Archive for the ‘Allgemeines’ Category

Gibt es Seminare in der Psychologischen Yogatherapie?

Sonntag, Januar 22nd, 2012

Gibt es Seminare in der Psychologischen Yogatherapie?

Interview von Renate Witt mit Maik Zessin, Psychologische Yogatherapie im Hause Yoga Vidya in Bad Meinberg, über die Seminare in der Psychologischen Yogatherapie und den Unterschied zwischen Einzelberatung und Seminarbesuch. Die Psychologische Yogatherapie befindet sich im Seminarhaus Shanti. Wir freuen uns, Dich bei einem Seminar in unseren schönen Räumen begrüssen zu dürfen.

Vertrauen und Enttäuschungen

Samstag, Januar 21st, 2012

Es klang in einer der Fragen an, dass man so ein Urvertrauen hat, das erschüttert wird. Erschüttert kann ein Vertrauen werden durch irgendwelche Enttäuschungen. Also, man kann enttäuscht werden von Menschen, man kann auch enttäuscht werden vom Schicksal. Man kann enttäuscht werden auch von sich selbst. Irgendwo, man spürt im Inneren, „das muss ich unbedingt machen“, man vertraut der Intuition und dann – funktioniert es immer, geht es immer gut, wenn ihr eurer Intuition vertraut? Also, meine Erfahrung sagt, nein, mindestens äußerlich betrachtet. Ich habe schon Dinge gehabt, wo ich irgendwann einen Ashram gesucht hatte, da war irgendwo ein Gebäude und ich habe gespürt, das ist es, ganz sicher. Ich habe die Nacht geträumt, dass Krishna dort war mit der Flöte und es war ganz wunderschön. Ich habe dort Licht gesehen und als ich das nächste Mal hinkam habe ich dort Naturwesen, Engelswesen gesehen und habe irgendwo Leute gesehen, Jaya Ganesha singend und alles und habe gedacht, ja, das ist es sicher. Das war es nachher nicht. Gut, es war dann auch nicht so tragisch, aber irgendwo ein paar tausend Euro haben wir schon verloren in all dem, was wir dann in die Wege geleitet haben, um das dann machbar zu machen. Aber von einer anderen Warte her war es gut. Warum? Das war wie die Generalprobe für hier. Wir haben dort den vollen Ablaufplan gehabt, wie man einen Ashram bezieht, wie man dort hingeht, wie man ein Team aufstellt, eine Broschüre dafür gemacht – das war alles schon fertig, alles da, Verträge unterzeichnet, war alles schon da und dann ging es im letzten Moment schief. Ich war schon ein bisschen enttäuscht und habe auch mit Sivananda gehadert und mit Krishna. Wie die mir so etwas zeigen können und dann – ist doch eine Unverschämtheit, oder? Sie geben mir die klare Intuition, dass es sein soll, und ich verkünde das auch noch, ich habe mich öffentlich blamiert. Wie können die so etwas machen? Und es gab da schon so ein paar, die dann an Sukadev gezweifelt haben. „Der hat irgendwo erzählt, was er so alles gesehen hat.“ Aber auf der andern Seite eben, es war gut, wir hätten diesen Ashram nicht so gut beziehen können vor über sieben Jahren, wenn wir das vorher nicht alles schon so weit mindestens planerisch durchgezogen hätten. Und als wir hier rein sind war alles keine größere Angelegenheit mehr, wir wussten ja schon, wie alles geht und die Pläne waren alle da. Wir wussten auch, was alles schiefgeht und waren darauf gefasst in jedem Moment, es kann noch etwas schiefgehen. Und ich war immer erstaunt, wie einfach es dann letztlich gegangen ist. Ich habe gedacht, jetzt geht noch irgendwas schief. Irgendwas in dem Vertrag stimmt noch nicht.

Und jetzt möchte ich euch noch bitten, eine kleine Übung zu machen. Mal zu gucken, wo ihr irgendwann mal eine Enttäuschung hattet, die euer Vertrauen erschüttert hat. Nehmt vielleicht nicht die schlimmste Sache, sondern nehmt, weil es nur zehn Minuten sind… Und vielleicht auch nicht etwas, was so kurz zurückliegt, sondern nehmt etwas, was ein bisschen länger zurückliegt und was vielleicht nicht ganz so tragisch war. Ich sage, vielleicht, wenn ihr was anderes nehmen wollt, was ganz tragisch war und vor kurzem war, könnt ihr auch. Aber dann könnt ihr überlegen: Und was ist Gutes darauf erwachsen? Im Sinne von, was habt ihr gelernt? Welche Fähigkeiten habt ihr bekommen? Und wie hat es euch oder anderen weitergeholfen? Für viele ist es gut, wenn ihr das schriftlich macht und wer will, kann auch noch ein paar Blätter nehmen. Für andere kann es hilfreich sein, wenn ihr das einfach überlegt und darüber nachdenkt. Also, hier sind Blätter und Stifte. Dann könnt ihr noch eine zweite, eher zukunftsorientierte, Aufgabe machen, wo ihr auch ein paar Minuten überlegen könnt, so irgendwo, welche Aufgabe vielleicht jetzt in naher Zukunft auf euch zukommt oder in der ihr gerade jetzt steckt. Dann könnt ihr überlegen: „Welche Fähigkeiten habe ich, die ich dabei einsetzen kann oder die dabei entwickelt und gefordert werden?“ Vielleicht auch Fragen: „Wenn es gut ausgeht, was habe ich gelernt?“ Und vielleicht etwas unangenehmer, aber dennoch hilfreich: „Wenn es schiefgeht - was auch immer ihr darunter verstehen wollt - was habe ich gelernt?“ Wobei ich dazusagen muss, angenommen, ihr habt bedingungsloses Bhakti, dann gibt es das Konzept des Schiefgehens nicht. Dann braucht ihr euch diese Frage nicht zu stellen. Das ist eigentlich jetzt eine neue Aufgabe, im Sinne von, in irgendeiner Situation ist man drin oder die nächsten Wochen, steht einem bevor, da kann man fragen: „Welche Fähigkeiten habe ich, um die Situation anzugehen?“ Oder: „Welche Fähigkeiten werden entwickelt dadurch, dass ich die Situation angehe? Was werde ich gelernt haben, wenn das Ganze erfolgreich abgeschlossen ist? Und was werde ich gelernt haben, wenn die Aufgabe irgendwo in einer kleineren oder größeren Katastrophe endet?“ Mit der Einschränkung, wer so ein bedingungsloses Vertrauen hat, dass er weiß, es gibt gar keine Katastrophen, es gibt sowieso nur den Willen Gottes, dann stellt sich die zweite Frage nicht. Aber wenn ihr eher der Raja Yogi seid, der schon auch in den Kategorien denken kann, dann ist die Sache des Lernens wieder von Relevanz. Das könnt ihr überlegen oder aufschreiben. Dann könnt ihr langsam abschließen. Das sind alles auch Überlegungen, die man auch noch später fortsetzen kann. Auch z.B. gerade die Übung davor, das waren ja jetzt zwei, also die erste von diesen beiden. Wann immer ihr irgendwo denken müsst an irgendeine schwierige Situation, die hoch kommt, oder wo ihr irgendwo was bedauert oder gegen jemanden Groll hegt, könnt ihr überlegen in diesen Terminologien, was habt ihr daraus an Fähigkeiten entwickelt, die irgendwo auch wertvoll sind. Und das zweite eben auch, wann immer ihr irgendwo eine neue Aufgabe habt, wo ihr vielleicht so ein bisschen davor Bammel habt, könnt ihr auch in dieser zweiten Kategorie denken. Und alles kann man auch mit Bhakti angehen und da habt ihr auch noch die Gelegenheit jetzt gleich eine Yogastunde mitzumachen.

- wird fortgesetzt -

Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln

Laya Yoga Tiefenentspannung

Dienstag, Januar 17th, 2012

Laya Yoga Tiefenentspannung

Laya Yoga Tiefenentspannung – für ausgedehnte Bewusstheit

Vertrauen entwickeln - Teil 5 - Urvertrauen entwickeln

Montag, Januar 16th, 2012

Hier eine etwas schwierigere Frage: „Meine Kindheit und Jugend war schlimm. Ich will nicht ins Detail gehen, aber es lag nicht am Essen. Meine Fragen: Kann ich trotzdem noch das Grundvertrauen bekommen? Ein Psychologe sagte mir, das wäre nicht möglich. Zweitens: Meine Eltern haben sich bis heute wenig geändert. Wie kann ich mich vor ihnen schützen? Sie sind sehr vorwurfsvoll und negativ mir gegenüber eingestellt. Ich mache in ihren Augen alles falsch.“

Das ist jetzt anonym gekommen und deshalb kann ich jetzt nicht genau auf diese konkrete Sache eingehen, aber es ist vermutlich etwas, was viele irgendwo betrifft. Ob es jetzt die Eltern waren oder andere. Zunächst mal die Frage mit dem Urvertrauen. Manche nehmen an, wenn die Kindheit sehr schön war, die Eltern sich um das Kind liebevoll gekümmert haben, das Kind sich auf die Eltern verlassen konnte und immer, wenn das Kind geschrien hat, waren die Eltern da und die Eltern haben eine bedingungslose Akzeptanz und Liebe zum Kind, das Kind braucht sich die Liebe nicht zu verdienen, hat irgendwo das Gefühl, egal, was es macht, die Eltern nehmen es an, dann hat man ein gewisses Urvertrauen. Das ist so eine psychologische Theorie und vermutlich ist da auch einiges dran. Aber manchmal, wenn Menschen von ihren Eltern dieses Urvertrauen kriegen und diese bedingungslose Akzeptanz. Wann wird dieses Urvertrauen erschüttert? Wenn die in die Grundschule reingehen. Vielleicht sogar schon im Kindergarten. Da ist es nicht mehr so, dass die einen alle ganz besonders annehmen, sondern da bekommt dieses Urvertrauen oft einen ganz rüden Schock. Und gerade die, die eine ganz besonders beschützte Kindheit hatten und so ein bisschen blau- oder rotäugig durch die Gegend gehen, die werden dort ganz schön gehänselt und traktiert. Dann bekommt das Urvertrauen einen ganz schönen Kick. Und ich behaupte ja schon, auf die Welt zu kommen, ist ein Verletzen des Urvertrauens. Es ist eine brutale Kränkung und Schmerzzufügung ohne Gleichen. Deshalb, Urvertrauen ist nicht so absolut zu sehen, wie man das manchmal sieht. Es ist im Gegenteil, Mensch ist eine Mischung aus Urvertrauen, Vertrauen und Angst. Oder nicht? Irgendwo gehört Angst auch dazu. Und letztlich in dieser Frage hier – bewusst oder unbewusst – steckt ja auch die Angst dahinter: „Mache ich das richtig oder mache ich das falsch?“ Und Angst verleiht Flügel und motiviert irgendwo. Sie gehört zum Leben dazu und hilft uns, uns weiterzuentwickeln. Ob wir das jetzt Angst nennen oder Unruhe. Angenommen, ihr hättet bedingungsloses Nur-Vertrauen und zwar jetzt dieses Urvertrauen im Sinne von, es geht immer alles gut, dann würde man sich auch nicht irgendwie entwickeln. Außerdem geht das nicht. Es sind nicht alle Leute immer nur freundlich. Angst kann ein Schutz sein, öfters mal zu gucken, was alles schiefgehen kann und wie kann man dem vorbeugen. Die Mischung ist mehr das Wichtige. Und deshalb ist die Frage: „Kann ich das Grundvertrauen bekommen?“ Das Grundvertrauen, ich behaupte, das Grundvertrauen ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Kann ich ein Grundvertrauen bekommen? Meine Behauptung ist durchaus, ja. Das Grundvertrauen ist aber in eine höhere Wirklichkeit. Vielleicht jemand, der diese Erfahrung hatte mit den Eltern, hat schon mal gemerkt: „Auf Menschen allein kann ich mein Vertrauen nicht setzen. Meine Eltern haben dieses Vertrauen erschüttert, missbraucht.“ Wobei ich jetzt nicht weiß, ob es so schlimm war, dass dort Missbrauchserlebnisse da waren, egal, ob mit körperlicher Gewalt oder sexueller Gewalt oder andere so Sachen gibt es viel zu viel. Oder ob es das andere war, psychische Gewalt im Sinne von: „So wie du bist, ist nicht richtig und es ist schlecht und du solltest anders sein.“ Auch das ist ja eine Form, wo das weg ist. Also, dort hat man eine wichtige Lektion gelernt: „Ganz hundertprozentig kann ich auf Menschen auch nicht bauen. Ich muss mein Vertrauen auf etwas anderes gründen.“ Dieses „etwas anderes“ kann Gott sein, eine höhere Natur, und dabei gilt es auch natürlich, sich selbst anzunehmen. Angenommen, jemand ist jetzt durch diesen Mangel an Urvertrauen eben misstrauisch geworden, überlegt ständig, „was geht schief“ und selbst wenn jemand freundlich ist, überlegt dann, „wann verlässt er mich wieder“. Und dann wird das ja oft zur selbsterfüllenden Prophezeiung, wenn man nur ausreichend jemand anderem ständig unterstellt, er mag einen nicht oder er behandelt einen nicht richtig oder wird einen bald verlassen, dann wird er es irgendwann machen. Wenn man einem Menschen ausreichend oft sagt, „du willst mich nicht“, dann irgendwann verliert er auch die Lust, dort mit dem Menschen zusammen zu sein. Also, man kann sagen, es ist eine Charaktereigenschaft. Man kann auch sagen, auch diese Charaktereigenschaften, die vielleicht in der Biographie begründet sind, sind auch nicht nur schlecht, sondern vom karmischen Standpunkt aus sind auch das Eigenschaften, die man spiritualisieren kann. Man geht vielleicht mit offeneren Augen durch die Welt. Man schaut sich Sachen genauer an. Man überlegt sich die Dinge besser. Man baut nicht auf scheinbare Sicherheiten. Und wenn man dann erkennt: „Ich bin auf diese Weise zwar ein misstrauischerer Mensch geworden, vielleicht habe ich auf diese Weise ein schwierigeres Leben, vielleicht sind meine zwischenmenschlichen Beziehungen in vielerlei Hinsicht schwieriger gewesen als bei anderen, aber dafür habe ich einiges im Leben gelernt und ich habe Fähigkeiten entwickelt, die andere nicht haben, und die durchaus auch hilfreich sind für andere Menschen in meiner Umgebung.“ Hier würde so ein bisschen Selbstakzeptanz zum Urvertrauen dazukommen. Dazu würde gehören, dass man mal überlegt: „Welche positiven Eigenschaften habe ich, auch wenn ich sie bisher als nicht so positiv erlebt habe?“ Und wenn wir das dann verstehen: „So, wie ich jetzt bin, so wie ich geworden bin, mit all meinen Ecken und Kanten, so ist es letztlich auch gut und so ist es richtig. Und deshalb kann ich so weiter fortschreiten. Und weil dem so ist, kann ich ein Vertrauen haben. So wie ich geworden bin, bin ich auch geworden wegen meiner Eltern und wegen den schlimmen Erfahrungen.“ Ich muss jetzt nicht sagen: „Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrungen gemacht habe.“ Das wäre bei vielen Erfahrungen unsinnig, das auch nur anzudeuten, aber man kann sagen: „Ja, es ist etwas, was zu mir dazu gehört, woran ich gewachsen bin, woran ich gelernt habe. Und so bin ich zu dem geworden, der ich bin und jetzt arbeite ich an mir weiter.“ Wenn ich das erkenne, dann kann ich auch ein Vertrauen haben und es wird auch künftig so sein. Wenn man sich natürlich vergleicht zu diesen anderen, es gibt ja diese Sonnenscheinkinder. Die haben immer Vertrauen in jeden und gehen immer davon aus, alles geht gut, und irgendwo, sie werden von anderen gemocht und die sehen gar nicht, wenn andere sie hintergehen und leben so ein glückliches Leben dort. Und dann bedauert man: „Ach, wäre ich doch so.“ Aber dann sollte man tiefer überlegen, will man das wirklich? Es gibt so eine Aussage von Goethe, der hat mal gesagt: „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ Das hat Goethe gesagt. Und der Goethe war ja ein manisch-depressiver. Das heißt, er hatte manische Phasen gehabt, wo er himmelhoch jauchzend, enthusiastisch, und es gab Phasen, da ist er wochenlang nicht aus dem Bett gekommen. Jetzt angenommen, man hätte Goethe Psychopharmaka zur Behandlung der manischen Depressionen gegeben, was wäre die Konsequenz gewesen? Wir hätten wahrscheinlich keinen Faust I, keinen Faust II. Und wer weiß, vielleicht war er auch ein ADS-Kind, das ist durchaus denkbar. Wie früh der von zu Hause weggelaufen ist letztlich. Wenn er dann behandelt worden wäre, dann hätten wir vielleicht noch nicht mal Prometheus gehabt: „Hier stehe ich, schaffe Menschen nach meinem Bilde. Dein nicht zu ehren, wie ich.“ Also, so ist der irgendwo aufgestanden. Zwar hat er seine Mutter über alle Maßen geliebt und gelobt – daraus nehme ich auch an, er muss Vaterkonflikte gehabt haben. Wie war es eigentlich mit dem Vater? Ich weiß es gar nicht. Aber das spielt jetzt auch nicht die große Rolle. Was ich sagen will, manchmal brauchen wir unsere biographischen Probleme, um was Gutes leisten zu können. Kennt ihr die Fernsehserie „Dr. House“? Jetzt werden manche tief enttäuscht von mir sein, denn ich schaue tatsächlich ab und zu mal fern. Und da lerne ich manchmal einiges. Da gibt es so eine Arztserie. Und das ist so ein Arzt und der ist irgendwo so halb verrückt, ist irgendwo manisch besessen von, irgendwo etwas heilen zu wollen. Er ist auch ausgesprochen unfreundlich. Er ist ein richtiger Kotzbrocken. Er hat außerdem ein Bein, das ihm ständig Schmerzen macht und das ihm ständig weh tut. Und dann hat er irgendwann ein Medikament gefunden, das kaum Nebenwirkungen hat, aber ihm den Schmerz nimmt und ihn glücklich und harmonisch macht. Und was hat er dann festgestellt? Er hat was anderes festgestellt, er hat zweimal hintereinander Fehldiagnosen gestellt. Dann hat er gewusst, damit er ein guter Arzt ist, muss er auch diese psychischen Eigenarten haben. Das, was ihn irgendwie zu einem glücklicheren Menschen machen würde, das würde ihn auch zu einem schlechteren Arzt machen. Und dann hat er gesagt, dann nimmt er kein Medikament mehr. Er nimmt es in Kauf, unglücklich zu werden und letztlich auch, seine Mitarbeiter unglücklich zu machen, die aber gerne mit ihm arbeiten, denn er ist herausfordernd. Gut, von ein oder zwei Sendungen – ich übertreibe jetzt meine Kenntnisse über Dr. House etwas. Die, die die Serie regelmäßig sehen, mögen mir verzeihen, wenn ich da vielleicht doch hypervereinfache. Aber jedenfalls diese eine Sendung fand ich dort durchaus interessant. Das soll jetzt nicht heißen, dass wir uns bemühen sollten, unglücklich zu sein. Wir wollen ja im Yoga auch glücklich sein. Dennoch können wir sagen, manches, was uns unglücklich macht, ist aber etwas, was Fähigkeiten in uns entwickelt, die gut sind. Und wenn wir das verstehen, dann können wir vielleicht auch gerade mit Eltern umgehen oder anderen, die uns schlimme Erfahrungen gegeben haben. Oder ein Beispiel, das ich mal erlebt hatte: Durchaus schon zu Yoga Vidya Zeiten, da hatte ich irgendwann einen Büroleiter gehabt, in den ich viel Vertrauen hatte und da kam heraus, dass der geklaut und betrogen hatte. Und dem bin ich bis heute dankbar. Warum? Ich weiß, dass es sowas gibt. Und ich hatte vorher so ein bisschen die Illusion, ich kann Menschen so ein bisschen ansehen, ob sie unwahrhaftig sind oder nicht. Ich wusste zwar, der ist irgendwo unwahrhaftig, aber ich habe es irgendwo in einem persönlichen Bereich interpretiert, aber ich habe in ihn irgendwo Vertrauen gehabt. Gut, und dann haben wir alle möglichen Sicherheitsmaßnahmen installiert, dass das normalerweise auf die gleiche Weise nicht mehr geht. Also, wer die Überweisungen macht, der hat nicht die Karte, mit der man das freischalten kann usw. Also all das, was es vermutlich in jeder Firma irgendwo gibt. Und das war damals viel Geld, aber es war sicher erheblich weniger Geld als es heute wäre. Und so können wir also lernen. Und dann, einen Menschen auch dann noch zu lieben, im Sinne von, ihm dankbar sein zu können und irgendwo das Göttliche in ihm zu sehen, selbst wenn er einen betrogen und irgendwo Schlimmeres angetan hat, wenn man das mal hat, dann hat man großes Vertrauen.

Gut, zweite Frage hier: „Meine Eltern haben sich bis heute wenig geändert. Wie kann ich mich vor ihnen schützen? Sie sind sehr vorwurfsvoll und negativ mir gegenüber eingestellt. Ich mache in ihren Augen alles falsch.“

Jetzt hängt es von den Eltern ab und es hängt vom Menschen ab. Es hängt jetzt vom Alter ab. Wenn man jünger ist und noch mit den Eltern zusammen lebt oder leben muss, das ist eine Sache. Es gibt Menschen, die sind fünfzig, und rechtfertigen sich immer noch gegenüber ihren siebzig- oder achtzigjährigen Eltern. Dann würde ich sagen, werde erwachsen. Deine Eltern brauchen dich nicht zu verstehen. Deine Eltern brauchen nicht gutzuheißen, was du tust. Und du brauchst dich nicht zu rechtfertigen. Wenn Eltern dann hilfsbedürftig sind und vielleicht pflegebedürftig sind, dann wird man vielleicht pflegen, wenn man das kann, und man wird sich um sie kümmern. Aber wenn sie sagen, „du, warum hast du das und das nicht gemacht“, was wird man dann sagen? Nichts. Ich habe es gemacht, fertig. Nicht sagen, warum. Und wenn die einem Vorwürfe machen: „Warum hast du den und den geheiratet? Ich habe dir doch gleich gesagt, dass das schiefgeht.“ Was antwortet man im besten Fall? Danke, dass du mich wieder daran erinnerst. Gut, ich habe jetzt ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter, aber es vergeht kein Telefonat und ich telefoniere mindestens einmal die Woche, meistens zweimal die Woche, und jedes Mal gibt sie mir irgendwelche Ratschläge. Wohlmeinende Ratschläge. Und ich sage dann einfach: „Danke!“ Gut, und manchmal stellt man dann doch fest, da ist ein guter Ratschlag dabei. Aber wenn man sich ständig rechtfertigt, das bringt nichts. Ich habe jetzt den Vorteil, dass ich irgendwo Eltern habe, die inzwischen akzeptieren, was ich mache und das gut finden. Die haben das nicht immer gut gefunden, was ich mache. Die hätten es besser gefunden, wenn ich in die Firma gegangen wäre und dort ein Unternehmen geleitet hätte, als irgendwann einem indischen Meister hinterher zu rennen und orange Gewänder anzuziehen und bunte Aschen auf die Stirn und in einem Yogaraum zu schlafen oder in einem Dreibettzimmer, das eine Grundfläche von 8 qm hat, aber wo noch dazu ein Büro integriert ist. Ich stamme aus einer wohlhabenden Familie, die konnten das überhaupt nicht verstehen. Aber irgendwann habe ich gelernt, die müssen das nicht verstehen, ich brauche mich nicht zu rechtfertigen und wenn ich nicht mehr mich rechtfertige, irgendwann akzeptieren es die Eltern auch. Je mehr man versucht, verstanden zu werden, umso weniger wird man verstanden. Wenn man es nicht mehr probiert und wenn man davon ausgeht, die Eltern können nicht verstehen und gutheißen, was ich tue, und so ist es halt. Dann kann man lernen, damit umzugehen. Und die Eltern werden es dann typischerweise auch irgendwann lernen. Schwierig ist nur, wenn man anfängt, sich zu rechtfertigen. Also, da wäre mein Ratschlag, geht euren Weg, rechtfertigt euch nicht, dankt für etwaige Ratschläge und befolgt sie nur dann, wenn sie euch sinnvoll erscheinen. Und eigentlich gilt das schon, wenn ihr zwölf oder dreizehn seid. Also im Grunde genommen, wir brauchen nicht das Ok unserer Eltern. Man sagt zwar z.B., dass Männer nichts sehnsüchtiger erwarten als dass der Vater irgendwann sagt: „Junge, ich bin stolz auf dich. Das hast du richtig gemacht.“ Und falls jemand von euch Vater ist, dann sagt das mal eurem Sohn. Und eine neuere Strömung sagt, dass wollen auch die Töchter und sie wollen es auch von ihren Müttern. Jetzt könnt ihr gerade mal überlegen, diejenigen, die Eltern sind, wann habt ihr zum letzten Mal einfach eurem Kind gesagt – selbst wenn es fünfzig ist und ihr schon älter seid – „Ich bin stolz auf dich. Das hast du gut getan. Meinen Segen hast du, was auch immer du tust oder für das, was gerade du jetzt tust.“ Wann habt ihr das das letzte Mal gesagt? Wenn ihr das nicht gesagt habt in den letzten Monaten, dann macht es vielleicht mal. Anregung. Ihr kriegt kein schlechtes Karma, wenn ihr es nicht macht, aber ihr könntet das Leben von manchen etwas leichter machen. Aber das heißt nicht, dass ihr das jetzt erwarten solltet von euren Eltern. Ich bin jetzt etwas länger auf die Fragen eingegangen, aber ich glaube, es sind durchaus wichtige Fragen, die die Frage des Vertrauens betreffen.

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Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln

Die drei wichtigsten Dinge im Yoga

Montag, Januar 16th, 2012

Kommentar von Sukadev Bretz . Gelesen im Anschluss nach einer Meditation im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Hier klicken für weitere Infos zu: Seminare bei Yoga Vidya, Ayurveda, Yogalehrer Ausbildung

Alle täglichen Inspirationen mp3 mit Player zum Anhören

Wie unterscheiden sich die 4 Ebenen der Selbstverwirklichung?

Sonntag, Januar 15th, 2012

Shivakami Bretz, Leiterin der Psychologischen Yogatherapie bei Yoga Vidya in Bad Meinberg, spricht im Shivalaya Center im Seminarhaus Shanti über die vier verschiedenen Ebenen der Selbstverwirklichung und die Merkmale, an denen sie zu erkennen sind. Zum Mitmachen gibt es wieder eine Meditation. Mehr über Meditationen hier… Basis des Vortrages ist das Buch: Yoga Weisheit des Patanjali für Menschen von heute, Sutra V Dies ist der letzte Vortrag von vier (1. Wie erreiche ich Samadhi 2. Wie komme ich in Kontakt mit reinem Bewusstsein 3. Wie erreiche ich Verhaftungslosigkeit) zum Thema Raja Yoga und Psychologie. Seminare mit Shivakami findest Du hier…

Vedanta [Teil 1]: Wer bin ich?

Samstag, Januar 14th, 2012

Vedanta ist die Philosophie des Absoluten. Vedanta stellt Fragen wie: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist wirklich?

256 Vedanta: Wer bin ich? [ 21:38 | 19.82 MB ] Player verbergen | Play in Popup | Download
Vedanta beruht auf der Philosophie der Einheit, Adwaita. In diesem Einleitungsvortrag spricht Sukadev Bretz über eine der Hauptaussagen von Vedanta: Du bist das unendliche Selbst! Und er erläutert dir, was Vedanta überhaupt heißt. Anhand der Geschichte des Löwen, der glaubte ein Schaf zu sein, macht er die Essenz von Vedanta sehr klar.

Sachen vereinfachen

Freitag, Januar 13th, 2012

Manchmal hilft es, Sachen etwas zu vereinfachen. Und das ist z.B. in dieser bedingungslosen Advaita, die vereinfachen die Sache etwas. Man kann sagen, manchmal hilft es, Sachen zu vereinfachen. Man hat die Wahl, man bringt alles Gott dar oder nicht. Wenn man immer alles Gott darbringt, dann spielt es eh alles keine Rolle mehr, denn wir identifizieren uns nicht und kommen dann zum Höchsten. Und das kann man aus dem Jnana Yoga heraus machen oder wir können es aus dem Bhakti heraus machen. Und Bhakti und Jnana allein könnte ausreichen.

Ich mache es euch hier ein bisschen komplizierter. Denn angenommen, ihr hättet hundertprozentiges Vertrauen in euer Bhakti oder Jnana, dann stellt sich die Frage des Vertrauensentwickelns nämlich nicht, dann ist es bedingungslos da. Aber jetzt tatsächlich, die Schriften sagen schon, man hat auch Wahl, der Mensch hat einen freien Willen. Und natürlich, ich könnte mich jetzt z.B. entscheiden… Ich muss ehrlich sagen, vor dem Wochenende hatte ich gedacht, eigentlich bräuchte ich mal ein paar Tage Urlaub. Und an dem Wochenende gibt es ja ein paar Leute, die könnten das Seminar auch geben. Ich hätte die Entscheidung treffen können, nicht zum Wochenende hier zu sein. Hätte ich tun können, hätte mich keiner von abgehalten. Aber dann habe ich gedacht, es ist auch schön, zu unterrichten. Und manchmal ist, in einer netten Gruppe zu sein, der beste Urlaub. Und so habe ich dann auch eine Entscheidung getroffen. Aber ich würde jetzt nicht sagen, die Entscheidung war vorherbestimmt. Ich behaupte, ich hätte am Donnerstag sagen können, ich bin jetzt eine Woche weg, fertig. Hätte mich hier keiner gehindert. Im Gegenteil, mich hätten viele dort ermutigt, denn ich bin umgeben von freundlichen, wohlmeinenden Menschen. Vielleicht mit Ausnahme derer, die das Seminar hätten nehmen wollen, aber ansonsten… Also, diese Freiheiten haben wir. Oder ihr, es hat euch keiner gezwungen, hierher zu kommen. Ihr hättet auch noch gestern überlegen können, ihr hättet sogar jetzt noch überlegen können: „Mache ich an dem Workshop mit? Oder hier nebendran gibt es eine wunderschöne Saunalandschaft, da hätte ich ja den Nachmittag mit Schwimmen und Sauna verbringen können und wer auch ganz schön und spirituell gewesen.“ Es hat euch keiner gezwungen, hierher zu kommen. Also, wir haben schon, meine ich, immer wieder freien Willen, um Entscheidungen zu treffen.

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Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln

Wisse, Natur und Geist sind ohne Anfang – Bh.G.XIII19

Freitag, Januar 13th, 2012

Wisse, Natur und Geist sind ohne Anfang - Bh.G. XIII 19 [ 3:13 | 2.95 MB ] Player verbergen | Play in Popup | Download
Kurzvortrag über die Bhagavad Gita von Sukadev von Yoga Vidya Bad Meinberg. Hier klicken für weitere Infos zu: Seminare bei Yoga Vidya, Meditation, Ayurveda, Yogalehrer Ausbildung . Alle täglichen Inspirationen mp3 mit Player zum Anhören

Das Licht der Lichter – Bh.G. XIII 17

Mittwoch, Januar 11th, 2012

Vertrauen entwickeln - Teil 4 - Gute Entscheidungen fällen

Dienstag, Januar 10th, 2012

Zwei Zettel mit Fragen.

„Wenn ich davon ausgehe, dass mein Weg in gewisser Weise vorbestimmt ist, Evolutionsgesetz, woran kann ich dann erkennen, wann ich in meinem Leben etwas ändern sollte und wann nicht? Beispiel, Unzufriedenheit mit dem Job. Sollte ich diese Aufgaben wahrnehmen, um zu lernen, oder etwas anderes tun?“

Das ist eine wichtige Frage, die Frage, die immer wieder aufkommen wird, und eine Frage, die keine einfache Antwort bekommt, denn es gehört zu den Lernaufgaben des Menschen, in der Ungewissheit Entscheidungen zu treffen. Angenommen, wir würden immer wissen, was zu tun ist. Wäre das Leben interessant? In jedem Moment wisst ihr, was zu tun ist. Klingt erst mal bestechend einfach, aber es wäre langweilig. Menschen in bestimmten Gefängnissituationen mögen eine solche Situation haben, sie haben keine Kontrolle auch nur über eine Minute ihres Lebens. Und selbst wenn sie alles bekommen würden, was sie brauchen, würden sie das keinesfalls als angenehm empfinden. Obgleich auch das eine Lernaufgabe sein kann, vielleicht doch zu probieren, auszubrechen. So ist als erstes mal wichtig, anzunehmen, eine Lektion des Lebens ist, dass wir aus der Ungewissheit heraus Entscheidungen treffen. Und dass wir nicht wissen, ob die Entscheidung die richtige ist, und dass wir manchmal Entscheidungen treffen, die schiefgehen. Das ist erst mal besonders wichtig. Von einer höheren Warte her gilt allerdings, in Wahrheit können wir uns gar nicht falsch entscheiden, denn wir können uns letztlich nur für das entscheiden, wofür es Karma gibt. Wenn wir uns das hier nochmal verdeutlichen: Hier gibt es Sanchita Karma und das ist alles, was an karmischen Aufgaben noch auf uns zukommt. Da ist die Frage dann: Wo liegt unsere Freiheit? Unsere Freiheit liegt darin, zum einen, die Reihenfolge zu entscheiden, in der wir etwas erfahren wollen. Also, beispielsweise jetzt dieses Beispiel, man hat einen Job und der Job liegt einem nicht, man merkt irgendwo, es wird schwierig. Jetzt kann man überlegen, „soll ich jetzt Job wechseln, soll ich mich auf die Suche machen, mich bei einigen Headhuntern irgendwo geheim bewerben“, was man ja machen kann, wenn man eine gewisse Position hat, irgendwie vertraulich. „Sollte ich notfalls Va Bon spielen, im Sinne von, meinem Chef reden, „entweder Sie geben mir ein anderes Aufgabengebiet oder ich gehe“. Oder sollte ich zum Betriebsrat gehen oder sollte ich klar sagen, was ich will. Oder sollte ich einfach mal viel mehr machen als vorher, dass endlich mal alle sehen, was ich kann, und es auch laut herausposaunen und nicht mehr so bescheiden sein wie bisher. Oder einfach mal die Hälfte machen, was immer noch mehr ist als eigentlich verlangt wird, dass das alle auch sehen.“ Also, so viele verschiedene Möglichkeiten gibt es und alles kann Konsequenzen haben, die wir nicht vorhersehen können. Also, Risiko entsteht dabei immer. Das Vertrauen, was wir haben können, egal, wie wir uns entscheiden werden, wenn wir es eben machen aus dem Sinn heraus, wir wollen das Richtige tun. Wir wollen jetzt nicht nur was machen, womit wir den meisten Gewinn von haben, unabhängig davon, ob das irgendjemand anderes schadet oder nicht. Wenn wir so überlegen, „was ist das Richtige für mich selbst und für andere“ und in diesem Sinne uns entscheiden wollen, dann, egal, für was wir uns entscheiden, können wir uns nicht falsch entscheiden. Das sagt das Gesetz des Karmas. Und wenn wir uns für etwas entschieden haben, was nachher in einem Desaster endet, dann können wir besonders glücklich sein. Warum? Das Karma haben wir schon mal hinter uns, das ist jetzt fertig. Es ist ja oft die Frage: Jemand sagt, ich habe zwei Nachrichten, eine gute und eine schlechte. Wer von euch würde die gute zuerst hören wollen? Wer von euch würde die schlechte zuerst hören wollen? Angenommen, ihr wisst, in den zwei Wochen wird irgendwas ganz schiefgehen, was ihr unternehmt, und es wird irgendwas sehr gutgehen, was ihr unternehmt. Wer würde zuerst das wählen wollen, was schiefgeht? Wer würde lieber das erst wählen, was gutgeht? Also, hier scheint zu sein, dass ihr erst das, was schiefgeht hören wollt. Das soll jetzt nicht heißen, dass ihr bewusst jetzt alles wählt, was schiefgeht, um nach Möglichkeit alle Katastrophen zuerst zu erfahren, aber so ein bisschen von dieser Einstellung aus könnt ihr ausgehen. Also, wenn was schiefgeht, könnt ihr sagen: „Ok, diesen Teil des Karmas habe ich abgearbeitet.“ Das gilt natürlich nur, wenn ihr euch selbst bemüht habt, das Richtige zu tun. Angenommen, ihr macht etwas bewusst so, dass es schiefgeht, damit schafft ihr neues Karma. Und wenn nachher das schiefgeht, dann habe ihr nicht das alte Schiefgeh-Karma geerntet, sondern ihr habt euch ein neues geschafft, was ihr jetzt auch erntet. Aber das kann manchmal auch mal eine interessante Erfahrung sein, bewusst mal was zu machen, von vorneherein mit der Intension, dass es schiefgeht. Warum kann das gut sein? Das gehört zu den paradoxen Empfehlungen. Man wird jetzt nicht die großen Sachen nehmen. Also, bitte jetzt nicht von einem zehn Meter Brett in ein Schwimmbad ohne Wasser hineinspringen. Aber es gibt ja kleinere Dinge, die man mal so ausprobieren könnte und da merkt man: „Es macht auch nichts, wenn ich einen Fehler mache.“ Mindestens bei vielen Dingen. Also, wir haben zum einen die Freiheit, uns zu etwas zu entscheiden, was kommt zuerst. Wir können uns aber für nichts entscheiden, wofür wir nicht Karma haben. Das besagt das Gesetz des Karmas. Eine zweite Freiheit heißt aber auch, es heißt nicht, dass es vorherbestimmt ist, wie wir es genau erfahren. Die Lernlektion gilt es, zu erfahren. Und manchmal kann man auch etwas verstehen, und nicht nur intellektuell verstehen, sondern vom Herzen verstehen, ohne dass eine äußere Situation irgendwo sein muss. Und so gilt auch, Situationen bewusst annehmen und bewusst erfahren, bewusst erleben, und so können wir viel lernen, auch ohne dass äußerlich so viel kommen muss. Und so ist es jetzt in dieser Frage, wenn jemand einen Job hat, der ihm nicht liegt, oder ihr nicht liegt, und jetzt die Frage: „Was soll ich dort machen?“ Und meine Empfehlung ist normalerweise das Prinzip der kleinen Schritte, aber letztlich vor einer größeren Konsequenz nicht zurückzuschrecken. Also, erst mal angstfrei herangehen. Gut, zunächst mal kann man schauen, gibt es irgendwelche Möglichkeiten, den Job irgendwo zu ändern. Man kann schauen, man kann sich z.B. fragen: „Wie müsste ich das machen, dass es mir Spaß machen würde? Wie müsste ich es machen, dass ich meine Talente und Fähigkeiten einsetzen kann? Wie müsste ich es machen, dass ich mich dabei weiterentwickle?“ Das sind so drei Fragen: „Wie kann ich es machen, dass es mir Freude bereitet? Wie kann ich es machen, dass ich meine Talente einsetze? Und wie kann ich es machen, dass ich mich weiterentwickle?“ Und da kann man überlegen und durchaus mal ohne Scheuklappen überlegen. Manche Menschen haben sehr große Ängste, zu weit zu denken oder denken nur in der Alles-oder-Nichts-Philosophie. Häufig ist viel möglich. Man könnte sogar überlegen: „Angenommen, mein Chef wäre anders als er ist und angenommen, die Firma wäre anders als sie ist, und ich hätte jetzt freie Möglichkeiten, mein Aufgabengebiet zu gestalten, immer noch in dem gleichen Aufgabengebiet, wie würde ich es denn machen, dass ich das richtig toll machen könnte?“ Und dann kann man nachher überlegen: „Und jetzt von all dem, ich könnte es ja mal ausprobieren, ob das vielleicht gehen würde. Ich spreche mal mit meinem Chef. Oder, falls der nicht mag, mit dem Chef meines Chefs.“ Das geht manchmal durchaus. „Oder ich spreche mit den Kollegen. Oder ich mache es einfach mal, ohne mit dem Chef zu sprechen.“ Irgendein Autor von irgend so einem Managementbuch hat mal gesagt, es ist leichter, um Verzeihung zu bitten als um Genehmigung. Soll ich vielleicht nicht sagen, wo hier einige Mitarbeiter da sind. Aber ich muss zugeben, so habe ich das früher öfters gemacht wo ich war. Wo irgendwo eine verkrustete Struktur war und ich eigentlich wusste, wenn ich frage, dann geht es ganz sicher nicht. Ich mache mein bisheriges Aufgabengebiet auch, aber ich mache dann was anderes, und wenn es gutgeht, dann überzeugt das, und wenn es schlechtgeht, dann bitte ich um Verzeihung. Und die meisten Menschen verzeihen einem dann. Wenn nicht sofort, aber einen Tag später oder eine Woche später. Das sind so einige Möglichkeiten. Also, bevor man jetzt einen zu radikalen Schritt geht, sollte man erst mal die Vorstufen gehen und die durchaus mutig gehen. Dann natürlich ist die nächste Frage auch, wenn einem der Job nicht liegt und die Änderungen führen zu keinem Erfolg, kann man sagen, wäre es dann besser, ich suche mir einen anderen Job. Dann muss man natürlich auch sich fragen: „Geht das überhaupt oder sind Menschen vielleicht von mir abhängig, die letztlich die Finanzen brauchen, die mir dieser Job gibt?“ Dann kann man sagen: „Es ist vielleicht meine Lernlektion, in einem langweiligen und dennoch überfordernden Job irgendwo ein paar Jahre auszuhalten. Letztlich, ansonsten lebe ich gesund, ich habe vermutlich eine Lebenserwartung von achtzig oder neunzig Jahren, fünf Jahre kann ich das noch aushalten, so schlimm ist es nicht. Und jetzt kann ich lernen, dort mein Bestes zu geben und ich muss ja nicht mehr als mein Bestes geben.“ Also, versteht ihr, was ich so meine? Also, hier im Sinne von, schauen, was ist das Richtige. Und natürlich, wenn jetzt niemand von einem wirklich so abhängt und man weiß, man wird unglücklich, dann sollte man den Sprung wagen. Und dann sollte man sich jetzt nicht von falschen Sicherheiten irgendwo davon abhalten lassen. Die unzufriedensten Menschen sind typischerweise in den sichersten Berufen zu finden. Also, im öffentlichen Dienst ist nach irgendeiner Umfrage die Arbeitszufriedenheit am niedrigsten. Nicht, weil im öffentlichen Dienst die Arbeitssituationen schwieriger sind als sonst, sondern warum? Der Arbeitsplatz ist sicher, da kündigt man nicht, selbst wenn es einem überhaupt keinen Spaß macht. Ich kannte mal jemanden, der war Beamter und er war totunglücklich in dem Beruf. Er wusste, es ist überhaupt nichts Gutes. Die ganze Familie, alle Freunde, alle haben es gewusst. Er hat seine Beamtenstelle gekündigt und alle haben ihn für verrückt erklärt. Jeder wusste, es macht ihn unglücklich. Jeder wusste, es gibt keine große Änderungsmöglichkeit im Beamtentum. Und er war erst Ende zwanzig. Die waren der Meinung, es ist besser, vierzig Jahre lang unglücklich zu sein, als ein Abenteuer zu wagen. Und er war weder verheiratet noch hat er ein Kind gehabt. Also, da muss man dann irgendwann vielleicht etwas mutiger sein. Nachher war er glücklicher. Das Neue hat ihm wirklich Spaß gemacht. Und es war etwas Sinnvolles und etwas, was ihm gemäß war. Und noch eines dazu. Es gibt ja eine ganze Schrift, die sich mit Entscheidungsfindung beschäftigt. Wie nennt sich die? Bhagavad Gita. Und ich glaube, es gibt auch Seminare zum Thema „Entscheidungen finden“, deshalb werde ich das jetzt nicht zu sehr ausbauen. Und der Krishna gibt dem Arjuna dort alle möglichen Kriterien, wie man spirituelle Entscheidungen findet. Da gibt es auch im Internet irgendwo eine Vortragsserie von mir über spirituelle Entscheidungen finden, wenn ihr das anhören wollt. Es endet letztlich damit, dass Krishna dem Arjuna sagt: „Nachdem du alles abgewogen hast und dann dich nach bestem Wissen und Gewissen entscheidest, dann bringe alles Gott dar. Und dann wirst du nichts Falsches machen. Du wirst keine Sünde begehen.“ Das ist das, was wir am Ende vom Arati immer singen: Sarva Dharman Parityajya Mam Ekam Sharanam Vraja Aham Tva Sarvapapebhyo Mokshayishyami Ma Shuchah. Nachdem du alles abgewogen hast und alles überlegt hast, was richtig oder falsch ist, dann lasse los, übergib alles Gott und dann wird nichts Falsches sein.

- wird fortgesetzt -

Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln

Vertrauen entwickeln – Seminar mit Sukadev

Dienstag, Januar 10th, 2012

Haus Yoga Vidya Bad Meinberg

03.02.12 – 05.02.12

Genaugenommen bringen wir dieses Urvertrauen, das Vertrauen in unser Selbst auf diese Erdeninkarnation bereits mit. Wir sind ja noch mit Gott und allem was ist verbunden. Oft verlernen wir im Laufe unseres Lebens zu vertrauen, und daher sehnen wir uns dieses Vertrauen in unser Selbst, in unsere Wahrnehmung, in unsere Mitmenschen wieder zu entwickeln und zu leben. Dazu hat Sukadev dieses Seminar entwickelt.

Preisausschreiben – nur noch bis zum 10.1.

Sonntag, Januar 8th, 2012

“Dein erstes Mal bei Yoga Vidya” – schreibe dazu einen Artikel. Es gibt tolle Preise zu gewinnen! Bis zum 10.1. kannst du den Artikel entweder ins Yoga Vidya Forum reinschreiben – oder schicke den Bericht an erfahrungsbericht(at)yoga-vidya.de . Alle Infos zum Preisausschreiben – und viele interessante Berichte zu lesen unter http://mein.yoga-vidya.de/forum/topics/erfahrungen-mit-yoga-vidya

Studie: Spirituelle Einstellung und Persönlichkeit

Samstag, Januar 7th, 2012

Inwiefern beeinflussen spirituelle bzw. religiöse Einstellungen die Persönlichkeit? Diese Frage stellt sich die Psychologie-Diplomandin Evelyn Purner von der Universität Salzburg. Damit diese Frage auch beantwortet werden kann, braucht es viele Teilnehmer für ihre kurze Online-Befragung. Sie dauert nur 15 Minuten und wird natürlich anonym ausgewertet. Hier geht es zur Umfrage. Es wäre auch schön, wenn du deinen Freunden und Bekannten den Link zum Ausfüllen schickst. Wir danken dir sehr!  Weiter…   http://www.yoga-vidya.de/de/service/blog/studie-spirituelle-einstellung-und-personlichkeit/

Vertrauen entwickeln Teil 3 - Du wächst durch Erfahrung

Samstag, Januar 7th, 2012

Ich wiederhole die Frage nochmal, weil es vielleicht nicht alle hinten verstanden haben.

Die Frage ist: „Muss man unbedingt etwas erleben oder würde es ausreichen, wenn man selbst das bereut und dann betet, um Vergebung bittet.“

Da gibt es unterschiedliche Aussagen in den Schriften, um dort ganz offen das zu beantworten. Und ich muss jetzt auch zugeben, der genaue Karmaleser bin ich jetzt auch nicht, aber ich will so ein paar Aspekte dort nennen. Das eine ist, wenn man irgendetwas gemacht hat, was man denkt, war schlecht im Nachhinein. Zunächst sollte man gucken, aus welcher Motivation heraus hat man es gemacht. Und wenn man feststellt, man hat etwas gemacht, was irgendwo zwar schlechte Konsequenzen hatte, aber eigentlich hat man es aus einer guten Motivation heraus gemacht – das ist ein Phänomen, das ich bei spirituellen Aspiranten oft erlebe – dann braucht man sich da erst mal gar keine Sorgen darum zu machen. Viele von euch wissen das. Man will jemand anderes etwas Gutes tun und nachher kommt heraus, es war das Falsche. Ein Arzt oder Heilpraktiker, nach bestem Wissen und Gewissen verschreibt etwas, und nachher, es hat nicht geholfen. Im schlimmsten Fall, Mensch stirbt. Das kann passieren. Gut, vermutlich die Mehrheit von euch hat nicht ständig Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen, aber manche Menschen haben das. Und man kann schauen: „Habe ich das wirklich gemacht nach bestem Wissen und Gewissen?“ Und dann wird man feststellen und vielleicht wird man feststellen: „Ich habe es nach bestem Wissen und Gewissen gemacht und eigentlich, um Gutes zu bewirken. Dass da etwas Schlechtes dabei herausgekommen ist oder dass ich irgendwie unachtsam war in all dem, dort kann ich jetzt das Vertrauen haben, da wird nichts Schlimmes dabei herauskommen. Irgendwo war ich auch Instrument in den Händen des Karmas für den anderen.“ Das zweite, man wird feststellen, man hat doch irgendwo aus einer egoistischen Motivation gehandelt und hat etwas getan, was man eigentlich bereut. Das Beste wäre, wenn man den Menschen aufsucht, um Entschuldigung bittet, und sagt: „Gibt es irgendetwas, was ich tun könnte, um das wieder in Ordnung zu bringen?“ So ähnlich hat es Jesus mal ausgedrückt: „Angenommen, du bist in deinem Kämmerlein und du willst beten und du stellst fest, ein anderer hat einen guten Grund, dir zu grollen, dann gehe zu dem Menschen hin, versöhne dich mit ihm, und dann kannst du beten.“ Das sollte einem jetzt nicht vom Beten und Meditieren abhalten, aber das ist eine Möglichkeit. Jetzt gibt es aber Menschen, wenn man denen etwas Schlechtes angetan hat, das Letzte, was die wollen, ist, dass man sie weiter belästigt. Und ihr habt das vielleicht auch schon gehabt, jemand hat euch was Schlimmes angetan, und dann wollt ihr anschließend nur die Ruhe haben. Und dann, öfters kommt der wieder auf euch zu, und objektiv gesehen will der das Schlechte wieder gutmachen, aber man selbst erlebt es vielleicht als Belästigung. Und wenn man weiß, jemand anderes erlebt es als Belästigung, evtl. wird man jemand drittes suchen, ob der vielleicht vermitteln kann, dass man irgendwo um Vergebung bitten kann oder es wieder gutmachen kann, zwischen den beiden, das wäre das Zweitbeste. Oder das Zweitbeste ist vielleicht nicht richtig, aber es ist die zweite Möglichkeit. Jemand anderes darum bitten, wo man zugibt: „Ich habe da was gemacht, das war nicht richtig, das tut mir leid, ich würde es gerne gutmachen, aber ich kann mit dem anderen nicht reden, gäbe es eine Möglichkeit, zu vermitteln?“ Dritte Möglichkeit ist, man bereut es innerlich, man bittet innerlich um Vergebung, und schaut: „Könnte ich es auf eine andere Weise gutmachen?“ Wenn ich gegenüber dem einen Menschen es nicht mehr gutmachen kann, weil der von mir nichts mehr wissen will, und ich will ihn jetzt nicht weiter belästigen, da kann man schauen: „Gibt es andere Menschen in schwierigen Situationen? Könnte ich ihnen etwas Gutes tun?“ Im Buddhismus gibt es so ein Karmaverständnis, z.B. wenn einem irgendwas Schlimmes passiert, beginnt, zu passieren, dann soll man schnell Spenden machen, gute Werke tun usw. Dann kann man das Karma noch irgendwo ausgleichen. Selbst wenn man nicht weiß, was einem passiert, wenn es beginnt, schwierig zu werden, statt wie vielleicht, der westliche Ansatz wäre jetzt, Geld und alles zusammenzuhalten und alles festzuhalten, stattdessen schnell irgendwo großzügig sein, dann könnte das Karma spätestens dann noch geändert werden. Also, das wäre das nächste. Und dann gibt es die nächste Möglichkeit, natürlich auch, man bereut es, man bittet Gott um Vergebung und man nimmt sich vor, es nicht weiter zu tun, und weiß: „Ich kann gar nichts machen, um das, was ich gemacht habe, wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ich bitte darum, dass mir vergeben wird. Ich weiß, dass es nicht richtig war.“ Und damit kann es schon sein, dass der Sinn des Gesetzes der Kompensation schon erfüllt ist, denn alle diese Gesetze haben ja einen Sinn. Das Gesetz der Gedankenkraft hat auch den Sinn, dass wir lernen, unsere geistigen Kräfte zu entwickeln. Der Sinn des Gesetzes der Kompensation ist, dass wir lernen, anderen Gutes zu tun, nicht aus dem Ego heraus zu handeln, sondern zu einem Gefühl von Verbundenheit kommen, dass wir erfahren, wie es ist, Leiden zu haben, wenn wir jemand anderes Leiden zugefügt haben. Und wenn wir tief vom Inneren her bereuen, wenn wir Mitgefühl haben und beten, dann ist der Sinn schon erfüllt, und dann kann es sein, dass Äußeres nicht kommen muss. Dann kann es vielleicht etwas abgeschwächter auf uns zukommen. Viertes Gesetz ist das Gesetz der Evolution. Es könnte sein, dass man in einem anderen Kontext irgendwo mal etwas nicht so Gutes gemacht hat und man ist davongekommen, keiner hat es gemerkt, oder man hat selbst anderen Vorwürfe gemacht, und jetzt kommt es auf einen zu. Eine Möglichkeit. Eine zweite Möglichkeit wäre eben auch das Gesetz der Evolution. Es ist einfach mal die Aufgabe, mit einer Situation konfrontiert zu werden, wo andere einem etwas Schlimmes vorwerfen. Also, Menschen werden einem Dinge vorwerfen, die man nicht gemacht hat. Ich glaube, dass hat ihr alle schon gemerkt. Menschen werden einem böse sein für Dinge, die man eigentlich getan hat, um anderen zu helfen. Alles kann missverstanden werden. Also, wir dürfen nicht annehmen, dass wenn wir nur freundlich und nett genug sind und immer nach bestem Wissen und Gewissen uns verhalten, dass niemand uns böse sein wird. Leider wird das nicht so sein. Also, dass andere Menschen zu uns immer nur freundlich sind, ist nicht das Hauptkriterium, ob wir uns richtig verhalten haben. Obgleich das ein Kriterium sein kann. Also, man kann dann überlegen, man kann durchaus erst mal überlegen: „Habe ich vielleicht irgendwas gemacht, was ihn gekränkt hätte?“ Und manchmal hilft auch in diesen Fällen, um Entschuldigung zu bitten, auch ohne dann man wirklich Schuld hat. Manchmal ist das auch ein Sinn, dass man lernt, ein bisschen demütig zu sein. Jemand wirft einem etwas vor, was man nicht gemacht hat, und dann kann man sagen: „Es tut mir leid, dass das, was ich gemacht habe, dich gekränkt hat.“ Und man kann dann sogar fragen: „Von deiner Warte aus, wie hätte ich es denn machen können?“ Man kann sagen: „Von meiner Warte aus hatte ich die und die Motivation, aber offensichtlich ist es nicht so angekommen, wie ich es gewollt hatte.“ Man kann auch fragen: „Wie sollte ich künftig mit so einer Situation umgehen? Ich sehe, da ist das und das Problem oder das und das, ich würde auf die und die Weise helfen. Wie könnte ich das machen oder wie könnte ich herausfinden, was für dich gut ist?“ Also, das sind ein paar Anstöße diesbezüglich. Gesetz der Evolution. Gesetz der Evolution besagt, wir wachsen durch Erfahrungen. Wir wachsen nicht nur durch Meditation und durch Mantrasingen, nicht nur durch Asanas und Pranayama und Schriftenstudium, auch nicht nur durch Gottesdienste oder irgendwas anderem – das mag auch alles wichtig sein, je nachdem, welchen spirituellen Weg ihr geht – aber Mensch wächst durch Erfahrungen. Und Dinge passieren uns, damit wir wachsen. Nicht alles, was uns passiert, passiert uns deshalb, weil wir was falsch gemacht haben oder etwas schlecht gemacht haben, sondern Dinge passieren, dass wir die Erfahrungen bekommen, die wir brauchen, an denen wir wachsen. Es heißt, dass wir alle wichtigen menschlichen Erfahrungen mindestens einmal richtig gemacht haben müssen, bevor wir zur höchsten Verwirklichung kommen. Es heißt sogar, bevor wir uns als Mensch inkarnieren, haben wir uns schon durch alle Tierarten inkarniert. Also, jede Tierart sollen wir schon mal gewesen sein. Also, wir waren alle schon mal ein Hund, eine Katze, ein Pferd, ein Marienkäfer, eine Vogelspinne, eine Laus, ein Faultier, all das. Ob das jetzt alles so hundertprozentig wörtlich zu nehmen ist, ist eine andere Sache, denn nicht alle Tierarten gab es jederzeit, und ob es genügend Exemplare gab, dass alle Milliarden von Menschen sich da durch inkarnieren. Gut, wie wörtlich wir das nehmen, ist eine andere Sache, aber es heißt erst mal, wir sind schon mal durch alle Tierarten irgendwo durchgegangen. Und zum zweiten, wir müssen alle menschlichen Erfahrungen irgendwann mal machen. Und da gibt es die Erfahrung, dass jemand sich um uns kümmert. Da gibt es die Erfahrung, dass jemand unser Vertrauen verrät. Da gibt es die Erfahrung von großem Schmerz. Da gibt es die Erfahrung von Betrug in verschiedener Hinsicht. Da gibt es die Erfahrung, dass wir etwas ganz Großartiges bewirken können. Da gibt es die Erfahrung, dass wir uns ganz großartig engagieren und scheitern. Es gibt die Erfahrung, wir engagieren uns nur ein bisschen und es geht alles gut. Es gibt die Erfahrung, dass wir plötzlich unsere physischen Fähigkeiten verlieren aus dem heiteren Himmel heraus. Es gibt die Erfahrung, dass wir sie verloren haben und plötzlich kommt sie wieder usw. Also, all diese Erfahrungen helfen uns, zu wachsen. Das ist wie in der Schule. Warum müssen Kinder das kleine Einmaleins lernen? Vom Standpunkt des Kindes her, ganz einfach weil es in der… Lernt man das Einmaleins in der zweiten Klasse, ist das richtig? Ich glaube, Addition und Subtraktion in der ersten und in der zweiten das kleine Einmaleins, mindestens bei mir war das irgendwann so. Vom Standpunkt des Kindes, was hat das Kind falsch gemacht, Einmaleins lernen zu müssen? Nichts, es gehört zum Lehrplan dazu. Wenn man in einer westlichen Gesellschaft geboren ist und nicht irgendwie eine schwere geistige Behinderung hat, dann wird man das Einmaleins lernen müssen, gehört dazu. Und warum erfahren wir Verrat im Leben? Nicht unbedingt, weil wir was falsch gemacht haben, das könnte es auch sein, aber es kann einfach sein, dass wir daran wachsen. Das ist eine wichtige menschliche und zwischenmenschliche Erfahrung, die uns hilft, zum psychologischen Wachstum zu kommen. Gut, Gesetz der Evolution kann man auch noch ergänzen im Sinne von, nicht nur individuelle Evolution, die wir selbst erfahren, um daran zu lernen, sondern irgendwo der ganze Planet und die ganze Zivilisation entwickelt sich auch irgendwo weiter. Und Gesetz der Evolution besagt auch, wir haben bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Es geht auch darum, dass wir selbst etwas Gutes bei der ganzen Sache beitragen. Und das besagt auch, jeder Mensch hat genau die Fähigkeiten, die nötig sind, dass es weitergeht. Das besagt auch, dass wir auch genau die Fähigkeiten haben, die wir brauchen. Viele Menschen, gerade spirituelle Aspiranten, denken oft: „Ich müsste besser sein.“ Oder? „Ich müsste ein besserer Yogalehrer sein, ein besserer Partner, ein besseres Kind, Mutter, besserer Mitarbeiter, Kollege, Vorgesetzter. Ich müsste mich mehr engagieren im Verein, in der Politik. Ich müsste mit meinen Nachbarn besser umgehen. Ich müsste, usw.“ Ich glaube, fast jeder wird das haben. Unter spirituellen Aspiranten ist das vermutlich noch mehr als woanders. Und es ist auch erst mal gut, dass man diesen Wunsch hat. Wenn man nämlich den Wunsch hat, sich zu verbessern, arbeitet man auch an sich. Deshalb ist es etwas Gutes. Wenn ihr irgendwo das Gefühl habt, „ich bin nicht gut genug“, dann seid erst mal stolz auf euch. Versteht ihr das? Seid erst mal dankbar an euch selbst, dass ihr diesen Wunsch habt. Das ist wie so eine Triebkraft und wenn ihr jetzt gehofft habt, dass ihr am Ende dieses Wochenendes volles Selbstvertrauen habt und euch niemals mehr anzweifelt und niemals mehr denkt, „ich bin nicht gut genug“, dann wird euch das vermutlich am Ende des Wochenendes nicht passieren. Zunächst mal gilt es anzunehmen: „Es ist gut, dass ich diesen Wunsch habe, mich zu verbessern und dass ich denke, ich müsste an mir arbeiten.“ Aber dieser muss auch ergänzt werden. Wenn das das einzige ist, dann seid ihr nur ständig unter Stress und Selbstzweifel und damit ist auch niemandem gedient. Denn da ist das zweite, das Gesetz der Evolution besagt nämlich auch, man ist genau der Richtige mit seinen Fähigkeiten, da, wo man gerade ist. Die Menschen, die um einen herum sind, die erfahren durch einen selbst genau das Richtige. Angenommen, ihr wärt nur von Heiligen umgeben. Wäre das gut? Man könnte sagen, selbstverständlich. Aber andererseits, wenn man ehrlich ist, man lernt auch einiges von den Menschen, die keine Heiligen sind. Und viele Menschen um euch herum lernen auch dadurch, dass ihr nicht vollkommen seid. Das soll euch nicht davon abhalten, euch entwickeln zu wollen, aber man hat genau die Fähigkeiten, die nötig sind, um das zu tun im Rahmen der kosmischen Evolution, das beizutragen, was beizutragen ist. Also, wir erfahren die Erfahrung, die wir brauchen, und wir können das tun, was unser Beitrag ist im gesamten Kosmos. Und der fünfte Punkt ist letztlich, Gnade Gottes. Gnade Gottes heißt im Wesentlichen, wenn wir uns an Gott wenden, wenn wir Gott um Hilfe bitten, wenn wir alles Gott darbringen, dann löst das die anderen Ursache-Wirkungs-Beziehungen auch auf. Im Sinne von, angenommen – das war ja die Frage, die vorher Svetlana hatte – man hat was Schlimmes gemacht, man kann es nicht wieder gutmachen, man hatte damals auch eine schlechte Motivation, man weiß, es war falsch, und dann bittet man um Vergebung und wendet sich ganz an Gott und dann kann man über Gottes Gnade die Essenz lernen, die mit dem Karma verbunden wird, und dann kann das Karma abgemildert auf einem zukommen. Oder wenn man irgendwo feststellt, da braucht man unbedingt Hilfe, man wendet sich an Gott. Dann kann es auch passieren, dass Gott die Ereignisse so abwandelt, dass wir dabei etwas zügiger etwas lernen. Das heißt nicht immer nur, dass Gott es einem einfach macht. Manchmal wird Gott einem das Leben ein bisschen schwer machen. So angenommen, man stellt z.B. fest: „Oh Gott, ich habe festgestellt, mein Ego ist zu groß geworden, ich bilde mir zu viel ein, bitte hilf, dass ich demütiger werde.“ Zwei Tage später hat man Grippe, vierzig Grad Fieber, es gibt kaum etwas, was einem so schnell so demütig macht, wie wenn man dann hilflos da liegt und irgendwo um Hilfe bitten muss und nicht mal den Arm richtig bewegen kann, ohne dass man das Gefühl hat, man hat hundert Kilo an Gewicht gewonnen. Oder irgendwo, es ging alles so gut und dann betet man: „Oh Gott, irgendwo ist mein Ego groß geworden. Ich habe mir eingebildet, was dort alles ist. Bitte hilf mir.“ Und dann gibt es prompt eine kleine oder größere Katastrophe. Also seid vorsichtig, worum ihr betet, Gott wird nicht nur einem als Vision erscheinen und irgendwo auf mystisch-magische Weise die Eigenschaft ändern. Das kann auch mal passieren, es gibt auch Menschen, die z.B. in einer Homa oder Puja – das sind Rituale hier – darum gebeten haben z.B., „ich habe jetzt schon seit Jahren“ – also nicht ich persönlich, sondern vor kurzem hat mir das jemand erzählt, er hätte seit Jahren probiert, von der Zigarette loszukommen und es sei ihm nie gelungen, da hätte er einmal in einer Homa dort ernsthaft darum gebeten, dass er endlich von diesem Zigarettenrauchen loskommt, er hat das auch auf einen Zettel geschrieben und hätte es dort reingetan. Und irgendwo, ab dem Moment, wäre der Wunsch nach einer Zigarette irgendwo verschwunden gewesen. Also, so Phänomene können auftreten, sie müssen aber nicht genau so auftreten.

Ihr könnt vielleicht gerade mal so zwei oder drei Minuten selbst mal überlegen, was davon vielleicht für euch besonders von Relevanz sein könnte. Evtl. schreibt es einfach auf. So dass ihr zwei, drei Minuten einfach darüber nachdenkt oder reflektiert, mit oder ohne Aufschreiben. Dann könnt ihr langsam abschließen. Vielleicht wird euch das ja auch in der Pause oder Mittagspause etwas beschäftigen. Ihr könnt vielleicht auch, wenn ihr dazu Fragen habt, dort auch Fragen auf einen Zettel schreiben und dann bis 14:30 Uhr, also direkt vor 14:30 Uhr, dort auf die Bühne legen, um die Trommeln, und dann werde ich dort darauf eingehen. Ansonsten, um 14:30 Uhr, werden wir mit einer Tiefenentspannung beginnen, die auch mit Vertrauensaffirmationen verbunden sein wird und so einige Raja Yoga Techniken integrieren wird und dann werden wir auch noch ein paar andere Übungen machen und dann wahrscheinlich ein bisschen ins Bhakti Yoga gehen. Es sei denn, aus euren Fragen kommen andere Anregungen.

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Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln