeugsamer Herr beneidet wird, nur weil er Premierminister oder Senator ist oder sogar in Ungnade fällt und ins Gefängnis gehen muß. Aber der einfache Diener macht weiter.
Besonders für einen spirituellen Aspiranten ist Flexibilität notwendig. Wenn das Prana einmal wächst, wird jeder Widerstand seine freie Bewegung verhindern. Also solltest Du jeden Morgen Asanas (Yogastellungen), Pranayam (Atemübungen) und mantra japa (Wiederholung des Namen Gottes) praktizieren. Flexibilität der Wirbelsäule wird der Energie erlauben, sorgsam zu fließen, so daß nach oben anstatt nach unten fließen wird. Es ist wie Wasser, welches in einer groben Form abwärts fließt, aber in subtiler Form (wie beim Dampf) aufsteigt. Auf gleiche Weise wird eine flexible Wirbelsäule Deiner Energie erlauben, nach oben zu steigen, an den unteren Zentren vorbei zu den oberen. Das ist gemeint mit dem „Aufstieg der Kundalini Shakti.“
Die Shakti oder die Energie, welche sich in den unteren Chakras befindet, wird Kundalini genannt. Es ist wie die Feder in einer Uhr, eng aufgerollt durchs Aufziehen, so daß die Uhrzeiger sich bewegen. Die Energie hat sich verdichtet, ist latent geworden. Kundalini ist zusammengerollt und liegt für die meisten von uns im schlafenden Zustand. Mit der Durchführung von Asanas und Pranayam entrollt sie sich, befreit sich und steigt auf in die höheren Zentren. Wenn die einzelnen Zentren (oder Chakras) stimuliert werden, geben sie eine bestimmte Wellenlänge von Energie ab, die in ihnen liegt, so wie Batterien. Während des Aufsteigens vermehrt sich die Spannung. Die unteren Chakras haben, sagen wir einmal, sechs Volt, aber wenn wir höher kommen, können wir zehn, fünfzig, hundert oder tausend Volt dazu addieren. Für die spirituelle Entwicklung ist es also wichtig, die Energie zu den oberen Zentren zu ziehen. Nun könnt Ihr die Wechselbeziehung zwischen dem physischen Körper und der physisch-mentalen Flexibilität sehen. Wir führen alle körperlichen Übungen aus, um mentale Flexibilität zu bekommen und die Energie dazu zu bringen, sich angemessen zu bewegen, so daß Blockaden in den Zentren gelöst werden können.
Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna
Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.