Posts Tagged ‘Devananda’

DIE PHYSISCHE PRÄSENZ

Montag, März 16th, 2009

Es ist etwas besonderes, wenn man sich in der Gegenwart von Menschen befindet, die auf dem spirituellen Weg fortgeschritten sind. Einfach im selben physischen Raum mit ihnen zu sein, auch wenn sie nichts sagen oder tun, hat oft eine tiefe Wirkung auf Menschen. Warum haben große Yogis und Weise einen so mächtigen Einfluß? Swamiji erklärt es folgendermaßen.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Flexibilität des Körpers, besonders der Wirbelsäule, und der Flexibilität des Geistes. Flexibilität des Geistes bedeutet Anpassungsfähigkeit. Das Gegenteil davon, die Starrheit des Geistes, wird Ego genannt. Da das Ego Spannung ans Nervensystem abgibt, schafft es einen starren Körper. So sagt der Yoga, daß Flexibilität des Geistes und der Wirbelsäule zusammenhängen. Wenn Ihr die Wirbelsäule flexibel haltet, habt Ihr einen flexiblen Geist und Ihr werdet herausfinden, daß der flexible Geist mehr arbeiten kann als der unflexible.

Habt Ihr jemals einen Baum am Strand stehen sehen? Solche Bäume sind sehr stark, sie stehen noch nach 70, 80 oder 90 Jahren. Wenn eine plötzliche Flut kommt, werden sie vollständig entwurzelt und weggespült, weil sie sehr starr sind. Wenn die Flut zurückgeht, steht das hohe Gras immer noch. Die kraftvolle Flut konnte es nicht wegspülen. Warum? Weil es sich einfach dem Fluß des Wassers beugte anstatt sich zu widersetzen. Das Wasser konnte ihm nichts anhaben. Der kräftigere, aber starrere Baum jedoch wurde entwurzelt.

Gräser beugen sich vor dem Wind und erheben wieder ihre Köpfe zur Mittagssonne. Die stolzen Giganten des Waldes bleiben steif, rühren sich keinen Zentimeter, nur um unsanft entwurzelt zu werden. Der demütige Diener verbeugt sich vor allen und dient bis in sein hohes Alter, während sein unbeugsamer Herr beneidet wird, nur weil er Premierminister oder Senator ist oder sogar in Ungnade fällt und ins Gefängnis gehen muß. Aber der einfache Diener macht weiter.

Besonders für einen spirituellen Aspiranten ist Flexibilität notwendig. Wenn das Prana einmal wächst, wird jeder Widerstand seine freie Bewegung verhindern. Also solltest Du jeden Morgen Asanas (Yogastellungen), Pranayam (Atemübungen) und mantra japa (Wiederholung des Namen Gottes) praktizieren. Flexibilität der Wirbelsäule wird der Energie erlauben, sorgsam zu fließen, so daß nach oben anstatt nach unten fließen wird. Es ist wie Wasser, welches in einer groben Form abwärts fließt, aber in subtiler Form (wie beim Dampf) aufsteigt. Auf gleiche Weise wird eine flexible Wirbelsäule Deiner Energie erlauben, nach oben zu steigen, an den unteren Zentren vorbei zu den oberen. Das ist gemeint mit dem „Aufstieg der Kundalini Shakti.“

Die Shakti oder die Energie, welche sich in den unteren Chakras befindet, wird Kundalini genannt. Es ist wie die Feder in einer Uhr, eng aufgerollt durchs Aufziehen, so daß die Uhrzeiger sich bewegen. Die Energie hat sich verdichtet, ist latent geworden. Kundalini ist zusammengerollt und liegt für die meisten von uns im schlafenden Zustand. Mit der Durchführung von Asanas und Pranayam entrollt sie sich, befreit sich und steigt auf in die höheren Zentren. Wenn die einzelnen Zentren (oder Chakras) stimuliert werden, geben sie eine bestimmte Wellenlänge von Energie ab, die in ihnen liegt, so wie Batterien. Während des Aufsteigens vermehrt sich die Spannung. Die unteren Chakras haben, sagen wir einmal, sechs Volt, aber wenn wir höher kommen, können wir zehn, fünfzig, hundert oder tausend Volt dazu addieren. Für die spirituelle Entwicklung ist es also wichtig, die Energie zu den oberen Zentren zu ziehen. Nun könnt Ihr die Wechselbeziehung zwischen dem physischen Körper und der physisch-mentalen Flexibilität sehen. Wir führen alle körperlichen Übungen aus, um mentale Flexibilität zu bekommen und die Energie dazu zu bringen, sich angemessen zu bewegen, so daß Blockaden in den Zentren gelöst werden können.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Wohlergehen aller Familienmitglieder

Donnerstag, März 12th, 2009

Swamiji unterstützte aktiv seine Schüler, die in Beziehung lebten, ermutigte sie und erinnerte sie an ihre gegenseitigen Pflichten.Er war immer aufrichtig an dem Wohlergehen aller Familienmitglieder interessiert.

Mein Mann Jim und ich wurden von Swamiji getraut. Er leitete persönlich eine wunderschöne Feuerzeremonie. Er hielt einen Vortrag über den Nutzen und die Schönheit eines Familienlebens. Unsere Verwandten, die sich wegen der Fremdheit der Zeremonie zu Beginn ein wenig unbehaglich fühlten, waren bewegt und angerührt von Swamijis Liebe und Enthusiasmus.

Eines Tages, als ich während einer zweistündigen Fahrt Swamiji vom New Yorker Zentrum zur Yogaranch fuhr, fragte ich ihn, ob er mir bei einem Problem behilflich sein könne. Ich hielt eine langen Vortrag darüber, daß Jim sich nicht so wie ich als Mitarbeiter auf der Ranch verpflichten wollte und daß das Spannungen erzeugte usw. usw. Obwohl ich am Anfang schüchtern war, konnte ich nicht mehr aufhören, als ich einmal angefangen hatte. Als ich endlich aufhörte, drehte sich Swamiji zu mir um und fragte, „Entschuldigung, was hast Du gesagt?“ Ich war etwas bestürzt, aber dann erkannte ich, daß es mir schon besser ging und daß ich die Situation nun präziser schildern konnte. Danach sagte riet Swamiji mir, mich nicht zu sorgen und zu Gott zu beten.

Als wir in die Straße zur Ranch einbogen, stand Jim dort und Swamiji begann sofort, ihn zu ermutigen und zu lieben. Die ganze Zeit, die Swamiji auf der Ranch war, schenkte er Jim besondere Aufmerksamkeit. An einem Satsang rief er Jim nach vorne und ließ ihn „Die Regeln für menschliches Sein“ aus einer früheren Ausgabe von Yoga Life vorlesen. Nach jeder Regel drehte Swamiji sich um und wandte sich direkt an Jim, als er darüber sprach, das Leben vollständig und wunderbar zu leben, ohne Gott zu vergessen. Weder schimpfte er noch ermahnte er ihn. Er verströmte nur reine Liebe und Anteilnahme. Nach dem Satsang sagte er zu Jim, daß er mit Yoga Life unter seinem Kopfkissen schlafen sollte. Das tat Jim. Später legten wir es unters Bett. Jetzt nach sieben Jahren liegt es immer noch da.

Über die Jahre hinweg vergaß Swamiji nie, mich zu fragen, „Wie geht es Jim?“ Als ich einmal den Ashram in Val Morin besuchte, wollte ich Swamiji begrüßen, der allein auf einer Picknickbank saß. Er praktizierte Mouna, also würde er nicht sprechen, aber er begann, einige Buchstaben auf die Bank zu zeichnen. Nach einigem Zaudern erkannte ich, daß er E-h-e-m-a-n-n buchstabierte. Eine andere Pflichterinnerung bekam ich, als Swamiji die Ranch nach einem kurzen Besuch wieder verließ. Swamiji lag auf der Rückbank des Wagens und ich beugte mich hinein, um seine Füße zu berühren und mich zu verabschieden. Er sagte etwas zu mir, aber das Ganze geschah nach seinen Schlaganfällen und er war schwer zu verstehen. Ich riet, „Bleib dran an Deinem Sadhana?“ Swami schüttelte seinen Kopf. „Arbeite hart im Ashram?“ Nein, das war es auch nicht. Ich riet und riet, bis Swamij Kartikeyananda ins Auto stieg und übersetzte, „Wo ist Jim? Ist er zur Arbeit gegangen?“ Wieder erinnerte mich Swamji daran, an meinen Mann zu denken! Das war die fortwährende Botschaft.

Das letzte Mal, als Swamiji auf die Ranch kam, war er recht schwach, aber wie gewöhnlich wunderbar, für alle erreichbar und interessiert an allen. Jim und ich hatten darüber nachgedacht, Kinder zu bekommen, aber wir hatten doch noch einige Zweifel. Ich wollte unbedingt mit Swamiji darüber sprechen, und ich wußte, daß wir befolgen würden, was immer er uns riet. Ich erzählte Swamiji über unsere Bedenken darüber, Kinder zu bekommen. Swamiji antwortete sofort, „Warum nicht?“ Ich antwortete, daß unser Sadhana sich verändern würde und daß ich nicht mehr viel im Ashram helfen könnte. Es würde sich alles um das Kind drehen. Ich war mir nicht sicher, da es so eine große Umstellung wäre. Swamiji aber antwortete mir, „Sogar Lord Rama hatte Kinder. Das höchste Gut ist es, Kinder sorgsam zu erziehen, und sie in einem Ashram aufzuziehen, ist ein großer Segen.

Lisa

Woodbourne, NY

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.


BEZIEHUNGEN

Sonntag, März 8th, 2009

Swamiji gab niemals vor, etwas Besseres als die anderen zu sein oder über bestimmten Problemen zu stehen, nur weil er ein Sanyasin war und den Eid der Keuschheit geleistet hatte. Er nahm sich sehr seiner Schüler an, die in Familien lebten und stieß sie niemals vor den Kopf, daß sie nicht fähig oder interessiert wären, den von ihm gewählten Weg zu folgen.

Als ich das erste Mal überhaupt mit einem persönlichen Problem zu Swamiji ging, kämpfte ich mit dieser ganzen Idee des Zölibats. Ich war irgendwie in meinem Geist zu dem Punkt gekommen, daß ich nur dann spirituell fortschreiten könne, wenn ich Brahmacharya annehmen würde (den Eid des Zölibats), aber ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet. Ich erzählte Swamiji, daß ich mich schuldig fühlte, da ich nicht den „richtigen“ Weg ginge. Swamiji lächelte mich nur sanft an und sagte, „Sogar die großen Rishis hatten Ehefrauen und Sex mit ihnen.“ Er fuhr fort, mir zu erklären, daß als Hausherr kein Zölibat von mir erwartet wurde. Wichtiger war die Haltung zu meiner Frau. Ich sollte sie nicht nur als eine Frau sehen, sondern als eine Inkarnation der Göttin. Ich sollte immer an sie denken und sie anbetungswürdig behandeln. Wenn ich das tat, würde es keine Unterschied in meinem spirituellen Fortschritt machen, wenn ich eine Familie hätte.

Gopala Krishna

Ottawa, Ontario, Canada

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Viel Wind kann auch nützlich sein

Montag, März 2nd, 2009

Vor einigen Jahren lehrte ich Swami Vishnu, wie man ein ultraleichtes Flugzeug steuert. Das war, bevor er bei einer seiner Friedensmissionen über die Berliner Mauer flog. Swamiji war ein toller Schüler. Er hörte sich aufmerksam alles an, was ich ihm sagte, mit hoher Konzentration. Er saugte alles auf, lernte schnell und schob sein gesamtes voriges Wissen über das Steuern größerer Flugzeuge beiseite.
Eines Tages konnten wir nicht fliegen, weil die Winde zu stark waren, also saßen wir auf dem Flugfeld herum, einfach nur redend und wartend. Es war einer der besten Tage meines Lebens, und ich werde mich immer daran erinnern.

Ted Young
Ellenville, New York

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Humor eines Swami

Mittwoch, Februar 18th, 2009

Es war diese besondere Normalität, die viele Studenten zu Swamiji hinzog. Er versuchte nicht, das Gefühl zu vermitteln, daß er anders sei oder etwas besonderes. Weder erwartete noch verlangte er Anbetung, vielmehr versuchte er das aktiv zu verhindern. Man konnte in gewissem Sinne mit Swamiji einfach ‚abhängen‘ und ganz normal mit ihm in Alltagssituationen zusammensein, oder was wenigstens oberflächlich aussah wie ein normales Leben. Mal abgesehen davon, daß diese Zeiten immer etwas besonderes waren, hatten sie ein ‚Anderssein‘, das sie irgendwie zu etwas Außergewöhnlichem machten.

Vor fast drei Wochen, am 8. April 1985, fuhr Swamiji für einen Tag nach Ottawa. Er hatte einen Termin an der Klinik für Sportmedizin, um sein Knie untersuchen zu lassen. (Ein kleiner Unfall im Jeep auf dem Weg zurück von Gangotri hatte eine alte Verletzung reaktiviert.)
Ich hatte die Ereignisse dieses Tages nicht aufgezeichnet, da sie auf eine gewisse Art so weltlich erschienen. Es war nichts besonderes geschehen. Nach einigen Wochen bemerkte ich jedoch, daß die Ereignisse dieses Tages sehr nachhaltige Eindrücke hinterlassen hatten.
Es war das erste Mal, daß ich Swamiji nach seinem Winter in der Höhle in Gangotri wiedersah. Er erschien mir dünner, zarter und sehr sanft.
Swami Kartikeyananda und Sitaramanda begleiteten ihn auf seiner Fahrt. Es war ein kalter, regnerischer Tag, und ein lustiges Bild von Swamijis Füßen auf der Matte der Halle wird in mir lebendig. Sie steckten in schweren weißen Baumwollsocken in großen rot-braune Halbschuhen, einige Nummern zu groß für seine Zehen, die sich noch von Frostbeulen erholten.
Ich chauffierte Swamiji und seine Begleiter in unserem Auto zur Klinik, dann zurm Indischen Oberkommissariat, dann am Nachmittag zurück zur Klinik. Jedesmal wenn er ins Auto stieg, berührte er das Bild des Meisters auf dem Armaturenbrett, dann berührte er seine Stirn mit seinen Fingern und sprach einige Gebete. Dies geschah sechsmal. Beim letzten Mal unterbrach er sich und sagte zu mir, „Starte den Wagen!“ Ich hatte gedacht, daß ich warten sollte, bis er seine Gebete beendet hätte.
Kurz nach unserer Ankunft wollte Swamiji ein Sandwich. Während er aß, quollen das Fruchtfleisch und die Kerne der Tomaten heraus und fielen auf seinen orangenfarbenen Sweater. Es war ein ziemlich großer Fleck, aber er beachtete ihn nicht weiter, bis wir kurz vor der Klinik waren. In diesem Augenblick nahm Swami Kartikeyananda eine Serviette und versuchte, den Fleck wegzuwischen. Swamji lächelte nur und sagte, „Sieh nur, sogar die Tomaten finden mich anziehend. Sie wollen bei mir sein.“

Madasala
Ottawa, Ontario

Swamiji lehrt uns geistige Disziplin und Achtsamkeit

Donnerstag, Februar 12th, 2009

Im Herbst 1991 reiste Swamiji nach Indien. Ich hatte gerade damit begonnen, ihm während der Nächte beizustehen, also reiste ich mit. Zu dieser Zeit war Swamiji noch immer sehr kräftig, obwohl er sich oft nicht wohl fühlte. Er benutzte seine ganze Energie, um uns geistige Disziplin und Achtsamkeit bei unseren Handlungen beizubringen.

Auf dieser Reise wurde mir die Verantwortung für einen Teil des Geldes übertragen, das wir für die Reise brauchten. Ich verstaute das Geld in meiner Geldbörse, die ich um die Taille trug, den Rest legte ich in einen kleinen Rucksack, den ich überallhin mitnahm. Swamiji hatte mich mehrfach gewarnt, „Wenn Du den Rucksack verlierst, schicke ich Dich zurück nach Kanada.“ Ich sagte sehr selbstsicher, „Nein, Swamiji, ich verliere ihn bestimmt nicht.“

So wurde es auf der ganzen Reise zu meinem Sadhana, immer nach der Tasche zu schauen. Das war nicht immer eine leichte Aufgabe. Swamiji bewegte sich blitzschnell. Besonders die Augenblicke, wo wir von einem Platz wegfuhren oder irgendwo ankamen, bedurften spezieller Aufmerksamkeit. Swamiji mußte von seinem Rollstuhl auf den Rücksitz des Autos gehoben werden. Seit dem Schlaganfall konnte Swamiji nur noch die rechte Seite seines Körpers benutzen. Es ist also unnötig zu sagen, daß diese Aktion volle Aufmerksamkeit verlangte, um eine Verletzung Swamijis zu vermeiden und es ihm so angenehm wie möglich zu machen. Da ich Swamiji jedesmal sehr nah festhielt, muße ich die Tasche von meinem Rücken nehmen. Sehr oft, wenn ich meine Arme fest um seinen Rücken nahm und dabei auf seine linke Hand aufpaßte, so daß sie nicht irgendwo anschlug, auf seinen Kopf achtete und ihm half, sich umzudrehen und sich zu setzen, sagte Swamiji urplötzlich zu mir, „Wo ist Deine Tasche? Paß auf Deine Tasche auf!“ Ich antwortete, „Ja, Swamiji, sie ist dort bei dieser Person.“

Eines Tages in Gangotri saß Swamiji auf seinem Lieblingsplatz außerhalb seiner Höhle und betrachtete den Fluß. Ich hatte frei und aß auf der Felsplattform, die einige Meter unterhalb der Höhle war, zu Abend. Plötzlich hörte ich, wie Swamiji meinen Namen rief. Ich sprang auf meine Füße, rannte hoch zu ihm und fragte, „Ja, Swamiji?“ Er sah mich an und sagte, „Atmaram, wo ist Deine Tasche?“ Ich war bestürzt. Meine Tasche war direkt neben mir, als ich gegessen hatte, aber als Swamiji mich rief, war ich hierhergestürzt und hatte sie zurückgelassen. Ich erkannte, daß Swamiji mir zeigen wollte, daß mein Geist zu jeder Zeit abgelenkt werden konnte.

Swami Atmaramananda

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Der Menschheit dienen heißt dem Guru dienen.

Dienstag, Februar 10th, 2009

Karma Yoga zu praktizieren bedeutete, daß Du Dich auch dem Guru ergeben mußtest, da er Dich oft mit Dingen beauftragte, die Du normalerweise nicht tun wolltest oder die Dir keinen Spaß machten. Nachdem ich sechs Monate im Yoga Camp in Val Morin gearbeitet hatte, wurde ich ins Zentrum nach London geschickt. An dem Tag vor meiner Abreise gab es einen wunderschönen langen Satsang und ich war ein wenig traurig darüber, daß ich Swamiji nicht mehr sehen sollte. Swamiji war sehr krank und zog sich mehr und mehr zurück. Zu dieser Zeit wurden Mitarbeiter gesucht, die sich um ihm kümmern sollten. Ich wollte Swamiji vorschlagen, in Kanada zu bleiben und ihm zu dienen. Nach dem Satsang zögerte ich, ihn zu fragen, da so viele Menschen um ihn herum standen. Ich rief laut „Swamiji“, aber niemand hörte mich. Ich war sogar etwas eifersüchtig auf all die Swamis und die Menschen um ihn herum, da niemand sonst sich ihm nähern konnte. Der Rollstuhl wurde bereits Richtung Ausgang geschoben. Gerade als ich Gefühl hatte, ein Niemand und ein Nichts zu sein, und daß es für mich nicht möglich war, Swamiji auch nur eine einzige Frage zu stellen, beauftragte er Swami Kartikeyanda, seinen Rollstuhl Richtung Halle zu drehen und fragte: „Was will Sadasiva?“ Mein ganzer Körper erzitterte für einen Moment. „Er spricht zu mir!“ dachte ich. Dann fragte ich, „Kann ich bei Ihnen bleiben und Ihnen dienen?“ Swamiji antwortete sanft, aber bestimmt, „Indem Du der Menschheit dienst, dienst Du mir!“

Swami Sadasivananda

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Mystisches Verständnis der Dinge

Sonntag, Februar 8th, 2009

Irgendwann um 1985 herum, nachdem ich eine Yogalehrerausbildung absolviert hatte, hielt ich mich in Grass Valley in Kalifornien auf, wo Swamiji einen Workshop gab. Ich hatte früher öfters mit ihm in einigen rechtlichen Angelegenheiten für die Organisation zusammen gearbeitet, so daß er mich ein wenig kannte. Er sagte gewöhnlich, daß Juristen eins der merkwürdigsten Karmas zu bearbeiten hätten. Ich denke, er schenkte mir ein wenig besondere Aufmerksamkeit, gerade weil ich ein Jurist war. Er wußte, daß ich versuchte, ein spirituelleres Leben zu führen, obwohl ich zur selben Zeit durch die Jauchegrube von Lügen usw. ging, was Juristen notwendigerweise in ihrem Beruf tun müssen. Er hatte wirklich mystisches Wissen darüber, wie merkwürdig es für einen Rechtsanwalt in jeglichem spirituellem Kontext ist.
Während des Kurses im Workshop auf der Farm nahm er mich zur Seite, um sich mit mir und dem Leiter der Farm zu treffen und über die Farm bezüglich des Grundbesitzrechtes zu sprechen. Das Haupthaus mit 1600 m² Land und die 800 m² Land, auf der Swamijis Haus und der Durgatempel standen, waren durch das 800 m² große Land des Nachbarn voneinander getrennt. Über Jahre hinweg waren die Schüler über das Land des Nachbarn marschiert. Es gab sogar einen Trampelpfad.
Swamiji beauftragte mich, den Durchgang der Schüler rechtlich für die Organisation zu schützen, da sie es über 10 Jahre hinweg ohne Protest oder Behinderung getan hätten. Als ich ihm sagte, daß das nicht möglich sei, ohne die Rechte formell vom Besitzer zu erwerben und dies offiziell in der Kreisstadt protokollieren zu lassen, entgegnete er mir, daß das falsch sei und ich mich darum kümmern sollte. Ich würde nie mit Swamiji diskutieren, aber ich wußte, daß ich Recht hatte.
Meine Nachforschungen, die sich auf bisher unbekannte Fälle in Kalifornien bezogen, ergaben genau, daß Swamiji doch richtig lag. Er hatte grundsätzlich Recht und ich war im Unrecht. In dieser Art Grundstückslast verlangte das Gesetz die Zahlung einer Steuer für die letzten fünf Jahre und einen Zivilprozeß, um diese Rechte als eine offizielle Angelegenheit niederzulegen.
Ich schickte Swamiji einen Bericht über meine Resultate, in dem ich die Meinung vertrat, daß es nicht ratsam sei, diese Grundstückslast einzuklagen, da dies zu Spannungen zwischen den Einheimischen von Grass Valley und der Farm führen könnte. Swamiji schickte mir die Nachricht zurück, daß er mit mir hundertprozent übereinstimme. Nach diesem Ereignis hatte ich das Gefühl, daß Swamiji mir und meinem Rat in allen unseren Angelegenheiten vollkommen vertraute. Irgendwie hatte ich mir seinen Respekt verdient. Und seit diesem Ereignis wußte ich, daß Swamiji wirklich ein höheres Wissen besaß, ein außergewöhnlich mystisches Verständnis der Dinge, die wir Sterblichen nie ganz erfassen konnten. Wie sonst konnte ein spiritueller Mann aus Indien solch ein spezifisches Wissen über Grundstückslasten in Kalifornien haben?

Larry Allman
Los Angeles, CA

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Der Wert selbstlosen Dienens

Mittwoch, Februar 4th, 2009

Swamiji legte immer größten Wert auf selbstlosen Dienst. Er sagte, daß es nicht genug sei, den ganzen Tag nur zu meditieren und Asanas zu praktizieren, man sollte andere Dinge tun, um die Zeit sinnvoll zu füllen. Er erzählte oft die Geschichte, wie er Sivanandas Ashram verlassen hatte, um am Ganges zu sitzen und in der Wildnis zu meditieren. Nach einigen Tagen intensiver Meditation wurde er ruhelos. Er konnte nicht mehr den ganzen Tag meditieren, und es endete damit, daß er Stunden damit zubrachte, Steine übers Wasser hüpfen zu lassen, nur um die Zeit zu füllen. Er realisierte schnell, daß er etwas Nützliches mit seiner Zeit tun sollte und kehrte zum Ashram und dem Leben des aktiven Dienstes zurück. Wie sein Guru vor ihm, machte Swamiji selbstlosen Dienst zu einem der Grundsteine seiner Lehre.
Jeder konnte Dienst leisten, überall und jederzeit. Es gibt unzählige Möglichkeiten, anderen zu dienen. Nicht nur die Tat an sich war wichtig, sondern auch der Zustand des Geistes bei der Umsetzung der Tat war von Bedeutung. Du mußt lernen, anderen ohne die Erwartung eines Lohns zu dienen, ohne den Wunsch nach den Früchten Deiner Taten. Mache einfach die Arbeit so gut, wie es Dir möglich ist und in dem Gefühl, daß jede Tat eine Tat der Verehrung ist.
Swamiji wollte oft, daß man etwas tat, was einem oberflächlich betrachtet als eine schlechte Idee erschien, jedenfalls vom unserem begrenzten Standpunkt aus gesehen. Es war das Beste, nicht zu diskutieren, er hatte immer seine Gründe, die sehr viel wichtiger als unsere waren.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Lernen durch Dienen

Montag, Februar 2nd, 2009

LERNEN DURCH DIENEN

Swamijis Guru, Swami Sivananda, legte großen Wert auf Karma Yoga, den Yoga des selbstlosen Dienstes für die Menschheit. Er lehrte, daß das der beste Weg war, das Herz zu besänftigen und die negativen Eigenschaften zu beseitigen. Swamijis gab viele wichtige Lehrstunden, indem er zeigte, wie Sivananda Karma Yoga nutzte, um den Menschen bei ihrem spirituellen Wachstum zu helfen.

Eine Frau aus Bombay schrieb dem Meister folgenden Brief: „Ich möchte eine Wohltätigkeitsveranstaltung organisieren, einen besonderen indischen Tanz, um Geld für den Sivananda Ashram zu sammeln, dem Ashram des Meisters in Rishikesh. Soll ich das Programm so durchführen, Geld in Bombay sammeln und es Ihnen dann schicken? Ich möchte Ihren Segen, Ihren Rat und Ihre Erlaubnis.“
Der Meister bekam den Brief, schaute ihn an und rief mir zu, „Swamiji Vishnu, hole Swamiji Param hierher.“
Swamiji Param war der Seniorschüler, der erste Swami, der zum Meister kam, als er noch in SwargAshram seine erste Buße tat.
Wir riefen Paramanandaji aus einem Büro herbei. Der Meister überreichte ihm den Brief. „Paramamandaji, bitte beantworte diesen Brief. Es geht um eine Wohltätigkeitsveranstaltung.“
Swami Paramanandaji war ein bißchen einer dieser geschäftstüchtigen Swamis. Der Meister hatte keine Ahnung davon, wer gut war in geschäftlichen Angelegenheiten, wer geschickt war, wem man vertrauen konnte usw. Also gab er den Brief Paramanandaji, der ihn einfach kurz anschaute, er kannte diese Dame sehr gut. Sie war nicht wirklich eine Person, der man vertrauen konnte. Sie sammelte vielleicht Geld im Namen des Meisters, ohne es ihm zu schicken oder sie schickte nur ein wenig und behielt den Rest. Man wußte nicht wirklich, was sie tun würde. Also, was sollte er tun? Sie war mehrere Male im Ashram gewesen und der Meister wußte, daß Paramanandaji sie nicht leiden konnte.
Seht Ihr die Schönheit des Meisters? Er wußte, daß Paramanandaji diese Dame nicht mochte. Also gab er ihm ihren Brief. Es gab so viele andere Swamis, denen er den Brief hätte geben können, aber er gab ihm keinem anderen. Er rief Paramanandaji und sagte zu ihm, „Du beantwortest den Brief.“ Und das wars. Er sagte nichts weiter.
Paramanandaji nahm diesen und andere Briefe und ging in sein Büro, um sie zu lesen. Er beantwortete den Brief mit folgenden Worten, „Mein Segen ist Ihnen gewiß, machen Sie weiter und organisieren Sie diese Veranstaltung.“ Aber er wußte, daß sie eventuell nicht ehrlich mit unserem Ashram umgehen würde. Also sollte er nicht zustimmen. Angenommen er hätte abgelehnt, angenommen er hätte gesagt, „Bitte sagen Sie das Programm ab. Machen Sie es nicht, es ist zu diesem Zeitpunkt nicht nötig.“ Aber wenn er das geschrieben hätte, dann hätte der Meister denken können, daß er sie nicht leiden kann. Also, was sollte er tun? Er war in einem Dilemma, wenn er zustimmte, wäre es schlecht, wenn er ablehnte, wäre es auch schlecht.
Also schreib er zwei kleine Karten. Auf der einen stand, „Mein Segen ist mit Ihnen, bitte machen Sie weiter.“ Auf der anderen stand, „Ich glaube nicht, es ist nicht die richtige Zeit.“ Er tippte beide Karten- eine Karte mit Ja und eine mit Nein- und brachte sie dem Meister zur Unterschrift. Er legte sie auf seinem Schreibtisch, damit dieser auswählen konnte, welche er haben wollte. Auf diese Weise würde er nicht getadelt werden.
Also was tat der Meister? Er sah Paramanandaji und betrachtete beide Karten. Er nahm seinen Stift, unterschrieb beide Karten, gab sie Paramanandaji zurück und fragte, „Willst Du beide Karten abschicken?“
Das ist der Weg, wie der Meister seine Schüler prüft und ihre Reaktionen testet. Jeder von uns hat verschiedene Temperamente und Denkweisen, verschiedene spirituelle Entwicklungen und Stärken. Es sind nicht alle gleich, wenn sie zum Meister kommen. Und der Meister muß sich um sie kümmern. Das Leben war nicht leicht. Nun kann ich zurückblicken und sehen. Zu dieser Zeit konnte ich nicht erkennen, wieviel Kampf und Ärger er zu überstehen hatte, weil ich nur ein Jugendlicher war. Die meisten Menschen dort, so wie Paramanandaji usw. waren erwachsen und der Meister mußte sich auf alle diese Arten von Schülern einstellen, sich auseinandersetzen und sich anpassen. Das war keine leichte Sache. Heute kann ich das sehen, damals nicht. Nun habe ich mich selbst diesen Problemen zu stellen.

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Joan Dobbie berichtet über ihre Mantraeinweihung

Samstag, Januar 31st, 2009

Morgen würde Swami Vishnu 50 Jahre alt werden. Es war ein großes Fest und ein Dinner geplant. Heute wollte er Mantras verteilen und ich sollte meins bekommen. Wir standen zitternd in einer langen Schlange, knietief im Schnee. Wir fasteten seit dem vorigen Tag. Ich war hungrig, mir war kalt und ich war nörgelig. Die meisten hielten Früchte in den Händen, Geschenke für Swamiji, aber ich hatte nur eine kleine Plastiktüte mit klumpigen Keksen, die meine Kinder gebacken hatten. Ich wollte ihm ein bedeutungsvolles Geschenk geben, ein Geschenk, das von Herzen kam. Und ich vermißte meine Kinder. Phil, mein Lebenspartner und Yogalehrer, stand mit mir in der Schlange. Er erzählte mir, wie wunderbar es sein würde, wenn ich mein Mantra bekäme und daß etwas Magisches geschehen würde. Wie erhaben ich mich fühlen würde, wie glücklich. Ich war immer zur Hälfte Zynikerin und zur Hälfte Gläubige gewesen. Eine Hälfte von mir glaubte, daß dieser ganze Mantrakram lächerlich war. Die andere Hälfte war aufgeregt, hoffnungsvoll und ein bißchen ängstlich. Phil zeigte mir eine Liste von Mantras in einer Yogabroschüre. Es gab ein bestimmtes Mantra, das mich anzog, aber Phil meinte, ein anderes sei besser. Ich wußte nicht, welches ich wählen sollte. Die Schlange wurde kleiner und kleiner, und ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Dann war ich alleine mit Swamiji. Er fragte mich, für welches Mantra ich mich entschieden hätte. Ich sagte es ihm. Er gab mir ein Zeichen, mich hinzuknien. Er wiederholte das Mantra, legte seine Hände auf meinen Kopf und das Mantra wurde lebendig, setzte sich in mein Herz und begann, für sich selbst zu sprechen. Der Klang machte mich ganz krank. Ich drückte ihm die Kekse in die Hand und schwankte aus dem Raum, mir war übel und schwindlig. „Wie war es?“ fragte Phil und lächelte sein weites, einladenes Lächeln. Ich konnte noch nicht einmal antworten. An diesem Abend konnte ich nicht essen. Ich konnte nicht mit Phil die Nacht verbringen. Die ganze Nacht kauerte ich im Baderaum, ich schluchzte und mußte mich übergeben. Das Mantra war wie eine Krankheit, wie eine unerwartete Schwangerschaft. Es hatte sich in meiner Brust festgesetzt., ein fetter, schwarzer Klumpen in meinem Herzen und es hörte nicht auf, für sich selbst zu sprechen. Der Morgen kam, Silvestertag, und dann der Zeitpunkt für Swamijis Geburtstagsfest. Der Speisesaal war voll mit Menschen aus der ganzen Welt, die in allen Sprachen dieser Welt lächelten. Wir knieten oder saßen auf Kissen am dem überaus langen Essenstisch. Swamiji saß am Kopfende des Tisches, alle lächelten. Nur ich lächelte nicht. Mir war so schlecht, daß ich kaum atmen konnte. Ich konnte noch nicht einmal mein Essen probieren. Dann war es so, als würde ich mir selber zuschauen, wie ich aufstand, den Tisch entlang taumelte, über die Arme der Menschen, über ihre Köpfe, ihre Kinder hinweg, „Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung..“ Bis ich am Kopfende neben Swamiji angelangt war. „Bitte,“ flehte ich, „Ich muß Sie sehen.“ Er sagte mir, ich solle gegen zwei Uhr in sein Häuschen kommen. Um zwei Uhr war ich dort. Er hatte noch andere Gäste, eine Familie aus Indien, Mutter, Vater und Sohn. Ich erinnere mich an folgendes: Als ich zu Swamijis Tür kam, sagte er zu dem Jungen, daß sein Name auf Sanskrit „Unterscheidungsvermögen“ hieße und daß das ein sehr bedeutender Name sei. Er sollte über seine Bedeutung nachdenken. Als er sprach, ging Swamiji im Raum herum und servierte von einem kleinen Tablett die Kekse, die meine Kinder gebacken hatten. Die Gäste aßen die Kekse und sagten ihm, wie gut sie seien. Dann gingen die Gäste und ich war allein mit ihm. „Und?“, fragte er mich. „Es ist das Mantra,“ stammelte ich. „Ich habe das falsche Mantra ausgesucht. Bitte, ich brauche ein neues Mantra.“ Swamiji lachte in sich hinein. „Du brauchst kein neues Mantra,“ sagte er. „Das Mantra hat kein Problem. Du hast ein Problem. Komm hierher.“ Also kam ich näher und er ließ mich vor sich niederknien. Dann murmelte er einige Worte in Sanskrit und legte seine Hände auf meinen Kopf. Als er das tat, gingen durch meinen Körper kraftvolle Wellen, durch mein ganzes Sein. Als ich aufstand, war mir schwindlig vor Glück. Eigentlich hatte sich nichts verändert. Das Mantra war noch da, stärker als jemals zuvor. Es wiederholte und wiederholte sich in meinem Herzen, aber anstatt wie ein Parasit fühlte es sich warm an, wie Liebe, die in mir pulsierte. Später traf ich Phil auf dem Weg zum Krishnatempel und zeigte ihm ein riesiges Lächeln. „Siehst Du?“ sagte er zu mir. Das Mantra hörte nie auf und verließ mich nie. Heute, fünfzehn Jahre später, fast ein Jahrzehnt, seitdem ich Phil das letzte Mal gesehen hatte, fünf Jahre nach dem Tod meines Vaters, ein Jahr nach dem Wegggang meines jüngsten Kindes, sechs Monate nach dem Tod Swamijis, ist es das Einzige, worauf ich mich verlassen kann. Joan Dobbie Eugene, Oregon Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Swamiji lehrt Menschen, selbst gesetzte Grenzen zu überschreiten

Sonntag, Januar 25th, 2009

Viele Menschen, die Swamiji trafen, konnten klarer erkennen, wie ihr Geist arbeitete. Aufgrund des Verständnisses, das dieses Wissen ihnen gab, konnten sie wachsen und ihr Leben etwas „himmlischer“ gestalten.

Ich traf Swamiji das erste Mal 1986 bei der Yogalehrerausbildung in Vigo in Spanien. Ein kleiner, dynamischer, lustiger und gütiger Mann, er machte schnell einen sehr starken Eindruck auf mich. Wenn ich zurückblicke, erkenne ich, daß ich sehr froh sein kann, Swamiji aus erster Hand als meinen Lehrer erfahren zu haben. Er war sehr intensiv und fordernd. Er trieb uns an und redete uns gut zu und ließ uns bis spät in die Nacht aufbleiben, um seine Botschaft an uns weiterzugeben. Ich glaube, sein Hauptanliegen war, uns aufzuwecken, so daß wir unser wahres Selbst und unsere Verantwortung im Leben erkennen.
Eine seiner besten Lektionen, die ich lernte, war meine selbst gesetzten Grenzen zu überschreiten. Oft trieb uns Swamiji bis an unsere Grenzen und darüber hinaus. Das brachte unglaublichen Widerstand in mir auf, da ich es hasse, vorangetrieben und gedrängt zu werden. Aber indem ich diese negativen Gefühle hinter mir ließ und mich einfach auf die Dinge einließ, die ich für mich herausfand, konnte ich mehr erreichen, als ich mir jemals erträumt hatte. Die Macht der positiven (und negativen!) Gedanken wurde sehr klar.

Shanti
Vancouver, British Columbia

Swamiji lehrte mich während meiner fortgeschrittenen Lehrerausbildung viele Lektionen. Einmal wurde ich sehr wütend auf jemanden aus dem Kurs und war soweit, ihn richtig anzuschnauzen. Am Abend beim Satsang hatte ich eine sehr starke Vision. Ich sah und fühlte tatsächlich, daß das Licht, welches in Swamiji schien, auch in mir und in jedem anderen vorhanden war, auch in dieser anderen Person. Das war eine sehr intensive Erfahrung. Mein Ärger verschwand vollkommen und an seine Stelle trat Mitgefühl und Ehrfurcht.

Amba
Val Morin, Quebec

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Himmel oder Hölle, eine Frage des Geisteszustands

Freitag, Januar 23rd, 2009

Viele von Swamijis Geschichten erläuterten klassische Lehren aus Vedanta und Raja Yogaphilosophie. Eine der Lieblingsgeschichten war die von Himmel und Hölle. Diese Version erzählte er, als er in Südindien mit einer Anzahl Schüler auf einem Parkplatz saß und auf zwei Busse wartete. Die Busse hatten wie gewöhnlich Verspätung.

Hier auf dem Parkplatz zu sitzen ist Himmel oder Hölle, je nach Zustand des des Geistes. Wenn Dein Geist glücklich ist, kannst Du sehr bequem im Schatten eines Baumes sitzen und meditieren. Wenn Dein Geist unglücklich ist, kannst Du in einem Palast sitzen, aber das macht keinen Unterschied, alles wird Dir wertlos vorkommen. Himmel und Hölle gibt es nur im Geist. Ich werde Euch eine kleine Geschichte erzählen.
So viele Leute haben von Himmel und Hölle gehört. Sie wollten sehen, wie die Menschen dort leben. Wißt Ihr, Himmel und Hölle sind Nachbarn, nur durch eine große Wand getrennt, Himmel auf der einen und Hölle auf der anderen Seite. Also machten sich diese Leute auf die Reise.
Zuerst gingen sie in die Hölle. Alle Menschen dort aßen ihre Mahlzeit, die auf einem großen Tisch angerichtet war. Aber ihre Arme waren fest an hölzerne Löffel gebunden, so daß sie ihre Ellenbogen nicht beugen konnten. Sie mußten essen, indem sie die Nahrung in die Luft warfen, um sie dann mit dem Mund aufzufangen. Das Essen flog überall hin, ab und zu fiel ein kleiner Teil in ihre Münder.
Dann gingen die Menschen weiter auf die andere Seite der Wand, zum Himmel. Hier war alles genauso, nur daß es hier goldene Teller gab und die Arme mit langen goldenen Löffeln festgebunden waren. Allerdings konnten die Menschen ihr Essen genießen, da sie es in ihre Löffel gaben und sich gegenseitig bedienten.

Himmel und Erde sind keine Plätze über dem Himmel oder unter der Erde. Sie sind immer gerade hier, gerade jetzt. Wir machen unseren eigenen Himmel und unsere eigene Hölle durch den Zustand unseres Geistes. Es kommt auf uns an. Wir können den Geist kontrollieren und im Himmel sein, oder lassen den Geist rennen „wie ein wild gewordener Affe“, wie Swamiji zu sagen pflegte, und sind in der Hölle. Wir können nur an uns denken und uns elend fühlen oder unser Leben damit verbringen, anderen zu dienen und dabei glücklich sein. Die Gedanken gehen den Taten voraus. Wir können wählen, welchen Gedanken wir folgen wollen, welche Taten wir ausüben wollen. Wenn wir lernen, die Gedanken zu kontrollieren, nur positiven, erhabenen Gedanken nachzugehen, wird das Leben der Himmel auf Erden sein.
Einige Menschen, die mit Swamiji in Kontakt kamen, waren nicht bereit, seine Lehren anzunehmen, konnten nicht aufnehmen, was er sagte. Sie waren so in ihrer eigenen mentalen Hölle gefangen, daß er sie nicht direkt erreichen konnte. Er versuchte, allen auf gleiche Weise zu helfen.

Welchle Qualifikation braucht ein Swami?

Mittwoch, Januar 21st, 2009

Normalerweise dauert es viele Jahre, um ein Swami zu werden. In der Vergangenheit mußte man sechs oder sieben Jahre bei seinem Meister verbringen, um als Swami geweiht zu werden. Einige Meister sind sehr streng, um zu sehen, ob der Schüler die Stärke besitzt, ein Swami zu werden. Aber Meister Swami Sivananda hatte eine andere Meinung dazu. Er dachte, daß die meisten der jungen Leute, die zu ihm kamen, Sanyasin samskaras hatten, also Eindrücke aus früheren Leben als Swamis, aber zu ängstlich für die nächsten Schritten waren, da sie dachten, die nötige Stärke nicht zu besitzen.
Eigentlich ist niemand perfekt genug, um ein reiner Swami zu werden. Es ist in einem Leben einfach nicht möglich, ein vollständig reiner Swami zu werden und jede Regel streng zu folgen. Das ist in einem Leben nicht möglich. Also dachte der Meister, daß jemand, der kein hundertprozentiger Swami werden konnte, zumindest ein zwanzig-prozentiger Swami sein konnte, das war immer noch viel besser, als gar kein Swami zu sein. So machte er es. Seine Vorstellungen waren von unseren ziemlich verschieden. Sowohl die anderen Swamis als auch die anderen Gurus waren nicht sehr begeistert. Sie beschwerten sich: „Swami Sivananda macht jedem zum Swami, und das ist nicht richtig. Man braucht besondere Qualifikationen.“
Der Meister dachte, daß es besser sei, auf einen Löwen zu zielen und ihn zu verfehlen als auf einen Schakal zu zielen und ihn zu fangen. Jeder kann einen Schakal fangen, aber um einen Löwen zu fangen, muß man sehr stark sein. Jeder sollte sich ein hohes Ziel setzen. Selbst wenn es mißglückte, war das viel besser. Das war die Vorstellung des Meisters. In einem Leben kann keiner ein hundertprozentiger Swami werden. Aber selbst zwanzig Prozent ist etwas in diesem Leben, im nächsten sind es vielleicht noch weitere vierzig, dann sechzig, so daß er immer näher kommt, nicht wahr?

Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna

Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.

Madalasa berichtet über Swami Devananda oder “Erkenne dich!”

Sonntag, Januar 18th, 2009

Swamiji versuchte ständig, uns dazu zu bringen, hinter unsere begrenzte Sicht von uns und der Welt zu sehen. Er öffnete unseren Geist, manchmal hitzig, manchmal sanft, immer mit großer Liebe. Egal wie groß unser Widerstand war, er half uns bei kleinen Veränderungen und brachte uns dazu, unsere Vorstellungen darüber loszulassen, wie die Dinge waren oder sein sollten und unser wahres Selbst zu erkennen.

Wenn Swamiji sprach, lauschte ich normalerweise hingerissen, da er den Worten die wahre Wahrheit gab, etwas, was ich hören wollte, aber über die nie jemand gesprochen hatte. Swamiji hatte ein jedoch ein Thema, was mich irgendwie beunruhigte. Manchmal sprach er über die verschiedenen Rollen von Männern und Frauen in der Gesellschaft. Er sah diese Rollen psychologisch festgelegt und führte das Unglück in vielen Familien auf die Versuche zurück, diese „natürlichen“ Rollen zu mißachten. Ich fühlte, daß er hier aus einer kulturell konditionierten Perspektive sprach und nicht aus der Perspektive der universellen Wahrheit. Ich konfrontierte ihn nie damit. Die Menschen diskutierten normalerweise nicht mit Swamiji.
Eines Tages während eines Vortrages kam Swamiji wieder auf diese Thema zu sprechen. Während seine Worte über alle anderen Objekte ein Gefühl der Freude in mir auslösten, bemerkte ich, wie in mir wieder heftiger Ärger aufstieg, als er seine Sicht der grundsätzlichen verschiedenen Verhaltensweisen von Männern und Frauen darstellte. Bevor ich noch darüber nachdenken konnte, platzte ich heraus, daß ich ihm hier nicht zustimmen konnte, obwohl ich doch sonst die Aufrichtigkeit und die Wahrheit in seinen Worten sah. Ich vesuchte, die kulturellen Perpektiven, historischen Ursachen usw. darzustellen, aber Swamiji unterbrach mich sofort.
„Madalasa“, brüllte er, „Bist Du eine Jüdin oder eine Christin?“ Ich war unbeherrscht, versuchte aber, achtsam zu antworten. „Na ja, beides. Oder keins. Ich wurde in eine jüdische Familie geboren und auch in dieser Religion erzogen, aber später lernte ich die Wahrheit der Lehre Jesus und seine Herrlichkeit kennen. Allerdings kann ich auch in anderen Religionen die gleiche Wahrheit erkennen, so daß ich mich nicht speziell als Jüdin oder Christin fühle.“
Swamiji nickte schroff. Er wußte das bereits über mich. Er fragte mich sofort weiter, immer noch recht laut, „Bist Du Amerikanerin oder Kanadierin?“
„Swamiji, ich bin in Amerika geboren, aber ich bin vor über zehn Jahren nach Kanada gezogen und habe die kanadische Staatsbürgerschaft. Ich bin keine sehr politische oder patriotische Person und ich fühle mich weder wie ein Amerikanerin oder Kanadierin, eher wie eine Art Weltbürgerin.“
Wieder nickte er schroff und fragte weiter, “Bist Du ein Mann oder eine Frau?“
Diese Frage brauchte keine Überlegung. Sofort antwortete ich, „Na ja, Swamiji, natürlich bin ich eine Frau.“
Er sagte nichts, setzte sich nur zurück mit einem großen Lächeln und wartete darauf, daß meine eigene Dummheit mir auffallen würde. Ich war mir durch seine Stille und seinem Ausdruck darüber bewußt, daß ich gerade in eine monumentale Falle geraten war, aber ich konnte sie nicht sehen. Ich war einfach verwirrt.
Nach einem Moment der Stille tadelte er mich, „Du identifizierst Dich nicht mit Deiner Rasse, Deiner Religion oder Deiner Nationalität. Du weißt, dass das Zufälle der Geburt sind. Du identifizierst Dich mit dem unsterblichen Selbst, welches unveränderbar bleibt. Wenn ich also Witze über Juden oder Hindus, über katholische Priester oder amerikanische Präsidenten mache, bist Du nie erzürnt, (das stimmte, musste ich zugeben.) Aber immer wenn es um Männer und Frauen geht, zeigst Du eine heftige emotionale Reaktion und verlierst jede Urteilfähigkeit. Du kannst nicht zuhören. Und zwar, weil Du Dich mit dieser Rolle identifizierst. Du bist keine Frau, genauso wenig wie Du eine Jüdin, eine Buddhistin, eine Deutsche oder eine Kanadierin bist. Auch diese Körper sind nur wie Kleider, die wir angezogen haben, um sie wieder abzulegen, wenn sie aufgetragen sind. Du warst Tausende Male sowohl eine Frau als auch ein Mann. Sei immer daran erinnert, dass Du Dich mit Deinem wahren Selbst identifizierst, dem Unsterblichen Atman, und sei nicht so schnell erzürnt!“

Madalasa
Ottawa, Ontario, Canada