Kanti Devi pflegt Swamiji
Montag, Mai 4th, 2009Obwohl Swami Vishnu-devananda linksseitig gelähmt war und auch ernste Probleme mit seinem rechten Bein hatte, strengte er sich sehr an, wenn es notwendig war und spiegelte auf eine gewisse Weise damit die Geschichte wider, die er über Sivananda erzählte.
Im April 1991 wurde ich gefragt, ob ich für einen Monat helfen wollte, Swamiji zu pflegen. Mein Herz war schwer, weil ich nicht wußte, in welcher Verfassung ich ihn finden würde. Ich kannte Swamiji nun seit 25 Jahren, seit meinem 15. Lebensjahr. Er war eine Mann ohne Begrenzungen, voller Liebe, Kreativität und großem Respekt für die Menschheit. Wie konnte er sich jetzt ausdrücken ohne die Fähigkeit zu sprechen, zu gehen, Asanas zu machen, zu fliegen, all seiner Bewegungsfähigkeit beraubt?
Zu meiner großen Überraschung vermißte Swamiji seinen Körper nicht. Ich war nun in der Gegenwart eines weiseren, heiligeren Swamijis – voller Anmut, Frieden und Liebe. Er machte immer Späße über seinen Zustand, sagte „Ich bin nicht dieser Körper, dieser Körper ist nicht ich.“ Ich habe ihn nicht einmal über seine Verfassung klagen hören. Er betete und meditierte mehr als vorher und niemals, auch nicht für einen Moment, ließ er davon ab, zu dienen und sich in alles miteinzubeziehen, was um ihn herum geschah.
Wenn ich meiner Nachtschicht allein war, hatte ich Angst einzuschlafen, seine undeutliche Sprache nicht zu verstehen oder nicht zu wissen, was ich tun sollte. Es war ein wenig so, als würde man sich um ein Baby kümmern. Ich kannte mich aus mit Babies, aber ich hatte mich niemals um einen kranken Swamiji gekümmert, sondern er sich um mich.
Eines Tages zog ein dicker Nebel auf, so daß die Sicht praktisch gleich null war. Swamiji wollte trotzdem zu seiner üblichen nächtlichen Fahrt aufbrechen. Ich rief das Hauptbüro und Hanuman an (ein Schüler, der neben dem Ashram wohnte und der oft bei Swamiji aushalf), doch niemand nahm den Hörer ab. Ich ging zu Swamiji und erklärte ihm sanft, daß die Mitarbeiter sehr müde seien und daß es ziemlich gefährlich sei, bei diesem Wetter hinauszugehen. Swamiji sagte OK.
Zehn Minuten später bat er wiederum um eine Autofahrt. Ich rief wieder jeden an, mit dem gleichen Erfolg. Diesmal sagte Swamiji, „Ok, dann lasse mir ein Bad ein.“ Das würde für mich auch sehr problematisch werden. Swamiji war in der unteren Etage. Ich wußte, daß es für mich allein unmöglich war, ihn die Treppen hinauf ins Bad zu bringen.
Trotzdem sagte ich, „Ja, Swamiji.“ Ich ging nach oben, bereitete das Bad, und als alles fertig war, bat Swamiji mich, Swami Kartikeyananda zu wecken. Ich ging zu ihrem Zimmer und bat sie um Hilfe bei Swamiji. Sie war zu müde, um mir überhaupt zu antworten, geschweige denn aufzustehen.
Das war das erste Mal, daß ich mich nicht beeilte, Swamijis Bitte zu erfüllen. Aber ich konnte ihm diese Bitte auch nicht abschlagen, also gab ich mir einen Ruck. Er nahm meinen Arm und sehr langsam gingen wir Richtung Treppe. Ich betete inständig, daß es klappen würde. Swamiji bemühte sich gewaltig, seine Beine zu bewegen, aber er konnte es nicht und bat mich um Unterstützung. Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, aber endlich erreichten wir das Bad oben an der Treppe. Er lag für eine sehr lange Zeit in der Badewanne.
Kanti Devi
Montevideo, Uruguay
Aus: “The Yogi”, Biography of Swami Vishnu Devananda von Gopala Krishna
Informationen über die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gibt es hier.