Vertrauen entwickeln - Teil 7 - Liebe trotzdem

Es gibt einen schönen Text, der ausnahmsweise nicht von Swami Sivananda ist, von einem namens Kent Keith aus dem Buch „Paradoxe Empfehlungen“. Ein Text, den man ab und zu mal lesen kann.

„Menschen erscheinen manchmal unverschämt, unvernünftig und Ichbezogen – liebe sie trotzdem.
Wenn du gütig bist, werden dir manche vorwerfen, du hättest eigennützige Hintergedanken – sei trotzdem gütig.
Wenn du erfolgreich bist, wirst du scheinbar einige falsche Freunde und einige echte Feinde bekommen – sei trotzdem erfolgreich.
Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verletzlich – sei trotzdem ehrlich und offen.
Wer groß denkt, wird manchmal von Kleingeistern behindert – denke trotzdem groß.
Was du über Jahre aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden – baue trotzdem auf. Wenn du heiter und fröhlich bist, mögen Menschen dich beneiden – sei trotzdem heiter und fröhlich.
Was du heute Gutes tust, kann morgen vergessen sein – tue trotzdem Gutes.
Die Menschen, die Hilfe brauchen, mögen dich angreifen, wenn du ihnen hilfst, oder vergessen, was du ihnen getan hast – hilf den Menschen trotzdem.
Gib der Welt so viel du kannst und es wird nie genug sein – gib der Welt trotzdem so viel du kannst.“

Das sind Dinge, über die man öfters mal nachdenken kann, denn manchmal denkt man, wenn wir Gutes tun, dann müssten ja andere genau das gleiche auch tun. Es gibt eigentlich die goldene Regel: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu. Und reagiere so, wie du gerne hättest, dass andere auf dich reagieren. Nur, man sollte nicht annehmen, dass jeder das so schätzt, was man macht. Und deshalb gibt es diesen Ausdruck „trotzdem“. Und man kann das auch fast wie ein Mantra machen, „trotzdem“. Das ist auch überschrieben als „trotzdem“. Also, wir können uns bewusst sein, langfristig auf die Dauer hilft das alles. Es hilft uns und es hilft anderen. Kurzfristig wird es zwischendurch Leute geben, die das nicht schätzen. Zu viele Menschen lassen sich davon abhalten, Gutes zu tun, weil es einmal jemanden gegeben hat, der sie dafür angegriffen hat, was sie Gutes tun. So wie es hier erscheint: „Menschen erscheinen oft unverschämt, unvernünftig und Ichbezogen.“ So handeln Menschen öfters. Aber Menschen sind nicht deshalb liebenswert, weil sie so großartig sind, allein dadurch, dass Menschen Menschen sind, sind sie liebenswert. Und man sagt auch, man wird respektiert für seine Stärken und geliebt für seine Schwächen. Und wenn wir nur Menschen lieben würden, die nur gute Eigenschaften haben, dann bleibt kaum noch jemand übrig. Und natürlich, die Eigenschaften, die es am schwierigsten macht, Menschen zu lieben, sind, wenn sie unverschämt sind oder mindestens uns erscheinen sie so. Ob sie wirklich unverschämt sind, ist ja noch eine ganz andere Frage. Wir sagen, uns erscheinen sie unverschämt, unvernünftig, Ichbezogen, dennoch, wir lieben sie trotzdem. Und das nächste ist: „Wenn du gütig bist, werden dir manche vorwerfen, du hättest eigennützige Hintergedanken.“ Ich glaube, das ist auch schon jedem so gegangen. Er hat wirklich sich bemüht, was Gutes zu tun, hat davon abgesehen, an eigenen Interessen, hat wirklich was Gutes getan, und manchmal wird es ja auch wertgeschätzt, vermutlich, es wird häufiger wertgeschätzt als nicht wertgeschätzt, aber dann gibt es den ein oder anderen, der einem vorwirft: „Du machst das nur deshalb.“ Dann ist man vollkommen verblüfft. Man hatte diesen Hintergedanken noch nicht mal wage gehabt. Und dann gibt es zu viele, die sagen: „Also, wenn das das Resultat ist, wenn ich mal freundlich bin, dass mir das vorgeworfen wird, dann werde ich nie mehr freundlich sein.“ Gut, glücklicherweise, nach ein paar Tagen ändert man das wieder, aber man sollte sich nicht davon abhalten, Gutes zu tun, nur weil andere einem vorwerfen, man hätte eigennützige Hintergedanken. Oder das nächste ist: „Wenn du erfolgreich bist, wirst du scheinbar einige falsche Freunde und einige echte Feinde bekommen.“ Auch das, es wird, wenn man erfolgreich in irgendwas ist, notwendigerweise wird es Neider geben. Solange man klein ist, dann gibt es kaum jemanden, der was dagegen hat. Aber sowie man irgendwie groß wird – das muss jetzt nicht heißen, dass man jetzt irgendwo international bekannt wird, sondern es reicht schon aus, wenn man irgendwo in seinem kleinen Bereich irgendwo größer wird. Schon wenn man in der Firma plötzlich zum Abteilungsleiter wird oder Teamleiter – vorher war man in seinem Team mit seinen Kollegen und es schien alles gut zu sein, prompt wird man zum Teamleiter oder Abteilungsleiter, prompt, Menschen, mit denen man vorher gut zurechtgekommen ist, verhalten sich ganz anders. Oder angenommen, man ist in einem Verein, engagiert sich, lässt sich zum Vereinsvorsitzenden wählen – es gab noch nicht mal irgendjemand anderes, der die Position angenommen hätte – man hat es nur gemacht, weil niemand anderes da war und die Sache ist irgendwo gut, prompt gibt es Leute, die usw. Also, dem ist so, und trotzdem sollte man einiges bewirken. Und wenn man von vornherein weiß, dass das vermutlich mit einhergeht, dann erstaunt es einen auch nicht, wenn es so passiert.

Daher nochmal die anderen ohne weiteren Kommentar, aber nochmal gelesen:

„Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verletzlich – sei trotzdem ehrlich und offen.
Wer groß denkt, wird manchmal von Kleingeistern behindert – denke trotzdem groß.
Was du über Jahre aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden – baue trotzdem auf. Wenn du heiter und fröhlich bist, mögen Menschen dich beneiden – sei trotzdem fröhlich.
Was du heute Gutes tust, kann morgen vergessen sein – tue trotzdem Gutes.
Manche Menschen, die Hilfe brauchen, mögen dich angreifen, wenn du ihnen hilfst – hilft ihnen trotzdem.
Gib der Welt so viel du kannst, es wird nie genug sein – gib der Welt trotzdem so viel du kannst.“

Hari Om Tat Sat

- wird fortgesetzt -

Mitschrift eines Vortrags von Sukadev Bretz im Rahmen eines Seminars zum Thema „Vertrauen entwickeln“ bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Die vollständige Vortragsreihe als mp3 Audio Podcast findest du unter http://y-v.de/vertrauen-entwickeln


Comments are closed.