Madalasa berichtet über Swami Devananda oder “Erkenne dich!”

Swamiji versuchte ständig, uns dazu zu bringen, hinter unsere begrenzte Sicht von uns und der Welt zu sehen. Er öffnete unseren Geist, manchmal hitzig, manchmal sanft, immer mit großer Liebe. Egal wie groß unser Widerstand war, er half uns bei kleinen Veränderungen und brachte uns dazu, unsere Vorstellungen darüber loszulassen, wie die Dinge waren oder sein sollten und unser wahres Selbst zu erkennen.

Wenn Swamiji sprach, lauschte ich normalerweise hingerissen, da er den Worten die wahre Wahrheit gab, etwas, was ich hören wollte, aber über die nie jemand gesprochen hatte. Swamiji hatte ein jedoch ein Thema, was mich irgendwie beunruhigte. Manchmal sprach er über die verschiedenen Rollen von Männern und Frauen in der Gesellschaft. Er sah diese Rollen psychologisch festgelegt und führte das Unglück in vielen Familien auf die Versuche zurück, diese „natürlichen“ Rollen zu mißachten. Ich fühlte, daß er hier aus einer kulturell konditionierten Perspektive sprach und nicht aus der Perspektive der universellen Wahrheit. Ich konfrontierte ihn nie damit. Die Menschen diskutierten normalerweise nicht mit Swamiji.
Eines Tages während eines Vortrages kam Swamiji wieder auf diese Thema zu sprechen. Während seine Worte über alle anderen Objekte ein Gefühl der Freude in mir auslösten, bemerkte ich, wie in mir wieder heftiger Ärger aufstieg, als er seine Sicht der grundsätzlichen verschiedenen Verhaltensweisen von Männern und Frauen darstellte. Bevor ich noch darüber nachdenken konnte, platzte ich heraus, daß ich ihm hier nicht zustimmen konnte, obwohl ich doch sonst die Aufrichtigkeit und die Wahrheit in seinen Worten sah. Ich vesuchte, die kulturellen Perpektiven, historischen Ursachen usw. darzustellen, aber Swamiji unterbrach mich sofort.
„Madalasa“, brüllte er, „Bist Du eine Jüdin oder eine Christin?“ Ich war unbeherrscht, versuchte aber, achtsam zu antworten. „Na ja, beides. Oder keins. Ich wurde in eine jüdische Familie geboren und auch in dieser Religion erzogen, aber später lernte ich die Wahrheit der Lehre Jesus und seine Herrlichkeit kennen. Allerdings kann ich auch in anderen Religionen die gleiche Wahrheit erkennen, so daß ich mich nicht speziell als Jüdin oder Christin fühle.“
Swamiji nickte schroff. Er wußte das bereits über mich. Er fragte mich sofort weiter, immer noch recht laut, „Bist Du Amerikanerin oder Kanadierin?“
„Swamiji, ich bin in Amerika geboren, aber ich bin vor über zehn Jahren nach Kanada gezogen und habe die kanadische Staatsbürgerschaft. Ich bin keine sehr politische oder patriotische Person und ich fühle mich weder wie ein Amerikanerin oder Kanadierin, eher wie eine Art Weltbürgerin.“
Wieder nickte er schroff und fragte weiter, “Bist Du ein Mann oder eine Frau?“
Diese Frage brauchte keine Überlegung. Sofort antwortete ich, „Na ja, Swamiji, natürlich bin ich eine Frau.“
Er sagte nichts, setzte sich nur zurück mit einem großen Lächeln und wartete darauf, daß meine eigene Dummheit mir auffallen würde. Ich war mir durch seine Stille und seinem Ausdruck darüber bewußt, daß ich gerade in eine monumentale Falle geraten war, aber ich konnte sie nicht sehen. Ich war einfach verwirrt.
Nach einem Moment der Stille tadelte er mich, „Du identifizierst Dich nicht mit Deiner Rasse, Deiner Religion oder Deiner Nationalität. Du weißt, dass das Zufälle der Geburt sind. Du identifizierst Dich mit dem unsterblichen Selbst, welches unveränderbar bleibt. Wenn ich also Witze über Juden oder Hindus, über katholische Priester oder amerikanische Präsidenten mache, bist Du nie erzürnt, (das stimmte, musste ich zugeben.) Aber immer wenn es um Männer und Frauen geht, zeigst Du eine heftige emotionale Reaktion und verlierst jede Urteilfähigkeit. Du kannst nicht zuhören. Und zwar, weil Du Dich mit dieser Rolle identifizierst. Du bist keine Frau, genauso wenig wie Du eine Jüdin, eine Buddhistin, eine Deutsche oder eine Kanadierin bist. Auch diese Körper sind nur wie Kleider, die wir angezogen haben, um sie wieder abzulegen, wenn sie aufgetragen sind. Du warst Tausende Male sowohl eine Frau als auch ein Mann. Sei immer daran erinnert, dass Du Dich mit Deinem wahren Selbst identifizierst, dem Unsterblichen Atman, und sei nicht so schnell erzürnt!“

Madalasa
Ottawa, Ontario, Canada


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