Archive for the ‘Allgemeines’ Category

Ein Beispiel für Mut

Sonntag, Februar 5th, 2012

Vielleicht derjenige, den ich kannte, der vielleicht den Mut am meisten verkörpert hatte, war der Swami Vishnudevananda. Der hatte eigentlich vor kaum etwas Angst. Zum einen, ich habe ihn erlebt, wie er von Westberlin nach Ostberlin geflogen ist mit einem Ultraleichtflugzeug für den Frieden und da haben wir ihm gesagt, wie kann er das dort machen, er wird doch höchstwahrscheinlich abgeschossen werden. Da hat er gesagt: „Andere sterben im Namen des Krieges, ich sterbe vielleicht im Namen des Friedens. Und außerdem, was mit diesem Körper passiert, spielt eh keine Rolle.“ Und das war für ihn etwas ganz Normales. Das war jetzt für ihn nicht eine großartige Geschichte, sondern er hatte dort keine Angst, seinen Körper zu verlieren. Genauso hatte er auch keine Angst vor öffentlicher Kritik gehabt. Er hatte auch keine Angst, auch mal ein offenes Wort zu sagen, auch wenn er dann zum Teil dafür kritisiert worden ist. Er hatte auch keine Angst gehabt, wenn er irgendwo fand, jemand in irgendeiner besonderen Verantwortungsposition, der besonders wichtig war, aber der sich irgendwo nicht richtig verhalten hat, zu sagen: „Entweder du änderst dich oder du gehst.“ Also, auch diese Angst hatte er nicht. Oder ich kann mich erinnern, der Swami Vishnu, der hat aber auch immer ähnlich wie in der Tradition von Swami Sivananda, die wir ja auch irgendwo fortsetzen, nie größere Gelder anhäufen, sondern immer probieren, der Menschheit zu dienen. Und da gab es immer wieder finanzielle Krisen und es gab da gerade so eine und das war so ein Jahr, wo – Yoga geht ja in Wellen. Es ist nicht so, dass Yoga seit dem 19. Jahrhundert beständig mehr wird, sondern immer in Wellen und es gibt da manche, da geht es runter. Z.B. es gab schon mal ein Hoch der Yogabewegung Mitte der 90er Jahre und es gab schon mal ein Tief Anfang der 90er Jahre, dann irgendwo 95/96 gab es ein Hoch und danach gab es – wer schon länger dabei ist, weiß es vielleicht – so 97/98 war eigentlich wieder, wo es nach unten ging, auch die Krankenkassenfinanzierung hat aufgehört und irgendwo war dort auch etwas und das ist, so wie ich es mal gelesen hatte, über die Hälfte der selbständigen Yogalehrer in Deutschland war anschließend nicht mehr selbstständig, sondern musste sich andere Jobs annehmen. Also, auch Yogalehrer ist kein krisensicherer Beruf. Gut, viele sind teilzeittätig dort tätig, haben sich einen Teilzeitjob genommen, und so ähnlich ist es auch in dem Ashram vom Swami Vishnu gewesen, da war halt gerade so ein Tief gewesen, Gästezahl ist heruntergegangen, Ashram war in einer finanziellen Schwierigkeit. Es gab schon die so genannten Cut of Notices. Das heißt, es wurde angekündigt, demnächst wird die Elektrizität abgestellt und das Telefon wird abgestellt. Es gab auch schon eine Nachricht, wenn ihr nicht bis dann und dann bezahlt habt, dann for closer, das heißt, dann wird das Ashramgelände versteigert von der Bank. Also, es war schon eine kritische Geschichte. Und dann gab es einen, der hat einen größeren Lotteriegewinn gemacht. Und der hatte gesagt, er würde dort die Hälfte dem Ashram zur Verfügung stellen. Und das hätte die ganzen finanziellen Sorgen gelöst. Und der war im Ashram und ist drei Tage hintereinander nicht zum Satsang gekommen. Und dann hat der Swami Vishnu ihn rufen lassen und hat gesagt, wenn er nicht in den Satsang kommt, dann möge er bitte gehen. Als ich das mitgekriegt habe, ich war gerade in einer Verantwortungsposition und ich wusste wirklich nicht, wie wir das noch machen sollten. Es würde die nächste Woche ohne diese Spende die Elektrizität und das Telefon abgestellt werden. Und ohne Telefon kann man auch keine Anmeldungen mehr entgegen nehmen. Was macht man dann? Heutzutage sind die Telefonrechnungen niedrig, damals war es noch anders. Gut, die Sache ist glücklicherweise gut ausgegangen, der ist künftig in den Satsang gegangen und hat den Swami Vishnu bewundert auch dafür, dass der einen solchen Mut hat und er hat die Spende gegeben und der Ashram hat überlebt. Aber ich will euch nur sagen, ich habe keinen gekannt, der einen solchen Mut in jeglicher Hinsicht hatte wie der Swami Vishnu. Aber auch bei ihm konnte ich sehen, er hatte auch berechtigte Sorge und manchmal hat er auch irgendwo Überlegungen angestellt, wo ich gemerkt habe, man könnte es auch sagen, er hat eine gewisse Angst, aber nicht wirklich eine Angst, man würde eher sagen bei ihm, eine Sorge. Er konnte sich auch vorstellen, es können Dinge schiefgehen und er konnte sich sogar eine ganze Menge vorstellen, was schiefgeht. Er hat nur gedacht: „Egal, was schiefgeht, es spielt keine wirkliche Rolle. Aham Brahmasmi. Ich bin eins mit Brahman. Dennoch muss ich verantwortungsbewusst handeln.“ Also, das ist ein Aspekt, durch was entsteht Überängstlichkeit. Dann gibt es ein Buch von Swami Sivananda, dann nennt sich „Die Überwindung der Furcht“. Da gibt er eine Reihe von Tipps, was man umsetzen kann. Und vielleicht auch noch, und wir haben ja dieses Seminar auch, „Umgang mit Ärger und Angst“ oder „Überwindung von Ärger, Angst und Depressionen“. Das sind Seminare, die vielleicht noch zusätzliche Tipps geben können. Natürlich, Überängstlichkeit kann auch entstehen durch Überängstlichkeit der Eltern, Überfürsorglichkeit, kann entstehen durch eine traumatische Erfahrung, es kann durch Unsicherheit in der Kindheit oder im Mutterleib entstehen. Es kann eine Gefahr während der Schwangerschaft geherrscht haben. Eltern können an Abtreibung gedacht haben. In diesem oder in einem früheren Leben. Man kann in einem früheren Leben maßlos enttäuscht worden sein. Also, es gibt viele Gründe, die es noch zusätzlich gibt zu den allgemeinen. Tipp wäre insgesamt, es erst mal als Gabe anzusehen, zweitens zu sagen, dass es vielleicht positiv nutzbar ist, dass man vielleicht anderen damit helfen kann, aber dass man auch nicht sich davon beherrschen lassen sollte, sondern sich bewusst ist: „In mir ist auch Mut drin, in mir ist auch die Fähigkeit, voranzuschreiten, und ich kann auch mutig sein, gerade weil ich auch mal die Angst überwinde.“ Jetzt fällt mir nochmal etwas ein aus irgendeinem Film und zwar – kennt ihr Raumschiff Enterprise, Startreck? Irgendwann war ich mal ein großer Fan der Serie und da gibt es dann so einen Lieutenant Commander Deta, in der – ich glaube, es ist die Next Generation, da gibt es, glaube ich, vier oder fünf Staffeln bisher. In der Next Generation, das ist so ein Android, das ist eigentlich ein Computer, der aber so aussieht wie ein Mensch, der aber auch in vielerlei Hinsicht reagiert wie ein Mensch. Und irgendwann hat er einen Emotionschip bekommen. Und dann hat er auch Ängste empfunden und plötzlich wurde er ängstlich. Und da hat er sich mit irgendjemand unterhalten, der hat gesagt: „Jetzt kannst du wirklich mutig sein. Früher hattest du nie Angst gehabt und da ist es dir einfach gefallen, in die verschiedensten Situationen reinzugehen, denn du hattest keine Angst gehabt. Jetzt hast du Angst und jetzt, die Angst zu überwinden, das ist echter Mut. Früher warst du nicht mutig, jetzt kannst du Mut zeigen.“ Und natürlich, in der Geschichte geht es gut aus, ihm gelingt es tatsächlich, Mut zu zeigen und mit Angst umzugehen.

Neues Gewinnspiel im Februar 2012

Samstag, Februar 4th, 2012

uch im Februar gibt es ein Wochenendseminar in Bad Meinberg zu gewinnen.  Beantwortet einfach folgende Frage auf unserer Gewinnspielseite:

Welches Jubiläum feiert Yoga Vidya dieses Jahr?

Wenn du es weißt, dann trage dich ein. Mit etwas Glück kannst du schon bald bei uns in Bad Meinberg ganz entspannt Yoga machen oder die vielen anderen schönen Angebote des Hauses genießen.

Vertrauen entwickeln - Teil 9 - Umgang mit Angst

Freitag, Februar 3rd, 2012

Heute Nachmittag will ich zunächst auf einige Fragen eingehen, dann will ich insbesondere auf die Themen eingehen, Vertrauen in seine Mitmenschen entwickeln und Vertrauen in die eigene Intuition. Es gibt auch ein Handout, das ihr euch zum Ende abholen könnt, wo die wesentlichen Punkte, über die wir gesprochen haben, kurz angerissen sind. Also jetzt kein Buch, aber so mehr, dass ihr nochmal das nachlesen könnt und nochmal Anregungen dazu weiter durchgehen könnt, denn letztlich, Swami Vishnu hat immer gesagt: „Das Wichtigste ist sowieso alles schon in euch drin.“ Man muss manchmal nur lernen, die richtigen Fragen zu stellen und manchmal sich erinnern an das, was man weiß. Und da können manchmal auch kurze Punkte helfen. Und da stehen dann auch noch so ein paar Literaturempfehlungen drin und ein paar Seminare, die auch noch zum gesamten Kontext, Psychologie, Psychotherapie, eigene Entwicklung usw., passen.

Vielleicht auch noch eines. Ihr habt gemerkt, ich bin dieses Seminar hauptsächlich vom Spirituellen angegangen, gut, zum Teil auch ein bisschen Ressourcenorientierung, wie heute Morgen, wie man das neupsychologisch nennt. Aber im Grunde genommen sind das alles spirituelle Ratschläge. Es gibt noch mehr, was man vom Psychotherapeutischen machen kann. Es gibt ja auch ein Parallelseminar zu diesem Seminar, „Umgang mit Ärger, Angst und Depressionen“, das ist ja parallel gewesen, hat am Mittwoch begonnen, und da wird dann noch sehr viel mehr auch auf psychotherapeutische Techniken eingegangen und da gibt es dann eben auch einige im Haus, wo eben Yogaspiritualität auch mit psychotherapeutischen Techniken im engeren Sinne verbunden wird. Irgendwo, meine Frau hat mich gestern Abend noch darauf aufmerksam gemacht, ich hätte gestern etwas abfällig über Psychotherapie gesprochen. Sie ist selbst Psychotherapeutin und sie meinte, ich sollte das doch nochmal richtig rücken. Also, wenn ich gesagt habe, wenn man zum Psychotherapeuten kommt, dann findet der immer heraus, dass Vater und Mutter etwas falsch gemacht haben, da hat sie gemeint, dass wäre hier nur eine unvollständige Weise. Typischerweise wäre es auch Ziel einer Psychotherapie, auch anzuerkennen, dass die Eltern viel Gutes bewirkt haben und auch das könnte noch viel Positives bewirken, wenn man das angehen würde. Das wollte ich dann hier nochmal nachtragen, wenn da was falsch rübergekommen ist. Sie hat nur das gehört, was ich gestern im Satsang gesagt habe. Gut, ich will dann eben auch sagen, es gibt Menschen, bei denen kann es hilfreich sein, noch zusätzlich das, was wir jetzt vom spirituellen Standpunkt aus gemacht haben, nochmal auch von einem psychotherapeutischen Aspekt anzugehen, mehr in die eigene Biographie zu gehen, die eigenen Erfahrungen aufzubauen, traumatische und sonstige Erfahrungen. Auch das kann durchaus helfen. Und natürlich, es gibt überall gute Psychotherapeuten und hier im Haus haben wir auch so ein kleines Team von psychologischen Yogatherapeuten, die eben auch die Verbindung von Yogatechniken, auch spezialisierte Hatha Yoga Techniken, in Verbindung auch mit psychotherapeutischen Dingen, die man auch in Einzelsitzungen machen kann, plus auch natürlich die Spiritualität, die spielt hier immer eine Rolle bzw. ist die Grundlage.

Nach dieser Vorrede habe ich hier drei Fragen. Das erste ist: „Durch was entsteht Überängstlichkeit?“ Dort gibt es jetzt viele Antworten. Ich werde jetzt ganz früh ansetzen und zwar zu Beginn der Entwicklung von Säugetieren, die in Gruppen zusammen sind. Aber wir können es direkt auf die Menschen beziehen, aber das hat schon gestimmt als Pferde zusammen waren und Zebras und Hunde oder Wölfe in Horden. Einzelgänger, wobei Tiere nie vollständig Einzelgänger sein können, warum? Irgendwie müssen sie sich fortpflanzen und das geht schon mal nicht allein und spätestens nach der Fortpflanzung ist man erst mal zusammen. Aber es gibt solche, die sind eben nur für die Fortpflanzung da und wenn die Eier schlüpfen, dann hauen sie schnell ab oder vielleicht zum Teil schon vorher. Aber insbesondere Lebewesen, die in Horden leben, da ist es gut, wenn es eine arbeitsteilige Sache gibt. Das heißt, nicht jeder ist gleich. Grundsätzlich würde man sagen, angenommen, jemand wäre überhaupt nicht ängstlich, selbst heute. Also angenommen, man hätte überhaupt keine Angst und geht z.B. über die Straße und dann kommt ein Auto von nebenan. Wenn man gar keine Angst hätte, erst abwägen müsste: „Wird er mich noch treffen oder nicht? Sollte ich meine Schritte beschleunigen oder nicht?“ Dann wäre man höchstwahrscheinlich ziemlich schnell tot. Ähnlich auch, Menschen, die keine Angst haben, die werden oft zu Psychopathen. Irgendwo, wenn jemand vollkommen angstfrei ist, dann ist das ein Zeichen für Psychopathologie, das heißt, dann können sie sich auch nicht in andere hineinversetzen und dann, entweder sie sterben aus Leichtsinn oder sie machen alles mögliche Schlimme. Also, es ist gut erst mal, dass wir Ängste haben, will ich sagen. Und jemand der früher vielleicht in grauer Vorzeit so einen Tiger auf sich hat zulaufen sehen – die, die diese Beispiele von meinen letzten Seminaren kennen, mögen mir verzeihen, dass ich mich jetzt wiederhole. Also angenommen, man sieht einen Tiger auf sich zukommen und man bestaunt die schöne Farbe, diesen Kontrast aus schwarz und weiß und gelb, und er sieht auch irgendwie gut aus, und man ist ganz fasziniert, dieser betreffende Mensch hat seine Gene nicht weitergeben können, der ist gefressen worden. Deshalb sind wir eher die Nachfahren von ängstlichen Wesen als von angstfreien Wesen. Aber in einer Horde, also, wo mehrere zusammen sind, kann man sagen, da können Menschen, die angstfrei sind, deshalb überleben, weil es andere gibt, die Ängste haben. Also angenommen, jetzt so eine Horde ist da und da draußen ist schönes Wetter und dann gibt es da so einen, der genießt die Schmetterlinge und die Vögel, die dort wunderbar zwitschern und riecht die Blumen und fühlt die Erde und den Wind auf der Haut und findet das ganz toll. Und dann gibt es den anderen, und der andere denkt: „So ruhig, Vögel, Sonne scheint, da kann was nicht stimmen. In jedem Moment kann da ein Tiger kommen. Das kann nicht korrekt sein. Das ist nicht so, dass da alles in Ordnung ist. Irgendwo muss was nicht stimmen.“ Und wer wird typischerweise den Tiger zuerst entdecken? Der Überängstliche oder der, der irgendwo so in meditativer Versunkenheit die Schönheit der Schöpfung genießt.“ Der Überängstliche, der wird das zuerst sehen. Und der wird dann irgendwann schreien: „Tiger!“ Und was werden sie dann alle machen? Schnell in die Höhle oder irgendwo zusammengehen und irgendwo gemeinsam den Tiger vertreiben. Und wem muss der meditativ Schönheitsgenießende letztlich dankbar sein? Dem Überängstlichen. Und damit zunächst mal, durch was entsteht Überängstlichkeit? Die Überängstlichkeit entsteht daraus, dass Menschen in Gruppen zusammen sind und da ist es gut, dass es immer einen in der Gruppe gibt, der überängstlich ist. Angenommen, ihr seid in einer Firma und da ist niemand, der überängstlich ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Firma Bankrott geht als wenn da einer immer dabei ist: „Passt auf, die Verkäufe sind um zwei Prozent zurückgegangen.“ Oder: „Dort braut sich was zusammen und dort ist das.“ Die Leute nerven, aber sie sind wichtig. Und bei Yoga Vidya haben wir auch immer wieder solche und bis zu einem gewissen Grad habe ich auch diesen Anteil selbst in mir, immer gucken, da könnte was schief gehen. Nicht im Sinne von Angst und es ist alles schlimm, sondern im Sinne von Verantwortung, denn letztlich, Swami Sivananda hat auch manchmal gesagt: „Wenn der Ashram Pleite geht, dann gehen wir als Swami, also als Mönche, halt wieder betteln, wie das bei Swamis normalerweise üblich ist.“ Also, so hat er gesagt, wir können angstfrei sein. Wir sollten uns darum kümmern und sorgen aus Verantwortung, aber wir brauchen keine Angst zu haben. Und so ähnlich auch, Überängstlichkeit, ein Grund kann eben sein, es ist eine gewisse Fürsorglichkeit und als solches eine positive Eigenschaft, die ihr in euch wertschätzen könnt. Natürlich kann man sagen: „Aber diese Überängstlichkeit, sie lähmt mich. Sie führt dazu, dass ich nichts mache. Sie führt dazu, dass ich nachts Alpträume habe, morgens aufwache, dass ich mich nicht traue, mit meinem Chef zu reden, dass ich keinen Vortrag halte usw.“ Aber der erste Schritt wäre, erst mal zu erkennen: „Ich bin dort irgendwo, ich verkörpere eine Eigenschaft, die für das Überleben wichtig ist, und ich verkörpere eine Eigenschaft, die für das Überleben der Menschheit oder meiner Gruppe irgendwo hilfreich ist. Und dann kann man überlegen: „Wie kann ich diese Eigenschaft vielleicht durchaus gut nutzen?“ Also das Vertrauen, dass auch diese Eigenschaft irgendwo sinnvoll ist und dass es eine Gabe ist, aber dann kann man noch weitergehen und sagen: „Gut, aber ich brauche auch nicht der Sklave davon zu sein.“ Kein Mensch ist nur Ängstlichkeit und kein Mensch ist nur Mut.

- wird fortgesetzt -

Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln

Business Yoga Kongress 2012

Dienstag, Januar 31st, 2012

Vom 1. bis 3. Juni 2012 findet der 2. Business Yoga Kongress statt. Gesundheit ist unser höchstes Gut. Doch wie werden oder bleiben wir gesund in unserem gegenwärtigen Berufsleben? Business Yoga zeigt viele verschiedene Möglichkeiten mit den Anforderungen der heutigen Zeit besser umzugehen. Viele Praxisbeispiele erwarten euch in Workshops und Vorträgen. Das Thema “Arbeit und Gesundheit” beleuchten außerdem Menschen aus der Wirtschaft, Ärzte und Wissenschaftler wie z.B. der bekannte Rüdiger Dahlke. Darüber hinaus gibt es ein besonders Highlight: Business Theater mit Top Dogs.

Fragen an die Menschen in eurer Umgebung

Dienstag, Januar 31st, 2012

Die Blätter, die ihr jetzt habt, es wäre durchaus was Gutes, wenn ihr die so ein bisschen noch weiter entwickelt. Eine nächste Möglichkeit wäre auch, ihr stellt bestimmte Fragen den Menschen in eurer Umgebung. Ihr könnt ja z.B., wenn ihr einen Partner habt, könnt ihr eurem Partner sagen: „Du, ich war am Wochenende ja, wie du weißt, in einem Seminar“ – manche waren ja auch schon zusammen da – „was wäre aus deiner Sicht, was sind meine besonderen Fähigkeiten, meine besonders guten Charaktereigenschaften. Wo siehst du, was mich antreibt? Was habe ich Außergewöhnliches geleistet usw.?“ Und dann könnt ihr das so ergänzen. Manchmal ist die Eigenwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung nicht so ganz identisch. Und oft sehen andere Menschen einen positiver als man selbst, auch wenn sie das meistens nicht zum Ausdruck bringen, mindestens nicht in Deutschland. Wer mal in Amerika war, weiß, da ist es andersherum, da sprechen die Menschen vielleicht positiver über einen. Ich weiß jetzt nicht, ob sie positiver über einen sprechen als sie es denken, aber mindestens sprechen sie dort positiver und äußern das mehr, hier ist es seltener üblich. Aber wenn man nachhakt, stellt man doch fest, dass Menschen meist ein sehr viel positiveres Bild über einen haben als man selbst. Und was stellt man jetzt damit an? Also zum einen, ihr könnt das alles aufschreiben und dann habt ihr entweder ein Heft mit sieben oder acht Seiten oder ihr habt Blätter. Und dann könnt ihr z.B., angenommen, ihr habt dann irgendwo eine Situation, die nicht so einfach ist, dann kann man die Blätter nehmen, man kann sie als Orakel auch nehmen. Das könnt ihr jetzt z.B. gerade mal machen. Mischt einfach eure Blätter mal. Gut, wer jetzt Seiten hat, der kann sie nicht ganz so mischen, macht aber auch nichts. Und jetzt könnt ihr gerade so überlegen, welche besondere Aufgabe auf euch in nächster Zeit wartet, irgendeine. Es muss nicht die weltbewegende Rettung der Welt sein, es kann auch irgendwie was Kleines sein. Und jetzt könnt ihr irgendwo so eine Frage stellen: „Was könnte mir dabei helfen?“ Und nachdem ihr die Frage gestellt habt, jetzt greift einfach willkürlich einen Zettel heraus, ohne ihn anzuschauen, und dann nehmt einen Finger und bringt ihn irgendwo dort hin. Und dann guckt, ob das Sinn macht. Wenn es keinen Sinn macht, was macht man dann? Man schlägt nochmal auf. Bei manchen funktioniert so was recht gut und bei manchen funktioniert so was nicht so gut. Also, ihr könnt es verwenden wie eine Art Orakel oder, was ihr auch machen könnt, und das könnt ihr jetzt auch nochmal machen, ihr lest einfach nochmal alles durch vor dem Hintergrund, vor der Aufgabe, die euch demnächst erwartet und schaut: „Ist irgendwas von dem, was ich dort aufgeschrieben habe, vielleicht besonders hilfreich in nächster Zeit?“ Also, wem eben das Orakel hilfreich war, der kann jetzt überlegen: „Wie kann ich das, was ich eben entdeckt hatte, dort besonders umsetzen.“ Und wem das nicht so hilfreich war, geht einfach nochmal alles durch und kann auf einem separaten Zettel dann aufschreiben: „Was von all dem, was ich vorher dort aufgeschrieben habe, könnte in der Aufgabe, die jetzt in naher Zukunft auf mich wartet, was könnte ich davon einsetzen?“ Und am besten schreibt es dann auch auf, es sei denn, ihr wollt es einfach im Geist abmachen, aber oft hilft es, dann auch noch aufzuschreiben. Also, wie gesagt, es ist zum einen gut, wenn ihr überhaupt diese Sache ein bisschen fortführt. Ich hatte gesagt, eine der Möglichkeiten ist, ihr fragt jemand aus der Umgebung, sei es, eben euren Partner, sei es, beste Freundin, besten Freund. Man kann übrigens auch mal seinen Chef irgendwann mal fragen. Oder wenn man Chef ist, dann ist es leichter, dann kann man nämlich seine Mitarbeiter fragen. Es wird vermutlich nicht ehrlich sein, aber es gibt Zusatzinformationen. Man kann so sagen: „Was siehst du als meine besonderen Stärken an?“ Das scheint bei allen hier Bauchweh zu erzeugen. Ich muss zugeben, ich mache das auch selten. Man kann sich das auch vornehmen, dass man andere etwas… Nur, man sollte sich auch nicht damit unter Druck setzen. Ich gehöre auch zu denen, die nicht sehr häufig Anerkennung und Lob aussprechen für die Menschen, die ich besonders schätze. Und in Amerika ist mir das sehr viel leichter gefallen. Und je länger ich hier in Deutschland bin, umso weniger mache ich es. Irgendwo, man ist auch in einer Umgebung, wo es ist. Aber irgendwann habe ich gedacht, ich muss unbedingt loben. Da habe ich mich unter Druck gesetzt und am Abend gedacht: „Jetzt habe ich schon wieder nicht ausreichend gelobt.“ Also letztlich, es ist gut, wenn man es irgendwie macht und es ist gut, es ein bisschen zu entfalten, aber unter Druck setzen sollte man sich auch nicht. In Deutschland wird zu viel Loben als oberflächlich empfunden. Ich kann mich erinnern, als ich nach Amerika, nach Los Angeles noch dazu, das ist der Gipfel von Amerika der Positivität. Erst habe ich die Leute als oberflächlich empfunden. Aber dann habe ich gedacht: „Ist es tiefgehender, wenn man Leute hauptsächlich kritisiert? Ist das wirklich tiefer, als wenn man sie lobt?“ Wobei ich auch genügend Leute hatte, die konstruktive und destruktive Kritik geübt haben, auch in Amerika. Aber es ist manchmal, wenn alles nur positiv ist – irgendwo, ich habe mal so ein Buch gelesen: „Wie werden falsche Entscheidungen getroffen?“ Und die werden meistens getroffen, wenn sie einstimmig waren, und wenn keiner kritisiert hatte. So sind die großen schlechten Entscheidungen getroffen worden. Deshalb, man kann auch sagen, wenn man immer wieder alles kritisiert, irgendwo, es hat auch was Positives. Aber was man damit jetzt praktisch weiter anfangen kann. Also zum einen, ihr könnt das Ganze ergänzen. Ihr könnt andere darum bitten. Ihr könnt mindestens eure Partner darum bitten, wenn ein Partner dafür offen ist. Ihr könnt eure Freundin vielleicht darum bitten, man kann auch mal die Kinder oder das Kind bitten. Man kann auch mal mit bibberndem Herzen Vater oder Mutter bitten. Wie gesagt, man kann, aber man muss nicht. Ihr solltet hier nicht mit einem Zwang nach Hause gehen: „Das muss ich jetzt unbedingt machen, sonst gibt es karmisch schlechte Konsequenzen oder irgendjemand ist mir böse.“ Das kann eine Möglichkeit sein, oder ihr könnt auch es einfach selbst weiter aufschreiben. Und dann habt ihr etwas, worauf ihr zurückgreifen könnt. Ihr könnt darauf zurückgreifen eben als Orakel oder ihr könnt dann ab und zu mal durchgehen. Das nächste, was ihr damit auch machen könnt, ist, es als Gaben nehmen. Also, nicht sagen, „ich bin so ein toller Hecht“, denn damit haben ja einige hier irgendwo Schwierigkeiten, „ich habe das Große geleistet“, sondern „das sind irgendwo Gaben, die ich mitbekommen habe“. Gerade in den Paulusbriefen ist das – wer die Bibel kennt – ein sehr großes Thema, wo Paulus sagt: Gott oder der Heilige Geist hat einem alle möglichen Talente gegeben und wenn man die bekommen hat, dann sollte man sie auch irgendwo einsetzen. Nicht im Sinne von, „ich bin besser als andere“, sondern, „das habe ich jetzt bekommen“. Genauso wie, manche haben eben auch irgendwo eine Erziehung bekommen, manche sind auf eine Schule gegangen, manche haben vielleicht irgendwelches Geld geerbt, manche haben irgendwo einen Beruf bekommen, irgendwo durch eine glückliche Fügung, der zukunftsfähig ist, was andere vielleicht nicht hatten. Und das sind alles irgendwelche Gaben. Da kommt auch der Ausdruck „Talent“ her. Talent heißt tatsächlich Gabe, die wir bekommen haben, und die wir dann einsetzen können. Und dann kommt die Demut so ein bisschen ins Spiel. Und dann kann man eben auch überlegen: „Was kann ich dort weiter machen mit meinen Talenten und Fähigkeiten?“ Und die nächste Frage, die man auch stellen kann, wenn wir das eben auch als Gabe interpretieren, wir können auch überlegen: „Was kann ich weiterentwickeln?“ Vielleicht auch noch einen Schritt zurück, noch eine nächste Weise, wie ihr das mehr füllen könntet, wäre, ihr könnt überlegen: „Als ich acht Jahre alt war, was hätten andere gesagt, was meine besonderen Fähigkeiten sind?“ Das ist manchmal noch eine einfachere Weise, mit Mutter oder Tante ins Gespräch zu kommen: „Als ich acht Jahre alt war, was fandst du meine besonderen Gaben damals?“ Acht oder neun Jahre. Praktisch lange vor der Pubertät, da hat man manchmal noch mehr, was vielleicht von einem früheren Leben irgendwo ist, und was noch nicht durch alles andere durcheinandergerüttelt ist. Irgendwo habe ich übrigens mal gelesen, eigentlich das wichtigste Zeugnis für einen Arbeitgeber wäre die Beurteilung am Ende der ersten Klasse und das erste Zeugnis der zweiten Klasse. Dort würde man sehr viel mehr daraus erkennen können als aus allen anderen Zeugnissen. Aber, ich meine, glücklicherweise wird darauf nicht zurückgegriffen. Aber das nur, da kann man auch überlegen: „Von dieser Warte aus, was war damals angelegt?“ Und vielleicht stellt man dann fest, was man heute vielleicht vergessen hat. Und eine nächste Möglichkeit wäre noch, als Teenager als ihr irgendwo fünfzehn bis zwanzig wart, die chaotische Zeit der Neubesinnung, wo ihr nicht wusstet, was ihr vom Leben wollt und wie es weitergeht, ihr vielleicht rebelliert habt oder auch nicht. Was hättet ihr dort als eure besonderen Fähigkeiten angesehen. Und auch das kann man dort auch noch aufschreiben. Das sind so zwei wichtige Perioden im Leben, einige Jahre vor der Teenagerzeit und dann die Teenagerzeit selbst, und dort kann man dann auch nochmal aufschreiben. Und dann, wenn man das so gemacht hat, dann kann man eben auch feststellen: „Was kann ich weiterentwickeln?“ Und vielleicht gab es irgendwas aus der Zeit, was man nicht weiterentwickelt hatte und was vielleicht noch bleibt. Oder vielleicht gibt es was ganz anderes, wo man nie daran gedacht hat, was sich weiterentwickeln kann. Könntet ihr gerade nochmal zwei Minuten lang entweder ergänzen, im Sinne von, was hätten vielleicht eure Eltern oder Lehrer gesagt oder ihr selbst, als ihr acht oder neun Jahre alt wart, was eure besonderen Fähigkeiten, Talente sind. Was hättet ihr oder andere gesagt als ihr Teenager wart? Oder ihr könnt aufschreiben auf einem nächsten Blatt: „Was könnte ich vielleicht noch weiter entwickeln?“ Dann könnt ihr langsam abschließen, auch wenn das vielleicht eine sehr kurze Zeit war dafür. Aber vielleicht könnt ihr das ja später ergänzen, sei es, wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann das ja vielleicht im Zug weiter ergänzen, das ist oft ein guter Moment, oder irgendwann sonst.

Wir werden gleich „Om“ sagen und danach habt ihr eine Viertelstunde Pause. Um 09:15 Uhr gibt es dann verschiedene Yogastunden. Eine Yogastunde, die so ein bisschen auch auf eure Thematik ausgerichtet ist, ist eine, die heute aus dem Jnana Yoga ist. Frage: „Wer bin ich?“ Und die vier Mahavakyas, im Sinne von Vertrauen bekommt man auch, wenn man irgendwo erfährt: „Es gibt eine höhere Wirklichkeit und ich bin letztlich jenseits von Körper, Persönlichkeit und alles äußeren Talenten und Fähigkeiten.“ Darum wird es in der Stunde hier gehen. Dann gibt es eine Anfängerstunde im Saraswati Raum. Es gibt eine Klangyogastunde im Ananda Raum, das ist im Projekt Shanti, also Gebäude vorne, müsst ihr den Schildern Richtung Projekt Shanti folgen und dann dort Richtung Ananda Raum. Und es gibt eine fordernde Stunde, wer einfach körperlich ein bisschen die Asanas intensiv üben will und neue Asanas lernen will im Svadhisthana Raum.

- wird fortgesetzt -

Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln

Yoga Vidya Newsletter Februar 2012

Montag, Januar 30th, 2012

Der neue Yoga Vidya Newsletter ist erschienen – voll mit Informationen rund um Yoga, Meditation, Ayurveda, Gesundheit, spirituelles Leben. Aus dem Inhalt:

Bhramari, die Yoga Bienen-Atmung

Sonntag, Januar 29th, 2012

Lerne Bhramari, die “Biene” Atemübung. Eine Übung für die Verbesserung der Stimme, für gesunde Stimmbänder, zur Erhöhung der Atemkapazität. Dieses Pranayama hilft auch, Zugang zu seinem Herzen zu bekommen und Freude zu spüren. Einfache Variation. Mitschnitt aus einem Workshop mit Sukadev während einer Yogalehrer Ausbildung im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg.

Tinnitus Seminar mit individueller Aufklärung

Samstag, Januar 28th, 2012

Tinnitus-Programm mit Bhajan Noan, 24.02.12 – 26.02.12 Seminarhaus Yoga Vidya Bad Meinberg. Bhajan ist Atemtherapeut, Yogalehrer, Physiotherapeut, Heiler (DGH) und Autor, arbeitet als Dozent und Ausbildungsleiter an namhaften Instituten in Deutschland und der Schweiz. . Rauschen, Pfeifen, Klingeln in den Ohren – viele Menschen leiden darunter und suchen verzweifelt Abhilfe. Jeden kann es befallen. Was sind die äußeren und inneren Ursachen? Was kann mir wirklich helfen? Wie kann ich vorbeugen? Das vom Atemtherapeuten Bhajan Noam entwickelte Tinnitus-Programm vermittelt dir effektive Übungen und Selbstbehandlungsmethoden aus Yoga, Ayurveda und Entspannungstherapie und zeigt dir einfache Lösungsvorschläge auf.

Vertrauen entwickeln - Teil 8 - Lebe deine Stärken

Freitag, Januar 27th, 2012

Im Kontext von Vertrauen entwickeln, ist auch Selbstvertrauen von besonderer Bedeutung. Gestern haben wir uns mehr beschäftigt mit, man kann sagen, Schicksalsvertrauen, Sinnvertrauen, Gottvertrauen, irgendwo auch Vertrauen, dass auch Menschen, die komisch mit uns umgehen, irgendwo uns auch auf dem Weg weiterhelfen. Das war eine Art von Vertrauen. Natürlich, in dem Kontext war auch schon Selbstvertrauen dabei, aber heute geht es etwas mehr um das Thema „Selbstvertrauen“. Und da werdet ihr heute hauptsächlich schreiben, indem ihr jetzt eure acht Zettel, die ihr habt, dort betitelt. Ihr könnt es auch in euer Buch schreiben, es muss nicht unbedingt ein Zettel sein, aber auf acht verschiedene Seiten. Und dort schreibt ihr als erstes auf einen Zettel oder auf eine Seite „Meine Fähigkeiten“. Und darunter: „Meine Charaktereigenschaften“. Und es kommt jetzt bei all dem nicht darauf an, dass das sauber getrennt ist, es wird nachher nicht beurteilt, ob ihr das richtig gemacht habt. Und wenn ihr irgendwo etwas leicht abwandeln wollt, ist das natürlich auch ok. Aber man kann sagen, Fähigkeiten heißt z.B., „ich kann lesen und schreiben, ich kann einen Computer bedienen, ich kann Microsoft Word, ich kann Autofahren, ich kann Fahrradfahren, ich kann Nordic Walking, ich kann Schwimmen, ich kann Yoga unterrichten, ich kann Tiefenentspannung anleiten usw.“ Das sind Fähigkeiten. Und dann gibt es Charaktereigenschaften, z.B., „ich bin mitfühlend, ich bin einfühlend, ich bin enthusiastisch“ und da kann man immer auch schauen, wie man das positiv beschreiben kann. Also angenommen, ihr empfindet euch als jähzornig, dann würde ich nicht schreiben, dann würde ich euch nicht raten, das als Jähzorn zu bezeichnen, sondern wie könnte man „jähzornig“ positiv deuten? Temperamentvoll, aber man kann auch sagen, kann überlegen, „wegen was ärgere ich mich“, dann kann man sagen, „Gerechtigkeitssinn ist bei mir groß“ oder „ich will Sachen schnell erledigt haben, ich bin effizient und zügig und ich will Sachen durchgesetzt haben“. Das ist auch irgendwo, vielleicht Charaktereigenschaft ist etwas übertrieben, aber so in der Art. Oder angenommen, man würde sagen, „ich bin nachlässig“. Wie könnte man das anders deuten? „Ich bin gelassen, ich nehme Kleinigkeiten nicht so wichtig.“ Also, in diesem Sinne könnt ihr aufschreiben.

„Was treibt mich an?“ - ist, was ich für besonders wichtig halte oder - „Was entfacht meinen Enthusiasmus?“ – könnte man auch sagen. Da könnt ihr überlegen, wenn ihr irgendwas macht, was treibt euch an. Bei manchen ist es so, sie sehen eine Ungerechtigkeit, jetzt wollen sie sich darum kümmern. Beim nächsten, wenn sie irgendwo eine neue Lösung finden können, dann führt das zum Enthusiasmus. Beim nächsten mag es sein, wenn sie was Neues machen, wird es toll. Oder beim nächsten, irgendwas neu organisieren. Oder beim nächsten, irgendwelche Zahlenstatistikkolonnen durchwühlen. Es gibt Leute, die können sich darin verlieren und werden enthusiastisch, wenn sie irgendwelche Gesetzmäßigkeiten in Zahlenreihen durchforsten können. Gut, das ist so, die ersten drei sind vielleicht das Wichtigste und mindestens da könnt ihr euch mit beschäftigen. Aber es gibt die nächsten, die einem auch helfen: „Was habe ich in diesem Leben schon Außergewöhnliches geleistet?“ Irgendetwas Besonderes. Oder: „Was sind meine besonderen zwischenmenschlichen Fähigkeiten?“ „Ich kann zuhören. Ich kann jemand anderes guten Rat geben. Ich erkenne, wie jemand tickt.“ Oder: „Ich fordere das Beste in anderen Menschen heraus.“ Oder: „Ich bin zwar provozierend, aber auf diese Weise werden Menschen aktiv um mich herum.“ Dann: „Auf welche Menschen kann ich zählen?“ Hundertprozent zählen kann man auf keinen Menschen. Warum nicht? Der kann auch sterben und dann ist er nicht mehr da. Deshalb, Hundertprozent zählen kann man auf keinen, aber auf manche Menschen kann man sich schon eher verlassen. Und als letztes: „Woraus beziehe ich ganz tief meine Sicherheit?“ Und das kann ein Schicksalsvertrauen sein, es kann Gottvertrauen sein, oder man kann sagen: „Daraus, dass ich weiß, nichts ist sicher, und weil ich das weiß tief im Inneren, daraus ziehe ich meine Sicherheit.“ Oder auch vom vedantischen Standpunkt aus, im Sinne von: „Es ist alles eine Illusion und es spielt deshalb eh keine Rolle. Daraus beziehe ich eine große Sicherheit und sehe alles als ein kosmisches Spiel an.“ Gut, jetzt könnt ihr anfangen, zu schreiben. Eventuell, die, die nicht mehr schreiben, können auch nochmal überlegen, ihr könnt es entweder dann aufschreiben oder überlegen oder man kann auch einfach zwei Minuten meditieren, aber ansonsten könnt ihr auch noch überlegen, was ihr vielleicht an euch selbst nicht mögt, was für Positives dahinterstecken kann. Wie ich es eben gesagt habe, wenn man sich als ungeduldig erlebt, heißt vielleicht auch: „Ich will Dinge geschafft kriegen.“ Oder wer denkt, „ich bin zu selbstkritisch“, das kann man auch positiver formulieren, „ich will mich immer weiter fortentwickeln“. Wer sich oft als verzweifelt erlebt, kann auch überlegen, vielleicht steckt auch da was Positives dahinter. Ich finde so interessant, wenn man über sich selbst nachdenkt, was einem dort alles einfällt, was man normalerweise nicht macht. Damit haben schon zwei irgendwo Probleme gehabt, du hast gesagt: „Ich habe sowieso nichts gemacht. Der hat so viel beigetragen.“ Und du sagst: „Was wäre außergewöhnlich?“ Wie würde man es vielleicht besser definieren? Vielleicht hängt „außergewöhnlich“ tatsächlich etwas hoch. „Was habe ich Gutes geleistet?“ Aber „großartig“ ist vielleicht auch außergewöhnlich. Oder überhaupt: „Was habe ich…“ Oder ihr könnt sagen: „Was hat sich in meiner Gegenwart entwickelt?“ Oder so etwas. Wenn man eben eigentlich so etwas diesen Zugang hat vom Bhakti her: „Ich mache sowieso nichts, Gott macht alles.“ Man muss auch nicht alles dort sagen.

- wird fortgesetzt -

Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln

Seminartipp – Klangtherapie im Yogaunterricht

Donnerstag, Januar 26th, 2012

Klangtherapie im Yogaunterricht -Yogalehrer Weiterbildung  03.02.12 – 05.02.12 im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Du möchtest Klangschalen und/oder Gongs im Yogaunterricht einsetzen? Hier lernst du, wie du mit Hilfe von Klang deinen Yogastunden eine besondere Note geben kannst. Mit den Klängen kannst du deine TeilnehmerInnen noch leichter in die Tiefenentspannung oder Meditation führen. Außerdem lernst du, Klangschalen und Gongs auch gezielt in den Asanas und beim Sonnengruß einzusetzen. Klangyoga, auch Nada Yoga genannt, hat eine lange Tradition. Klangyogastunden sind bei Kurstteilnehmern/innen sehr beliebt. Der Klang ist so fein in seiner Schwingung, dass er bis auf Zellebene in uns dringen kann. Er berührt uns in unseren tiefsten Tiefen und spricht das Urvertrauen an. Alles Leben ist Schwingung, Schwingung ist Klang. Also kann Klang niemals gegen etwas sein. Das würde heissen gegen das Leben zu sein. Der Klang wird sich sanft und zärtlich dem Wesen nähern, in das Wesen eindringen und zu verstehen geben, dass kein Kampf mehr nötig ist.

Vertrauen entwickeln - Teil 7 - Liebe trotzdem

Mittwoch, Januar 25th, 2012

Es gibt einen schönen Text, der ausnahmsweise nicht von Swami Sivananda ist, von einem namens Kent Keith aus dem Buch „Paradoxe Empfehlungen“. Ein Text, den man ab und zu mal lesen kann.

„Menschen erscheinen manchmal unverschämt, unvernünftig und Ichbezogen – liebe sie trotzdem.
Wenn du gütig bist, werden dir manche vorwerfen, du hättest eigennützige Hintergedanken – sei trotzdem gütig.
Wenn du erfolgreich bist, wirst du scheinbar einige falsche Freunde und einige echte Feinde bekommen – sei trotzdem erfolgreich.
Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verletzlich – sei trotzdem ehrlich und offen.
Wer groß denkt, wird manchmal von Kleingeistern behindert – denke trotzdem groß.
Was du über Jahre aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden – baue trotzdem auf. Wenn du heiter und fröhlich bist, mögen Menschen dich beneiden – sei trotzdem heiter und fröhlich.
Was du heute Gutes tust, kann morgen vergessen sein – tue trotzdem Gutes.
Die Menschen, die Hilfe brauchen, mögen dich angreifen, wenn du ihnen hilfst, oder vergessen, was du ihnen getan hast – hilf den Menschen trotzdem.
Gib der Welt so viel du kannst und es wird nie genug sein – gib der Welt trotzdem so viel du kannst.“

Das sind Dinge, über die man öfters mal nachdenken kann, denn manchmal denkt man, wenn wir Gutes tun, dann müssten ja andere genau das gleiche auch tun. Es gibt eigentlich die goldene Regel: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu. Und reagiere so, wie du gerne hättest, dass andere auf dich reagieren. Nur, man sollte nicht annehmen, dass jeder das so schätzt, was man macht. Und deshalb gibt es diesen Ausdruck „trotzdem“. Und man kann das auch fast wie ein Mantra machen, „trotzdem“. Das ist auch überschrieben als „trotzdem“. Also, wir können uns bewusst sein, langfristig auf die Dauer hilft das alles. Es hilft uns und es hilft anderen. Kurzfristig wird es zwischendurch Leute geben, die das nicht schätzen. Zu viele Menschen lassen sich davon abhalten, Gutes zu tun, weil es einmal jemanden gegeben hat, der sie dafür angegriffen hat, was sie Gutes tun. So wie es hier erscheint: „Menschen erscheinen oft unverschämt, unvernünftig und Ichbezogen.“ So handeln Menschen öfters. Aber Menschen sind nicht deshalb liebenswert, weil sie so großartig sind, allein dadurch, dass Menschen Menschen sind, sind sie liebenswert. Und man sagt auch, man wird respektiert für seine Stärken und geliebt für seine Schwächen. Und wenn wir nur Menschen lieben würden, die nur gute Eigenschaften haben, dann bleibt kaum noch jemand übrig. Und natürlich, die Eigenschaften, die es am schwierigsten macht, Menschen zu lieben, sind, wenn sie unverschämt sind oder mindestens uns erscheinen sie so. Ob sie wirklich unverschämt sind, ist ja noch eine ganz andere Frage. Wir sagen, uns erscheinen sie unverschämt, unvernünftig, Ichbezogen, dennoch, wir lieben sie trotzdem. Und das nächste ist: „Wenn du gütig bist, werden dir manche vorwerfen, du hättest eigennützige Hintergedanken.“ Ich glaube, das ist auch schon jedem so gegangen. Er hat wirklich sich bemüht, was Gutes zu tun, hat davon abgesehen, an eigenen Interessen, hat wirklich was Gutes getan, und manchmal wird es ja auch wertgeschätzt, vermutlich, es wird häufiger wertgeschätzt als nicht wertgeschätzt, aber dann gibt es den ein oder anderen, der einem vorwirft: „Du machst das nur deshalb.“ Dann ist man vollkommen verblüfft. Man hatte diesen Hintergedanken noch nicht mal wage gehabt. Und dann gibt es zu viele, die sagen: „Also, wenn das das Resultat ist, wenn ich mal freundlich bin, dass mir das vorgeworfen wird, dann werde ich nie mehr freundlich sein.“ Gut, glücklicherweise, nach ein paar Tagen ändert man das wieder, aber man sollte sich nicht davon abhalten, Gutes zu tun, nur weil andere einem vorwerfen, man hätte eigennützige Hintergedanken. Oder das nächste ist: „Wenn du erfolgreich bist, wirst du scheinbar einige falsche Freunde und einige echte Feinde bekommen.“ Auch das, es wird, wenn man erfolgreich in irgendwas ist, notwendigerweise wird es Neider geben. Solange man klein ist, dann gibt es kaum jemanden, der was dagegen hat. Aber sowie man irgendwie groß wird – das muss jetzt nicht heißen, dass man jetzt irgendwo international bekannt wird, sondern es reicht schon aus, wenn man irgendwo in seinem kleinen Bereich irgendwo größer wird. Schon wenn man in der Firma plötzlich zum Abteilungsleiter wird oder Teamleiter – vorher war man in seinem Team mit seinen Kollegen und es schien alles gut zu sein, prompt wird man zum Teamleiter oder Abteilungsleiter, prompt, Menschen, mit denen man vorher gut zurechtgekommen ist, verhalten sich ganz anders. Oder angenommen, man ist in einem Verein, engagiert sich, lässt sich zum Vereinsvorsitzenden wählen – es gab noch nicht mal irgendjemand anderes, der die Position angenommen hätte – man hat es nur gemacht, weil niemand anderes da war und die Sache ist irgendwo gut, prompt gibt es Leute, die usw. Also, dem ist so, und trotzdem sollte man einiges bewirken. Und wenn man von vornherein weiß, dass das vermutlich mit einhergeht, dann erstaunt es einen auch nicht, wenn es so passiert.

Daher nochmal die anderen ohne weiteren Kommentar, aber nochmal gelesen:

„Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verletzlich – sei trotzdem ehrlich und offen.
Wer groß denkt, wird manchmal von Kleingeistern behindert – denke trotzdem groß.
Was du über Jahre aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden – baue trotzdem auf. Wenn du heiter und fröhlich bist, mögen Menschen dich beneiden – sei trotzdem fröhlich.
Was du heute Gutes tust, kann morgen vergessen sein – tue trotzdem Gutes.
Manche Menschen, die Hilfe brauchen, mögen dich angreifen, wenn du ihnen hilfst – hilft ihnen trotzdem.
Gib der Welt so viel du kannst, es wird nie genug sein – gib der Welt trotzdem so viel du kannst.“

Hari Om Tat Sat

- wird fortgesetzt -

Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln

Yoga für Schwangere – Yogalehrer Weiterbildung

Mittwoch, Januar 25th, 2012

Seminartipp – Yoga für Schwangere – Yogalehrer Weiterbildung 24.02.12 – 26.02.12 im Seminarhaus Yoga Vidya Bad Meinberg. Lerne, spezielle Yogakurse für Schwangere zu unterrichten. Inhalte: Innere und äußere Veränderungen in der Schwangerschaft und wie diese durch Yoga harmonisiert und unterstützt werden können. Besonderheiten in den einzelnen Schwangerschaftsphasen. Aufbau der Yogastunde. Asana zur Wirbelsäulenstreckung, Rückenstärkung und Beckenöffnung. Spezielle Atemtechniken und Konzentrationshilfen. Mutter-Kind-Meditation. Mit Tipps aus der Hebammensprechstunde und einer Beispielyogastunde für Schwangere.

Events und Kongresse 2012

Dienstag, Januar 24th, 2012

Weltyogatag am Sonntag 26.02.2012  sowie  Tag der offenen Tür in Bad Meinberg.  Zum sechsten Mal findet der Weltyogatag statt. Dieser Tag wurde ins Leben gerufen, um ein Zeichen für Menschenrechte und ein friedliches Miteinander zu setzen. Auf der ganzen Welt veranstalten und praktizieren Menschen am selben Tag, zwischen 11 und 13 Uhr gemeinsam Yoga und Meditation. Yogalehrerinnen und Yogalehrer unterrichten kostenfrei und teilnehmende Yogis und Yoginis können für einen guten Zweck spenden und sich so für die Verbesserung der Menschenrechte einsetzen.Alle Spenden aus dem World Yoga Day 2012 gehen dieses Jahr an “Reporter ohne Grenzen/ Reporters without Borders”.

Vertrauen entwickeln - Teil 6 - Gottvertrauen entwickeln

Montag, Januar 23rd, 2012

Ich möchte heute Abend ein paar Worte sagen vom Standpunkt von Bhakti her. Bhakti heißt Hingabe. Bhakti heißt Verehrung Gottes. Ich gebe ja gerade hier auch ein Wochenendseminar „Vertrauen entwickeln“. Und Vertrauen hat viele verschiedene Aspekte und vermutlich, das tiefstgehendste Vertrauen können wir bekommen, wenn wir Zugang finden zu einer höheren Wirklichkeit. Und wir singen ja zum Ende des Satsangs immer einige Mantras im Rahmen des Arati und das sind eigentlich Mantras des Vertrauens, sind Mantras des Loslassens. Wir rezitieren im Ashram ja morgens das Twameva, wir rezitieren es abends. Und morgens ist es so etwas wie ein Anvertrauen von all dem, was uns heute erwartet an Vertrauen an Gott und abends, all das, was wir gemacht haben, können wir loslassen, so dass wir anschließend gut schlafen können. Und die heutige Welt wird immer komplexer, man hat immer mehr Anforderungen und kaum jemand hat das Gefühl, dass er allen Anforderungen gewachsen ist. Unsere heutige Welt ist immer eine der Beschleunigung und irgendjemand hat mal gesagt: „Wenn du das Gefühl hast, dass du alles unter Kontrolle hast, dann läufst du nicht schnell genug.“ Das ist so ein bisschen dieser Geist der modernen Zeit. Und das ist auf der einen Seite gut, denn so können wir viel erleben, wir können viel erfahren, wir können viel bewegen, vielleicht auch mit dieser Einstellung sind Erfindungen gemacht worden, so dass wir jetzt nicht – mindestens in unseren Breiten – Angst haben müssen, ob wir diesen Winter überleben, weil wir vielleicht ansonsten verhungern würden, sondern es ist irgendwo eine Energie freigesetzt worden, so dass wir mindestens in diesen Breiten nicht befürchten müssen, dass bis zum Frühjahr die Hälfte des Stammes gestorben ist, wie es früher bei den alten Germanen üblich war in jedem dritten oder vierten Jahr, wenn die Ernte nicht ausreichend gut war. Also, es hat schon was Gutes auch und es hat auch was Gutes vom Standpunkt des Karmas her, man kann mehr erleben, mehr erfahren, also zügiger vielleicht sich entwickeln und wir können auch mehr Karma abarbeiten, vielleicht auch schneller zur höchsten Verwirklichung kommen. Mindestens können wir das hoffen. Gut, aber es hat natürlich auch Nachteile und Nachteile hat unter anderem, dass Menschen nicht mehr so gut schlafen können. Schlafstörungen sind weit verbreitet. Und wenn man überlastet ist und nicht richtig schlafen kann, dann kommt man sehr schnell in irgendeinen Burnout oder Überlastung oder Ängstlichkeit, Paranoia oder wie man es auch ausdrücken will. Und vor allen Dingen fällt es dann auch schwerer, zu meditieren. Und so ist es gut, dass wir morgens alles, was wir tun, Gott anvertrauen, und dass wir abends, was auch immer wir tun oder getan haben, auch wieder Gott anvertrauen. Swami Sivananda hat so schön gesagt: „Beginne den Tag mit Gott und schließe den Tag mit Gott, dann anschließend kannst du daran denken, fülle den Tag mit Gott und dann lebst du immer in Gott.“ Aber erst mal können wir damit anfangen. Und ein einfaches Gebet morgens wäre, zu sagen: „Oh Gott, was auch immer heute kommt, ich nehme es an als Deine Aufgaben an mich. Was auch immer kommt, ich nehme es an als Deinen besonderen Segen. Und was auch immer heute kommt, ich will es so gut tun, wie ich es kann. Und ich vertraue darauf, dass Du mir all die Fähigkeiten gibst, die ich brauche, um die Aufgaben zu erledigen.“ Und am Abend können wir auch wieder vielleicht kurz den Tag Revue passieren lassen, was so alles gewesen ist, und wir können dann sagen: „Was auch immer ich getan habe, habe ich nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, so gut, wie ich es in dem Moment gemacht habe.“ Und so sollte man es auch tatsächlich machen. Wenn ihr z.B. die Wahl habt, was gut zu tun oder schlecht zu tun, dann sollte man es gut tun. Aber angenommen, man hat nur die halbe Energie, und dann kann man es vielleicht auch nur halb gut machen. Und wenn man es halb gut macht, dann macht man es immer noch so gut, wie man es in dem Moment machen kann. Wir können es nicht so gut machen, wie wir es machen würden, wenn wir jemand anderes wären als wir in dem Moment sind, oder in dem Moment machen können, wo wir gerade da sind. Und wenn wir mit dieser Einstellung es machen, das, was wir tun, so gut zu machen, wie wir können, im Bewusstsein, menschliche Fähigkeiten und die eigenen Fähigkeiten haben ihre Grenzen, aber wenn wir es trotzdem so gut machen, wie wir können, können wir am Abend guten Gewissens sagen: „Oh Gott, was auch immer ich getan habe, ich bringe es dir dar. Was auch immer ich gemacht habe, ich bringe es dir dar.“ Das ist ein einfaches Gebet. Oder ihr könntet das ganze Twameva singen, ihr könnt natürlich auch das Arati mitmachen oder ihr könnt nur diesen Teil sagen. Twameva Mata – Oh Gott, Du allein bist Mutter. Cha Pita Twameva – Du bist mein Vater, Du bist meine Freunde, Du bist meine Verwandte, Du bist alle meine Besitztümer, Du bist alles, alles, alles alles. Und das hat mehrere Bedeutungen. Es heißt zum einen, alle Menschen, die mir viel bedeuten, und alles, was mir viel bedeutet, ist letztlich wie ein Geschenk Gottes oder eine Manifestation Gottes. Das ist eine Weise, das zu sehen, und so können wir dankbar sein. Und wir können auch sagen: „Alles Wertvolle in meinem Leben ist irgendwo etwas, was von Gott kommt.“ Wir können es auch noch anders sagen, man kann auch sagen, all das, was wir uns erhoffen würden in einer idealtypischen Traumwelt, von Mutter, von Vater, von Verwandten, von Freunden, von Besitz und eigenen Fähigkeiten, all das, was wir dort erhoffen würden, dem kann vermutlich keiner gerecht werden. Ich glaube jeder, der jemals bei einem Psychotherapeuten war, weiß, Vater und Mutter sind an allem Möglichen schuld. Fünfundneunzig Prozent aller Eltern, vielleicht sogar mehr, haben als eine der Hauptmotivationen im Leben, das Bestmögliche zu tun für ihr Kind. Dennoch, fast jeder wird feststellen, die Eltern haben was falsch gemacht. Letztlich das, was Eltern tun sollten, können sie nicht tun. Das sind schon die Paradoxien der Kindererziehung. Auf der einen Seite soll man ein Kind immer trösten und Urvertrauen aufbauen, dass ein Kind nie umsonst schreit, dass es weiß, Urvertrauen. Auf der anderen Seite darf man Kindern auch keine Frustrationserlebnisse ersparen, sonst werden sie nachher, spätestens wenn sie in den Kindergarten kommen, dann erleben sie den Schock ihres Lebens, denn plötzlich tanzt nicht mehr jeder nach ihrer Laune. Schon dort könnt ihr sehen – wie kann man beidem gerecht werden? Antwort, ehrlich? Gar nicht. Und so, wer also Eltern ist, wird vielleicht mit seinen Eltern etwas mehr Mitgefühl haben. Gut, aber das, was wir erwarten von unseren Eltern oder erwartet hätten oder meinen, wir hätten es erwarten können, eigentlich kann das nur Gott wirklich erfüllen. Bedingungslose Liebe, Mata, die Mutter, kann Gott letztlich für uns sein. Bedingungslose väterliche Liebe, Pita, auch das kann Gott für uns sein. Ich hatte heute Nachmittag auch eine Frage: „Was kann man machen, wenn man keine liebevollen Eltern gehabt hat?“ Genaue Details habe ich nicht erfahren, weil es nur so ein anonymer Zettel war, aber es gibt Menschen, die haben schlimme Eltern auch gehabt. Wenn ich sage, fünfundneunzig Prozent, dann gibt es noch die restlichen paar Prozent. Dann können wir immer noch sagen, aber es gibt Eltern, die ideal bleiben, weil das ja aus der Transzendenz kommt, das ist letztlich Gott, Göttin, kosmischer Vater, kosmische Mutter. An die können wir uns wenden. Und wir können um göttliche Umarmung bitten, wie eine Mutter. Wir können darum bitten, dass wir lernen und wachsen, wie es ein Vater uns beibringen will. Wir können mit Gott sprechen, wie zu einem Freund. Und der ist immer da. Man kann zwar sagen, heutzutage ist auch Freund, Freundin immer da, nämlich wie? SMS. Ich weiß nicht, wird heute noch so gesmst oder wird nur noch gefacebooked? Geemailt in jedem Fall und telefoniert auch, sehen hoffentlich auch noch. Aber manchmal geht es nicht immer. Gott ist aber immer da, wir können immer Gott unser Herz ausschütten. Und auch, wenn die physischen Besitztümer uns verschwinden, dann, Gott bleibt weiterhin. Auf der physischen Ebene ist alles, was wir haben, letztlich eine Leihgabe mit unbestimmter Leihdauer. Es kann uns alles wieder genommen werden. Und in der letzten Bankenkrise hat man festgestellt, selbst der Euro an sich ist unsicher. Das Bankensystem ist unsicher. Es ist möglich, dass die gesamte Weltwirtschaft kollabiert. In den letzten zwei Jahren ist dieser Kollaps, ich glaube, dreimal abgewendet worden, indem ganze Volkswirtschaften das gesamte Volksvermögen der nächsten Jahre und Jahrzehnte verpfändet haben. Es bleibt nicht mehr viel, was man noch verpfänden kann. Also, es kann jederzeit passieren. Dennoch, es gibt etwas, auf das wir bauen können, und das ist letztlich Gott. Und das können wir morgens sagen, wir können es abends sagen. Zum zweiten können wir auch sagen: „Was auch immer ich tun werde oder getan habe, das will ich Gott darbringen.“ Das ist dieses „Kayena Vacha“. Zum Schluss ist dort „Narayanayeti Samarpayami. Das bringe ich Narayana dar.“ Narayana, Gott oder eigentlich, Narayana heißt, dem, der in allen Geschöpfen ist. Also, im Deutschen der Ausdruck „Gott“ ist ja immer ein bisschen schwierig, der ist mit Konnotation, manche haben dort schlechte Erfahrungen mit gemacht, manche können nichts damit anfangen, manche haben dort sehr gute Erfahrungen, aber stellen sich was Besonderes darunter vor. Also, wenn wir Narayana sagen in diesem Gebet, das sagt einfach, dem, der in allen Geschöpfen ist, dem wollen wir das darbringen, was auch immer wir tun. Und damit ist auch beinhaltet, zum einen, wir bringen es dar an Gott, aber weil er in allen Geschöpfen ist, wir wollen es auch darbringen zum Wohl von anderen. Das, was wir tun, tun wir nicht nur für etwas Abstraktes, wir tun es nicht nur für uns, wir tun es nicht nur für unsere unmittelbare Familie und Freunde, für die natürlich auch, sondern wir tun es für alle Wesen, mit denen wir in Kontakt kommen. Und wir wollen es tun, was auch immer wir tun, mit unserem Körper, Kayena. Was auch immer wir mit unserer Stimme tun, Vacha. Was auch immer wir tun mit unseren Gedanken, Manas, Buddhi, mit unserem Intellekt, mit unseren Sinnen, mit unseren Emotionen, Bhava und Prakriti, mit unserer Natur. Was auch immer es sein mag, das bringen wir diesem Narayana dar, diesem, der in allen Wesen ist. Das können wir morgens sagen und wir können es mit großer Hingabe sagen: „Was auch immer ich tue, ich will es darbringen.“ Und am Abend können wir wieder sagen: „Was auch immer ich heute gemacht habe, ich bringe es Gott dar.“ Und der Meister, bei dem ich gelernt hatte, Swami Vishnu, sagte immer: „Was immer ich getan habe, Gutes wie auch weniger Gutes, Gelungenes wie auch weniger Gelungenes.“ Und ich vermute, die meisten würden sagen, öfters schaut man am Tag zurück und stellt fest, man hat mehr nicht gemacht als gemacht. Es gibt da so eine moderne, fast Sisyphusarbeit, bei mir ist das zur Zeit Email. Da kommen irgendwie mehr als hundert Emails am Tag und jetzt bin ich auf einen genialen Trick verfallen. Ich sortiere das einfach, so in unserem Haupteingangskonto sind jetzt momentan null immer. Dann gibt es einen Unterordner für Bharata, der war gerade im Urlaub, der ist jetzt mit zweihundert angefüllt. Unterordner für Sukadev, der hat sich jetzt mit sechzig angefüllt. Dann schicke ich noch ein paar weiter. Aber letztlich, es ist immer mehr noch unbearbeitet als bearbeitet. Und das geht jetzt nicht nur mit Emails, das geht bei so vielem anderen auch. Also, nur dass ihr wisst, selbst wenn man einen Ashram leitet, dann ist es auch nicht so, dass man einfach nur gemütlich „Om“ sagt, ein paar weise Worte spricht und ansonsten gemütlich spazieren geht und bewusst isst und ansonsten nur meditiert und alles andere reguliert sich von selbst. Also, ich weiß auch, wovon ich spreche, wenn ich sage, man muss vieles, was ungetan ist, Gott darbringen. Und vieles, was man unvollkommen gemacht hat, Gott darbringen. Und vieles, wo man Erwartungen anderer nicht gerecht werden kann, muss man Gott darbringen. Und auch dort werden viele sagen: „Ja, vieles, was ich von mir erwarte und andere von mir erwarten, konnte ich nicht machen.“ Aber solange wir es so gut gemacht haben, wie wir in dem Moment konnten, mit unseren Kräften, die wir haben, nicht mit denen, die wir haben sollten oder meinen, haben sollten, dann können wir dann nachher sagen: „Alles, was ich getan habe, Oh Gott, will ich Dir darbringen. Und ich bringe es von ganzem Herzen dar.“ Und dann bitten wir darum: „Und alles andere, bitte, vervollständige Du.“ Und so ist dann der letzte Vers dieses Twameva: „Sarva Dharmam Parityajya Mam Ekam Sharanam Vraja Aham Tva Sarvapapebhyo Mokshayishyami Ma Shuchah.“ Das ist eigentlich ein Versprechen von Krishna, 18. Kapitel, Bhagavad Gita, 66. Vers. Und dort sagt Krishna: „Nachdem du alles abgewogen hast und nachdem du selbst überlegt hast, was zu tun ist, dann übergib alles Mir. Dann wirst du keine Fehler machen, Ich werde dich zur Freiheit führen.“ Das ist so wie das Versprechen, an das wir uns erinnern können, und das in ähnlicher Form ja auch Jesus im Neuen Testament gesagt hat. In ähnlicher Form finden wir das in fast allen Religionen. Wir bringen es Gott dar und sind in aller Demut, in aller Unvollkommenheit und dann können wir wissen, Gott wird uns befreien. Und das führt dann schon mal zu einer einfachen Befreiung, nämlich, wir können in Ruhe schlafen gehen, am nächsten Morgen in Ruhe aufwachen, am nächsten Morgen in Ruhe meditieren, am nächsten Morgen in Ruhe mit unserer Familie vielleicht kurz verbringen, in Ruhe zur Arbeit gehen. Dann fängt der Stress des Lebens an und wir engagieren uns in aller menschlichen Unvollkommenheit, machen all das, dann können wir uns zwischendurch noch an Gott erinnern. Zum Schluss können wir alles Gott darbringen und wieder in Ruhe und Freiheit den Tag beschließen.

Hari Om Tat Sat

- wird fortgesetzt -

Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln

Besonderer Seminartipp für ein Wochenende

Montag, Januar 23rd, 2012

Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut im Seminarhaus Yoga Vidya Bad Meinberg, 10.02.12 – 12.02.12. Die vier Unermesslichen, auch bekannt als die Brahma Viharas, sind in einem kurzen und wunderschönen Gebet zu finden: „Mögen alle fühlenden Wesen Glück und die Ursache des Glücks besitzen, Mögen alle fühlenden Wesen von Leiden und der Ursache des Leides getrennt sein, Mögen alle fühlenden Wesen niemals von der Freude die frei ist von Leiden getrennt sein, Mögen alle fühlenden Wesen in Gleichmut verweilen, der frei ist von Anhaftung und Ablehnung.“