Ein Beispiel für Mut
Sonntag, Februar 5th, 2012Vielleicht derjenige, den ich kannte, der vielleicht den Mut am meisten verkörpert hatte, war der Swami Vishnudevananda. Der hatte eigentlich vor kaum etwas Angst. Zum einen, ich habe ihn erlebt, wie er von Westberlin nach Ostberlin geflogen ist mit einem Ultraleichtflugzeug für den Frieden und da haben wir ihm gesagt, wie kann er das dort machen, er wird doch höchstwahrscheinlich abgeschossen werden. Da hat er gesagt: „Andere sterben im Namen des Krieges, ich sterbe vielleicht im Namen des Friedens. Und außerdem, was mit diesem Körper passiert, spielt eh keine Rolle.“ Und das war für ihn etwas ganz Normales. Das war jetzt für ihn nicht eine großartige Geschichte, sondern er hatte dort keine Angst, seinen Körper zu verlieren. Genauso hatte er auch keine Angst vor öffentlicher Kritik gehabt. Er hatte auch keine Angst, auch mal ein offenes Wort zu sagen, auch wenn er dann zum Teil dafür kritisiert worden ist. Er hatte auch keine Angst gehabt, wenn er irgendwo fand, jemand in irgendeiner besonderen Verantwortungsposition, der besonders wichtig war, aber der sich irgendwo nicht richtig verhalten hat, zu sagen: „Entweder du änderst dich oder du gehst.“ Also, auch diese Angst hatte er nicht. Oder ich kann mich erinnern, der Swami Vishnu, der hat aber auch immer ähnlich wie in der Tradition von Swami Sivananda, die wir ja auch irgendwo fortsetzen, nie größere Gelder anhäufen, sondern immer probieren, der Menschheit zu dienen. Und da gab es immer wieder finanzielle Krisen und es gab da gerade so eine und das war so ein Jahr, wo – Yoga geht ja in Wellen. Es ist nicht so, dass Yoga seit dem 19. Jahrhundert beständig mehr wird, sondern immer in Wellen und es gibt da manche, da geht es runter. Z.B. es gab schon mal ein Hoch der Yogabewegung Mitte der 90er Jahre und es gab schon mal ein Tief Anfang der 90er Jahre, dann irgendwo 95/96 gab es ein Hoch und danach gab es – wer schon länger dabei ist, weiß es vielleicht – so 97/98 war eigentlich wieder, wo es nach unten ging, auch die Krankenkassenfinanzierung hat aufgehört und irgendwo war dort auch etwas und das ist, so wie ich es mal gelesen hatte, über die Hälfte der selbständigen Yogalehrer in Deutschland war anschließend nicht mehr selbstständig, sondern musste sich andere Jobs annehmen. Also, auch Yogalehrer ist kein krisensicherer Beruf. Gut, viele sind teilzeittätig dort tätig, haben sich einen Teilzeitjob genommen, und so ähnlich ist es auch in dem Ashram vom Swami Vishnu gewesen, da war halt gerade so ein Tief gewesen, Gästezahl ist heruntergegangen, Ashram war in einer finanziellen Schwierigkeit. Es gab schon die so genannten Cut of Notices. Das heißt, es wurde angekündigt, demnächst wird die Elektrizität abgestellt und das Telefon wird abgestellt. Es gab auch schon eine Nachricht, wenn ihr nicht bis dann und dann bezahlt habt, dann for closer, das heißt, dann wird das Ashramgelände versteigert von der Bank. Also, es war schon eine kritische Geschichte. Und dann gab es einen, der hat einen größeren Lotteriegewinn gemacht. Und der hatte gesagt, er würde dort die Hälfte dem Ashram zur Verfügung stellen. Und das hätte die ganzen finanziellen Sorgen gelöst. Und der war im Ashram und ist drei Tage hintereinander nicht zum Satsang gekommen. Und dann hat der Swami Vishnu ihn rufen lassen und hat gesagt, wenn er nicht in den Satsang kommt, dann möge er bitte gehen. Als ich das mitgekriegt habe, ich war gerade in einer Verantwortungsposition und ich wusste wirklich nicht, wie wir das noch machen sollten. Es würde die nächste Woche ohne diese Spende die Elektrizität und das Telefon abgestellt werden. Und ohne Telefon kann man auch keine Anmeldungen mehr entgegen nehmen. Was macht man dann? Heutzutage sind die Telefonrechnungen niedrig, damals war es noch anders. Gut, die Sache ist glücklicherweise gut ausgegangen, der ist künftig in den Satsang gegangen und hat den Swami Vishnu bewundert auch dafür, dass der einen solchen Mut hat und er hat die Spende gegeben und der Ashram hat überlebt. Aber ich will euch nur sagen, ich habe keinen gekannt, der einen solchen Mut in jeglicher Hinsicht hatte wie der Swami Vishnu. Aber auch bei ihm konnte ich sehen, er hatte auch berechtigte Sorge und manchmal hat er auch irgendwo Überlegungen angestellt, wo ich gemerkt habe, man könnte es auch sagen, er hat eine gewisse Angst, aber nicht wirklich eine Angst, man würde eher sagen bei ihm, eine Sorge. Er konnte sich auch vorstellen, es können Dinge schiefgehen und er konnte sich sogar eine ganze Menge vorstellen, was schiefgeht. Er hat nur gedacht: „Egal, was schiefgeht, es spielt keine wirkliche Rolle. Aham Brahmasmi. Ich bin eins mit Brahman. Dennoch muss ich verantwortungsbewusst handeln.“ Also, das ist ein Aspekt, durch was entsteht Überängstlichkeit. Dann gibt es ein Buch von Swami Sivananda, dann nennt sich „Die Überwindung der Furcht“. Da gibt er eine Reihe von Tipps, was man umsetzen kann. Und vielleicht auch noch, und wir haben ja dieses Seminar auch, „Umgang mit Ärger und Angst“ oder „Überwindung von Ärger, Angst und Depressionen“. Das sind Seminare, die vielleicht noch zusätzliche Tipps geben können. Natürlich, Überängstlichkeit kann auch entstehen durch Überängstlichkeit der Eltern, Überfürsorglichkeit, kann entstehen durch eine traumatische Erfahrung, es kann durch Unsicherheit in der Kindheit oder im Mutterleib entstehen. Es kann eine Gefahr während der Schwangerschaft geherrscht haben. Eltern können an Abtreibung gedacht haben. In diesem oder in einem früheren Leben. Man kann in einem früheren Leben maßlos enttäuscht worden sein. Also, es gibt viele Gründe, die es noch zusätzlich gibt zu den allgemeinen. Tipp wäre insgesamt, es erst mal als Gabe anzusehen, zweitens zu sagen, dass es vielleicht positiv nutzbar ist, dass man vielleicht anderen damit helfen kann, aber dass man auch nicht sich davon beherrschen lassen sollte, sondern sich bewusst ist: „In mir ist auch Mut drin, in mir ist auch die Fähigkeit, voranzuschreiten, und ich kann auch mutig sein, gerade weil ich auch mal die Angst überwinde.“ Jetzt fällt mir nochmal etwas ein aus irgendeinem Film und zwar – kennt ihr Raumschiff Enterprise, Startreck? Irgendwann war ich mal ein großer Fan der Serie und da gibt es dann so einen Lieutenant Commander Deta, in der – ich glaube, es ist die Next Generation, da gibt es, glaube ich, vier oder fünf Staffeln bisher. In der Next Generation, das ist so ein Android, das ist eigentlich ein Computer, der aber so aussieht wie ein Mensch, der aber auch in vielerlei Hinsicht reagiert wie ein Mensch. Und irgendwann hat er einen Emotionschip bekommen. Und dann hat er auch Ängste empfunden und plötzlich wurde er ängstlich. Und da hat er sich mit irgendjemand unterhalten, der hat gesagt: „Jetzt kannst du wirklich mutig sein. Früher hattest du nie Angst gehabt und da ist es dir einfach gefallen, in die verschiedensten Situationen reinzugehen, denn du hattest keine Angst gehabt. Jetzt hast du Angst und jetzt, die Angst zu überwinden, das ist echter Mut. Früher warst du nicht mutig, jetzt kannst du Mut zeigen.“ Und natürlich, in der Geschichte geht es gut aus, ihm gelingt es tatsächlich, Mut zu zeigen und mit Angst umzugehen.


